Trotz Fukushima: Die Welt hält an Atomstrom fest
Aktualisiert

Trotz FukushimaDie Welt hält an Atomstrom fest

Mit dem Ausstieg aus der Atomkraft steht die Schweiz fast allein da. Rund um den Globus werden derzeit über 60 neue AKW hochgezogen.

von
Alex Hämmerli
Blick aufs französische Kernkraftwerk in Nogent-sur-Seine.

Blick aufs französische Kernkraftwerk in Nogent-sur-Seine.

Verfolgt man die politische und mediale Debatte in der Schweiz, könnte man meinen, die ganze Welt kehre dem Atomstrom den Rücken. Doch dem ist nicht so: Auch nach der nuklearen Katastrophe von Fukushima bauen die internationalen Stromkonzerne weiterhin Meiler um Meiler.

Offiziell für den Ausstieg beziehungsweise gegen den Neubau von AKWs ausgesprochen haben sich derzeit neben der Schweiz einzig Deutschland, Italien und Japan. Das zeigt eine Übersicht, die der französische Industriekonzern Areva für 20 Minuten zusammen­gestellt hat. Areva ist der Weltmarktführer im Bau von Atomkraftwerken. «Während in der Schweiz und Deutschland die Angst vor AKWs überwiegt, fährt der Zug im Rest der Welt fast ungebremst weiter», sagt der in London lebende Robert Davies, Vizepräsident der Neubau-Sparte von Areva. In England etwa sehe man die ganze Sache pragmatischer. Derzeit seien weltweit über 60 Meiler in Bau – und weitere 500 in Planung.

So zum Beispiel in Saudi-Arabien: Dort sollen bis 2030 insgesamt 16 neue Kernkraftwerke entstehen. Oder in England: Hier wollen Regierung und Atomindustrie bis 2025 insgesamt 12 neue Meiler bauen, um die Kraftwerke zu ­ersetzen, die bis dahin altersbedingt vom Netz gehen. «Die Regierung befürchtet, dass wir sonst immer abhängiger von russischem Gas werden», sagt Peter Haslam, Berater der britischen Atomlobby NIA.

Solche Bekenntnisse dürften die Schweizer Kraftwerkzulieferer freuen. Alstom, ABB und andere profitieren von neuen Kernkraftwerken.

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