Hohe Ölpreise: Die Welt vor dem dritten Ölpreisschock?

Aktualisiert

Hohe ÖlpreiseDie Welt vor dem dritten Ölpreisschock?

Kaum hat der Ölpreise die Schwelle von 140 Dollar überschritten, ist der Begriff des dritten Ölpreisschocks in aller Munde.

Doch Experten beruhigen: Noch hat der hohe Preis keine gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft.

«Klar, wenn sich die Preise innerhalb zweier Jahre verdoppeln oder gar verdreifachen, kann man von einer Art Schock sprechen», sagt Benoît Lioud, Analyst bei Mercuria Energy Trading in Genf.

Tatsächlich lag der Ölpreis im Jahr 2004 noch bei 40 Dollar und hat sich bis 2007 auf 90 Dollar erhöht. Im vergangenen Januar hat er zum ersten Mal die Grenze von 100 Dollar pro Fass überschritten. Am Donnerstag bezahlte man gar 140 Dollar.

«Es gibt aber einen grossen Unterschied zu den Ölpreisschocks in den Jahren 1973 und 1980», sagt Lioud. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft, vor allem im Westen, seien weniger gravierend.

Hektik und Gelassenheit

Gleichwohl macht sich eine gewisse Hektik bemerkbar. Vertreter der arabischen Golfstaaten haben sich am vergangenen Wochenenende in der saudiarabischen Hafenstadt Dschidda gar zum Ölkrisen-Gipfel getroffen.

«Der Antieg ist zwar bedeutend», sagt auch Paul Dembinski, Direktor des «Observatoire de la Finance», einer gemeinnützigen Stiftung in Genf. Doch noch haben die Preise keine Turbulenzen ausgelöst, noch nimmt es die Konsumwelt gelassen. Die Wirtschaft zeigte sich bisher robust.

Alternativen vorhanden

«Die Wirtschaft hängt heute weniger am Öl als noch vor dreissig Jahren», sagt Philippe Cordonier von der Erdölvereinigung. Unternehmen setzen nicht mehr nur auf Öl, sondern auch auf alternative Energien und energiesparende Produktionssysteme. Der Energieposten sei im Budget darum kontrollierbarer.

Hinzu kommt, dass die Erdölschocks von 1973 und 1980 ihre Ursachen in geopolitischen Unruhen hatten. Die Vereinigung Erdöl exportierender Länder (OPEC) drosselte aus politischen Gründen das Angebot.

Experten betonen, dass der jetzige Preisanstieg von der Nachfrageseite ausgelöst wird. Vor allem die Schwellenländer verbrauchen mehr Energie. «Das Angebot hat Mühe mitzuhalten», sagt Lioud. Die Produktion stagniert eher. Die OPEC-Länder hätten Ölreserven, der Bedarf wäre gedeckt.

Aufwärtstrend hält an

Ein noch viel wichtiger Faktor sei aber die Rolle der Investoren, vor allem in den letzten zwei Jahren. Ihr Verhalten treibe die Preise, unabhängig vom eigentlichen Verbrauch. Experten gehen davon aus, dass sich diesbezüglich trotz einiger Kampfansagen von Politikern nicht viel ändern wird.

Die Preise dürften weiter steigen. Gemäss dem Präsidenten der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), Chakib Khelil, ist in diesem Sommer mit Preisen von 150 bis 170 Dollar pro Fass zu rechnen. Der Chef der russischen Gazprom hat langfristig gar 250 Dollar pro Fass in Aussicht gestellt.

Inflationsrisiko

«Preissenkungen sind schwierig», bestätigt Benoît Lioud. «Die Wirtschaft wird diese höheren Kosten in kleinen Schritten einbringen und auf die Produktepreise schlagen». Dies berge ein Inflationsrisiko. Doch bis jetzt habe dieses noch nicht durchgeschlagen. Die Teuerung wird gedämpft durch ein langsameres Wirtschaftswachstum.

«Wir haben noch genügend Raum, bis die Wirtschaft die Folgen wirklich spürt», sagt Philipp Cordonier zur Situation in der Schweiz. «Die kritische Phase ist noch nicht erreicht».

(sda)

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