«Time out»: Die weinenden Buben von Bern

Aktualisiert

«Time out»Die weinenden Buben von Bern

Der SC Bern kann keine engen Spiele mehr gewinnen. Nicht einmal mehr gegen Langnau. Das hat es so seit dem Wiederaufstieg von 1986 nicht mehr gegeben.

von
Klaus Zaugg
Der SCB hat seit sieben Runden keine einzige umstrittene Partie gewonnen.

Der SCB hat seit sieben Runden keine einzige umstrittene Partie gewonnen.

Keine Polemik. Nur Fakten. Die letzten sieben Spiele des SC Bern: Biel – SCB 3:2 n.V., SCB - Lugano 2:3 n.P., Ambri – SCB 4:3 n.V., SCB – Servette 1:2, Fribourg – SCB 5:3, SCB – Biel 5:1, Langnau – SCB 5:3

Was fällt uns auf? Die Berner haben alle hartumkämpften Spiele verloren. Auch gegen den 8., 9., 10. und 11. der Tabelle.

Ausruhen auf Punktepolster

Trainer Antti Törmänen hat daraus eine positiven Schluss gezogen: «Wir haben jedes Mal nur mit einem einzigen Tor Differenz verloren wenn wir berücksichtigen, dass wir zweimal einen Treffer am Schluss ins leere Tor kassierten. Das zeigt, dass wir konkurrenzfähig sind.»

Das ist richtig. Aber richtig ist auch: Der SCB hat seit sieben Runden keine einzige umstrittene Partie gewonnen. Jetzt ein wenig Polemik: Wenn aus dem Spiel harte Männersache wird, wenn es in der Schlussphase zum Showdown kommt, wenn Talent nicht mehr genügt, wenn Tugenden wie Disziplin, Leidenschaft, Wille und Kampfbereitschaft ebenso wichtig werden wie Tempo und Technik – dann verliert der SCB unter seinem neuen finnischen Trainer.

Ist das nur Zufall? Vielleicht. Aber vielleicht auch nicht. Die Berner ruhen weich auf einem schönen Punktepolster (69 Zähler), tiefer als auf Rang fünf können sie eigentlich gar nicht mehr zurückfallen.

Auch die Niederlage in Langnau führt nicht zu Polemik und schon gar nicht zur Selbsterkenntnis, dass es wahrscheinlich ein Fehler war, Trainer Larry Huras zu feuern. Der nun schon sieben Spiele andauernde Zerfall der Leistungskultur ist beängstigend. Es geht nicht um die Niederlagen. Die gehören dazu, und Spitzenteams fahren im Januar sehr oft unerklärliche Pleiten ein. Ungewöhnlich und besorgniserregend beim SCB: Alle Niederlagen folgen dem genau gleichen Muster, eine Korrektur ist nicht gelungen. Das hat es so seit dem Wiederaufstieg von 1986 selbst in Zeiten der Krise nicht gegeben.

Badehosen-Hockey

In Langnau ist nun noch ein neues Element hinzugekommen: Badehosen-Hockey. Die Langnauer waren in der entscheidenden Phase nicht nur schneller, leidenschaftlicher und defensiv besser organisiert. Sie waren vor allem härter. Sie vermochten den grossen SCB, die einstigen «Big bad Bears», einzuschüchtern.

Typisch für die weinenden Knaben aus Bern: Einer der hochrangigen SCB-Bürogeneräle jammerten im Kabinengang über die grosszügige Spielleitung von Schiedsrichter Danny Kurmann und kam gar zum abstrusen Schluss, der Schiri habe Verletzungen der Spieler in Kauf genommen. Dabei hatte Kurmann richtigerweise das Spiel laufen lassen und gesunde Härte toleriert.

Immerhin gibt es einen Lichtblick: Trainer Antti Törmänen suchte, anders als die SCB-Konzernleitung, keine Ausreden. «Die Langnauer haben hart gespielt. Aber genau das ist notwendig, um solche Spiele zu gewinnen. Meine Spieler haben zu spät endlich die Beine bewegt.» Verteidiger David Jobin und Stürmer Pascal Berger waren nach harten und richtigerweise nicht bestraften Checks von Martin Stettler bzw. Claudio Moggi vorübergehend ausgefallen. Beide kehrten ins Spiel zurück und sollten heute gegen die Lakers dabei sein. Hingegen ist heute in Kloten der Einsatz von Langnaus Anton Gustafsson (Schulterverletzung) nach einem harten Check von Philipp Furrer fraglich. Die SCB-Stars könnten also auch hart spielen. Wenn sie nur wollen. Oder wenn der Trainer dafür sorgt, dass sie wollen.

Noch genug Zeit zur Korrektur

Heute Samstag darf der SCB gegen den Tabellenletzten antreten. Sollte es dem im Selbstverständnis wichtigsten Hockeyunternehmen im Lande zu einem Sieg gegen die übermächtigen Lakers reichen, dann werden SCB-General Marc Lüthi und sein Trainer Antti Törmänen mit ziemlicher Sicherheit von einer starken Reaktion und Charakter fabulieren. Dabei sind Sieg und Spektakel gegen die Lakers Pflicht.

Wenn Niederlagen wie gegen die SCL Tigers bei einem Sportunternehmen wie dem SC Bern keine Konsequenzen haben und alle auf einem schönen Punktepolster ruhen dürfen, kommt es zu einer Art Wohlstandsverwahrlosung. Jeder darf tun und lassen, was er mag. Der kanadische Verteidiger und defensive Nonvaleur Joel Kwiatkowski verschuldete zwei Treffer selber – den Penalty zum 2:1 und Langnaus Siegestreffer (4:3). Seine anhaltend miserablen Leistungen haben keine Konsequenzen.

SCB-General Marc Lüthi hat Trainer Larry Huras nach einem 1:2 n.V. gegen die ZSC Lions gefeuert und durch Antti Törmänen ersetzt. Um das Spektakel zu erhöhen. Spektakulär knappe Niederlagen hat Lüthi nicht gemeint. Das ist keine Vermutung. Das dürfen wir Tatsache hinstellen. Es verbleiben Trainer Antti Törmänen bis zu den Playoffs sieben Wochen Zeit zur Korrektur.

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