Die Welt zu Gast im Asylantenheim
Aktualisiert

Die Welt zu Gast im Asylantenheim

In einer einstigen Asylantenbaracke der Stadt Zürich ist der Teufel los. Die deutschen Bewohner und der Verwalter sind sich spinnefeind. Wie Drogen, Alkohol und wirtschaftliche Interessen das Klima in der Baracke vergiften, in die jetzt auch noch ahnungslose Hotelgäste einquartiert werden.

von
Maurice Thiriet

Ein grosses Temporärbüro quartiert ihre deutschen Zeitarbeiter in einem städtischen Asylheim ein. Diese beklagen sich über den schlechten Ausbaustandard ihrer Unterkunft und die hohen Mietpreise von bis zu 650 Franken für neun Quadratmeter Wohnfläche. Sie erheben auch schwere Vorwürfe gegen den vom Stellenvermittler eingesetzten Verwalter der Liegenschaft. «Da will doch jemand den grossen Reibach machen», sagt einer der Arbeiter, die anonym bleiben wollen. «Der Verwalter will uns rausekeln, um eine Backpacker-Unterkunft einzurichten», heisst es weiter.

Koksen, kiffen, drohen

Der angeschossene Verwalter, Marcel Maurer, schlägt zurück. «Die Zustände hier sind unhaltbar. Die Arbeiter trinken nach der Arbeit masslos, sie koksen und kiffen, sprechen Drohungen aus. Sie bleiben die Mieten schuldig, verdrecken und beschädigen die Unterkunft und belästigen das Putzpersonal sexuell», sagt Maurer. Solche Mieter wolle er nicht. Pikant: Maurer hat bereits begonnen, für die Backpacker-Unterkunft Werbung zu machen und quartiert bereits Gäste ein. Er will den Mietvertrag für die Liegenschaft vom Temporärbüro übernehmen. Ob er das kann, ist fraglich.

Den Konflikt zwischen den deutschen Arbeitern und dem Verwalter kriegen auch die «Hotel-Gäste» zu spüren. «Sobald Gäste kommen, werden sie von den Arbeitern beschimpft und belästigt. Sie wollen mir die Gäste abspenstig machen», sagt Maurer. Auch er und seine Frau würden bedroht.

Drogenrazzia am Karfreitag

Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte der Konflikt am Karfreitag. Über ein Dutzend Stadtpolizisten stürmten die Liegenschaft und führten eine Drogenrazzia durch. Gefunden haben sie wenig. «Wir haben mehrere Personen kontrolliert und einige Verzeigungen wegen Konsums weicher Drogen getätigt», sagt Judith Hödl, Sprecherin der Stadtpolizei Zürich.

Der Verdacht der überraschten Arbeiter, Maurer habe ihnen die Polizei auf den Hals gehetzt, ist nicht ganz falsch. «Wenn Leute die Miete nicht bezahlen, aber sich Kokain, Marihuana und Alkohol in rauhen Mengen leisten können, dann stimmt doch etwas nicht», sagt Maurer. Seit vergangenem Juni hat Maurer nach eigenen Angaben Mietausstände in Höhe von 15 000 Franken zu beklagen. Das ist gleich viel, wie das Temporärbüro der Asylorganisation Zürich jeden Monat für die Miete der Liegenschaft überweist.

Zwei Arbeiter hat Maurer bereits polizeilich aus der Liegenschaft holen lassen müssen. Den einen wegen Mietschulden, den anderen wegen Vandalismus und Verstoss gegen die Hausordnung.

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