Schneller, länger, weiter: Die wahnwitzigsten Bahnprojekte
Aktualisiert

Schneller, länger, weiterDie wahnwitzigsten Bahnprojekte

Die Chinesen planen den Bau eines Hochgeschwindigkeitszuges von Peking bis Berlin. Wozu Bahnpioniere alles fähig sind, zeigt ein Blick in die Vergangenheit.

von
am

China mausert sich zur Bähnlernation: Allein in den nächsten drei Jahren will die chinesische Regierung 300 Millarden Dollar in den Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes investieren. Zum Vergleich: Die NEAT mit dem Lötschberg-, Gotthard- und Ceneri-Basistunnel kostet rund 20 Milliarden Franken. Die Pläne der Chinesen gehen allerdings noch viel weiter: Im Büro des Chefingenieurs hängen Pläne für Strecken bis nach Singapur, Neu Dehli oder gar eine abenteuerliche Südroute durch Iran und die Türkei bis nach Berlin.

Berlin ist nicht zufällig der Endbahnhof der Strecke: Die deutsche Hauptstadt war bei Baubeginn 1902 Ausgangspunkt der legendären Bagdad-Bahn. Die Teilstrecke von Berlin bis ins türkische Konja existierte bereits, noch fehlten 1600 Kilometer bis nach Bagdad. Insgesamt 38 Jahre wurde an diesem Stück gebaut, bis die Bagdad-Bahn 1940 vollendet war, mitten im Zweiten Weltkrieg. Beim Bau der Strecke waren zeitweise über 35 000 Menschen beschäftigt, darunter viele Zwangsarbeiter.

Transsib bleibt ungschlagen

Die längste durchgehende Eisenbahnverbindung der Welt bildet nach wie vor die transsibirische Eisenbahn. Sie führt über 9288 Kilometer von Moskau nach Wladiwostok am Pazifik. Die Strecke wurde zwischen 1891 bis 1916 gebaut. Russland erstellte die Bahn, um die sirischen Bodenschätze zu plündern. Das Wunderwerk wurde erst 2002 mit der durchgängigen Elektrifizierung vollendet.

Das letzte Bahn-Pionierwerk liegt nicht weit zurück - und geht wiederum auf das Konto der Chinesen. Im Jahr 2006 nahm die Tibet-Bahn ihren Betrieb auf, welche auf einer Länge von 1956 Kilometern Lhasa mit Golmund verbindet und bis auf eine Höhe von 5000 Metern steigt. Deshalb sind die Züge – wie im Flugzeug – mit einer Druckkabine ausgerüstet.

WM 2014 ohne Hochgeschwindigkeitszüge

Neben China erlebt die Eisenbahn auch in Brasilien eine neue Blüte: Die Regierung wollte ursprünglich bis zur Fussball-WM 2014 eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Rio und São Paulo bauen. Darauf soll alle 20 Minuten ein «Trem-bala», wie der Brasil-Express genannt wird, verkehren. Nach jüngsten Medienberichten ist jedoch nicht absehbar, wann und ob überhaupt je die Strecke eröffnet wird.

Klar scheint hingegen, wann das Schweizer Jahrhundertprojekt NEAT vollendet wird: Voraussichtlich ab 2017 brausen die Züge mit 250 Stundenkilometern durch den Gotthardtunnel.

Deine Meinung