Die Welt blickt auf Auschwitz
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Die Welt blickt auf Auschwitz

Staats- und Regierungschefs aus 30 Ländern haben sich am Donnerstag in Krakau versammelt, um der Befreiung von Auschwitz zu gedenken.

60 Jahre nach der Ankunft sowjetischer Truppen in dem NS-Vernichtungslager nahmen sie zunächst an einem Holocaust-Forum in Krakau teil. Danach war eine zentrale Gedenkveranstaltung am Ort des Massenmords in Auschwitz und Birkenau geplant. Die Schweiz war mit Bundespräsident Samuel Schmid vertreten.

Die Teilnehmer des Krakauer Forums wurden von Major Anatoli Schapiro begrüsst, der die Truppen am 27. Januar 1945 nach Auschwitz geführt hatte. Alle Menschen auf der Erde müssten gemeinsam alles tun, um eine Wiederholung der Schrecken zu verhindern, sagte der jetzt in den USA lebende Major in einer Videobotschaft. Schapiro und drei weitere sowjetische Veteranen nahmen eine Auszeichnung des polnischen Präsidenten Alexander Kwasniewski entgegen.

Zu der Gedenkfeier in Auschwitz wurden auch der israelische Staatspräsident Mosche Katzav, der russische Präsident Wladimir Putin, der französische Staatspräsident Jacques Chirac, US-Vizepräsident Dick Cheney sowie der Präsident des EU-Kommission, Manuel Barroso, erwartet. Geplant war auch ein stilles Gedenken an der Rampe im Lager Birkenau, wo NS-Ärzte die in Eisenbahnwaggons aus ganz Europa eintreffenden Häftlinge für den Tod in der Gaskammer selektierten.

Die zu dem Gedenktag nach Polen gekommenen Überlebenden des Vernichtungslagers sagten, dass sich jede Generation von neuem mit der Geschichte des Massenmords beschäftigen müsse. «Ihr seid die letzte Generation, die mit Überlebenden sprechen kann», sagte Trudy Spira, die als Elfjährige mit ihrer Familie aus der Slowakei nach Auschwitz deportiert wurde, vor Journalisten in Krakau. «Wir werden jeden Tag weniger.»

In dem Vernichtungslager ermordeten die Nazis eineinhalb Millionen Menschen, die meisten von ihnen Juden. Bei der Befreiung des Lagers trafen die sowjetischen Soldaten noch etwa 7.000 Überlebende an. Die meisten anderen Häftlinge waren von deutschen Soldaten zu Todesmärschen nach Westen gezwungen worden.

(dapd)

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