Aktualisiert 16.05.2007 10:48

Die Wahrheit über die Schutzmasken

Laut Warnaufdruck schützen einige der vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) propagierten Hygienemasken «den Träger nicht vor ansteckenden Krankheiten wie Grippe». Aber wozu sind sie dann gut?

Hygienemasken seien kein Atemschutz, präzisierte BAG-Sprecher Jean-Louis Zürcher am Mittwoch eine Meldung des «Blick», wonach Migros-Masken einen entsprechenden Warnaufdruck tragen. Solche das Atmen erschwerende Masken seien für den Alltagsgebrauch untauglich. Wichtig sei dem BAG gewesen, dass die Hygienemasken leicht seien und trotzdem eine Tröpfchenübertragung minimieren.

«Sollte sich aber zeigen, dass die Vogelgrippe nicht wie bisher angenommen über Tröpfchen, sondern über die Atemluft übertragen wird, wären diese Masken nutzlos, und man bräuchte viel teurere Atemschutzmasken», gibt Andreas Widmer, Leiter der Abteilung Spitalhygiene am Universitätsspital Basel auf Anfrage zu bedenken.

Denn gegen Bakterien können solche Masken strenggenommen nichts ausrichten, da diese klein genug sind, um durch das Gewebe zu dringen, erklärt Matthias Mütsch, Geschäftsführer des Medizinalimporteurs Healthco. Wirksam gegen Grippe seien sie, weil Grippebakterien an Wasser gebunden seien und deshalb aufgefangen werden können.

Geprüfte und überwachte Norm

Laut Pandemieplan müssen die Hygienemasken eine Bakterienrückhaltquote von 98% aufweisen. Healthco-Pharma liess gemäss «SonntagsZeitung» vier chinesische Produkte vom unabhängigen Labor HygCen testen - mit vernichtendem Ergebnis.

75% der Masken fielen beim Test durch, obwohl sie laut beigelegten Zertifikaten die Norm EN 14683 hätten erfüllen müssen, präzisierte Healthco-Geschäftsführer Matthias Mütsch gegenüber der SDA.

Sowohl Migros wie Coop betonen, dass ihre Masken von unabhängigen Labors geprüft wurden. Die Hygienemasken von Coop stammen zwar ebenfalls aus China, sind aber laut Coop vom TÜV München geprüft worden. Es handle sich um ein Produkt, das auch an «namhaften Spitälern» verwendet werde, so Coop-Sprecherin Susanne Erdös am Mittwoch gegenüber der SDA.

Swissmedic überwacht Qualität

Coop verzichtet auf einen Warnaufdruck, wie ihn das Migros- Produkt von 3M trägt. Dafür wird im Beipackzettel nicht mehr versprochen, als dass die Maske bei fachgerechter Handhabung das Risiko einer Ansteckung minimieren könne.

Auch der 3M-Sprecher betont, dass die aus Thailand stammenden Masken seiner Firma geprüft und nach der Euronorm zertifiziert seien. Ausserdem werde die Qualität der vom BAG empfohlenen Produkte vom Heilmittelinstitut Swissmedic überwacht, ergänzt BAG- Sprecher Jean-Louis Zürcher.

Weniger wirksam als Händewaschen

Einen hundertprozentigen Schutz - so sind sich alle Befragten einig - bieten Hygienemasken sowieso nicht. Sie sind ja auch nur ein Teil des vom BAG propagierten Massnahmepakets.

«Den besten Schutz bietet immer noch die Impfung», so Zürcher vom BAG. Aber auch häufiges Händewaschen mit Seife sei vermutlich wirksamer gegen Ansteckung als eine Maske.

(sda)

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