Aktualisiert 04.02.2013 12:40

Nach Davis-Cup-Out

Die wahren Verlierer sind das SRF und Federer

Stanislas Wawrinka weinte nach dem Davis-Cup-Aus gegen Tschechien bittere Tränen. Doch eigentlich ist er der Sieger des Wochenendes, findet unser Sportredaktor Reto Fehr.

Die Schweiz verpasste den Coup im Davis Cup gegen Tschechien knapp. Trotz der Niederlage dürfen sich einige als Gewinner fühlen: Henri Laaksonen kämpfte gegen Tomas Berdych aufopfernd und holte sich einen Satzgewinn. Im unbedeutenden letzten Spiel gewann er zudem gegen Jiri Vesely. Marco Chiudinelli war die tragende Kraft im Doppel – trotz des entscheidenden Doppelfehlers beim Matchball.

Natürlich war da auch noch Stanislas Wawrinka. Im epischen Doppel rackerte er – wenn auch nicht fehlerlos – einmal mehr über viele Stunden und im Duell mit Berdych am Sonntag hätte er diesen fast wieder in einen Fünfsatzkrimi verwickelt. Nach der Niederlage brachen an der Pressekonferenz die Emotionen aus ihm heraus. Als die Frage auftauchte, wie er all diese bitteren Niederlagen verarbeiten könne, verliess der Romand weinend den Saal. Die Enttäuschung ist verständlich, zumal Wawrinka alles gegeben hat.

SRF zeigt nichts live

Das kann man nicht von allen Beteiligten behaupten. Auf eine Live-Übertragung des SRF hoffte man etwa vergeblich. Dem Schweizer Fernsehen waren die Partien in Genf zu wenig wichtig. «SRF orientiert sich bei den Davis-Cup-Übertragungen an Roger Federer. Die Erfahrung zeigt, dass Übertragungen von Spielen mit Stanislas Wawrinka die deutlich schlechteren Quoten aufweisen», kommentiert die SRF-Medienstelle auf Anfrage den Verzicht auf die Übertragung. Ein kurzfristiger Einstieg am Sonntag sei nicht möglich gewesen, da die Übertragung von Anfang an nicht geplant gewesen sei.

Zum Glück übernahmen die welschen Kollegen von RTS Deux. Deutschschweizer Tennis-Fans mussten dort allerdings beim französischen Kommentar mitleiden. Klar konnte das SRF nicht ahnen, dass es am Samstag die längste Davis-Cup-Partie aller Zeiten und am Sonntag den aufopfernden Kampf Wawrinkas verpassen würde. Aber das Achtelfinal der Schweizer «Tennis-Nati» dürfte man dennoch als Service public verstehen.

Nicht Wawrinka mit dem Davis-Cup-Team, sondern das Schweizer Fernsehen ist nach diesem Wochenende der eigentliche Verlierer. Der Romand rannte am Samstag und Sonntag innert 26 Stunden 10 Stunden auf dem Court herum und verlor zweimal bitter. Einmal mehr kämpfte er sich aufopfernd in die Herzen der Schweizer. Dass das fehlende Quäntchen Glück zum Sieg fehlte, ändert nichts daran. Vielmehr fliegen ihm die Sympathien genau darum noch mehr zu. In Abwesenheit von Roger Federer nahm er die Belastung Davis Cup erneut auf sich und versuchte, das Unmögliche möglich zu machen.

Neben dem SRF ist auch Roger Federer – ohne zu spielen – einer der Verlierer des Davis Cups. Während sich seine Kollegen in der Palexpo-Halle abmühten, lächelte dieser einem einzig auf Werbungen oder Plakaten entgegen. Auf dem Court glänzte die Weltnummer 2 durch Abwesenheit. Einzig Vater Robert liess sich die Partien in Genf nicht entgehen.

Kratzer an Federers Image

Obwohl Federer nie einen Hehl aus seinem Desinteresse am Davis-Cup-Achtelfinal machte und seine Absage schon im Herbst ankündigte, tut die Absenz jetzt doppelt weh. Mit ihm wären die Chancen gegen Tschechien ungleich grösser gewesen. Ausserdem hätte die Schweiz im Viertelfinal ein Heimspiel gegen die deutlich schwächer eingestuften Kasachen gehabt.

Auch wenn der Maestro in früheren Jahren ebenfalls den Davis Cup sausen liess und der Verzicht für eine gute Saisonplanung und das Ziel Olympia 2016 durchaus nachvollziehbar sind: Gut möglich, dass die Schweizer ihm dieses Mal nicht einfach so verzeihen – denn im Dezember hatte er ja gar Zeit für Showtennis in Südamerika.

Und wenn schon! Er ist Roger Federer, eine Legende. Die paar Kratzer an seinem Image wird er verkraften – und beim nächsten grossen Turniersieg wäre sowieso wieder alles vergessen und die grossartige Saisonplanung würde als Nonplusultra gelobt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.