TV-Recycling: Die Wanderpokale der Freakshows
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TV-RecyclingDie Wanderpokale der Freakshows

Kunstfurzer, Busenhammer, Penismaler – früher zogen solche Exzentriker von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. Das Prinzip ist bis heute unverändert. Nur die Schaubuden heissen heute anders – «Das Supertalent» etwa.

von
obi

«Es gibt Sachen, die ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen hab und wo ich wirklich mit offenem Mund dagesessen und gedacht habe: 'Mensch, das gibts doch gar nicht'», sagte Dieter Bohlen beim Anblick des Wassermelonen zertrümmernden Busenwunders Busty Heart, die in der bevorstehenden Staffel von «Das Supertalent» ihr Können demonstrieren will. Da hat aber Dieter, untypisch für einen Medienprofi, nicht über die eigenen Landesgrenzen geschaut. Bereits seit einigen Jahren ist die XXL-Amerikanerin mit ihren Opfermelonen in den TV-Shows der Welt unterwegs – etwa anno 2008 in der US-Version von «Das Supertalent», «America's Got Talent».

Auch der Engländer Tim Patch ist kein Unbekannter. Einige TV-Auftritte kann der Kunstmaler, der seinen Penis als Pinsel benutzt, bereits sein eigen nennen. Pricasso, wie er sich gerne scherzhaft nennt, wird ebenfalls in der bevorstehenden Staffel des deutschen «Supertalents» dabei sein (20 Minuten Online berichtete).

Gibts gar nicht! Doch, bereits mehrmals!

Ein weiterer 'Das gibts doch gar nicht'-Kandidat ist Paul Oldfield, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Mr. Methane. Der britische Flatulist gab bereits in der ersten «Supertalent»-Staffel ein Schmankerl seines Könnens zum Besten. Ach ja, Flatulist bedeutet 'Kunstfurzer', und dabei ist der Kunst-Aspekt ernst gemeint. Der Gute kann ein ansehnliches Repertoire der Klassik pupsen, darunter der «Donauwalzer» und die «Ouvertüre 1812». Auch Oldfield war zuvor in diversen TV-Shows zu bewundern, unter anderem in der britischen Ur-Version «Britain's Got Talent», aber auch schon 2007 in der Sat1-Show «Clever! – Die Show, die Wissen schafft».

Flatulist Superstar

Mr. Methane hat ein historisch bedeutendes Vorbild. Der Franzose Joseph Pujol (1857 – 1945) trat als Le Pétomane (vom französischer péter = furzen) gar in der Moulin Rouge in Paris auf. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere soll er höhere Gagen als die grössten Opernstars der Zeit garniert haben. Pujols erstaunliches Repertoire umfasste die «Marseillaise», populäre Melodien wie das Kinderlied «Au clair de la lune», die Imitation von Musikinstrumenten wie der Tuba bis hin zu einer eigenen Improvisation über das Erdbeben in San Francisco von 1906. Nach seiner Zeit im Moulin Rouge gründete er sein eigenes Theater, das in einem kleinen Zelt auf Tournee ging und in dem neben Pujol auch noch andere Künstler auftraten.

Kunstfurzer, Busenhammer, Penismaler – früher gingen solche Freakshow-Talente mit ihren Schaubuden von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. Heute sind die Jahrmärkte etwas grösser – sie sind multimediale Casting-Shows – doch das Prinzip ist das gleiche.

Video: Mr. Methane bei «Britain's Got Talent»

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