Aktualisiert 08.10.2014 07:04

OECD-Studie

Die Welt aus den Fugen - aber es geht uns gut

Die OECD hat untersucht, ob sich das Leben der Menschen verbessert hat. Fazit: Noch nie ging es uns so gut. Von dieser Entwicklung haben aber nicht alle gleich stark profitiert.

von
F. Lindegger

Trotz Konflikten, Krisen und Katastrophen: Noch nie ist es den Menschen so gut gegangen wie heute. Zu diesem erstaunlichen Schluss kommt eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die das Wohlergehen der Menschen zwischen 1820 und 2010 untersucht hat. Die Autoren der Studie analysierten dabei die Entwicklungen in 25 Ländern, wo rund 80 Prozent der weltweiten Bevölkerung leben. So hat sich beispielsweise das Pro-Kopf-Einkommen zwischen 1820 und 2010 mehr als verzwölffacht und die Lebenserwartung ist von weniger als 30 Jahren auf fast 70 Jahre angestiegen.

Das Pro-Kopf-Einkommen und die Lebenserwartung sind dabei zwei von insgesamt zehn Faktoren, die für die Beurteilung des Wohlergehens der Menschen einbezogen wurden. Neben wirtschaftlichen Werten flossen etwa auch eine Bewertung der demokratischen Institutionen, Mordraten oder die Umweltqualität in den verschiedenen Ländern in die Studie ein.

Fasst man alle diese verschiedenen Werte zusammen, zeigt sich erfreulicherweise, dass die Kurve weiterhin nach oben zeigt und das Leben der meisten Menschen auch künftig besser werden wird.

Unterschiede zwischen den Regionen

Die Daten der OECD zeigen aber auch, dass es grosse Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern und vor allem auch zwischen verschiedenen Weltregionen gibt. So hat sich die Situation in den Ländern südlich der Sahara erst seit den 1950er-Jahren merklich zu bessern begonnen. Doch im Vergleich zu den übrigen untersuchten Regionen sind diese Länder immer noch stark im Hintertreffen, was die unterschiedlichen Indikatoren betrifft. Die durchschnittliche Lebenserwartung etwa beträgt südlich der Sahara leicht mehr als 50 Jahre. Mit einigem Abstand folgt Südostasien, wo die Menschen im Durchschnitt 65 Jahre alt werden. In Westeuropa lebt man im Schnitt sogar fast 30 Jahre länger als ein Einwohner eines Landes, das südlich der Sahara liegt.

Auch was die Gleichheit zwischen Frau und Mann betrifft, hat sich die Situation in den letzten Jahrzehnten grundsätzlich verbessert. Laut den Daten der OECD trifft dies für Osteuropa und die ehemalige Sowjetunion sowie für Ostasien aber nicht zu. Gemessen wird die Gleichheit zwischen den Geschlechtern etwa damit, ob Frauen ausgebaute politische Rechte besitzen oder wie hoch ihre Lebenserwartung bei der Geburt ist. Am besten ist die Lage für die Frauen in Westeuropa sowie Nordamerika. In Nordafrika, dem Nahen Osten und in Südostasien hingegen fällt die Geschlechtergleichheit unterdurchschnittlich aus.

Ungleichheit nimmt zu

Aber nicht nur zwischen den Regionen gibt es Unterschiede, sondern auch wenn man die Entwicklung von einzelnen Indikatoren über die Zeit betrachtet. So hat sich zum Beispiel die Ungleichheit, die unter anderem anhand der Verteilung der Einkommen gemessen wird, seit den 1980er-Jahren laut der Studie wieder verstärkt. Zwischen dem Ersten Weltkrieg und den 1960er-Jahren war es zu einer eigentlichen «egalitären Revolution» gekommen. Die Ungleichheit zwischen den einzelnen Ländern hat dabei stärker zugenommen als innerhalb der untersuchten Staaten. In Westeuropa ist die Ungleichheit tendenziell am tiefsten. In Südamerika und der Sub-Sahara-Zone hingegen ist sie am höchsten.

Hier lässt sich die Entwicklung für die einzelnen Länder animiert darstellen.

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