Aktualisiert 03.11.2009 16:27

UBS hat zu viel versprochen«Die Wende ist noch nicht erreicht»

«Erfolgsmeldungen» für die Schweizer Grossbank trieben die Marktteilnehmer zu freudiger Erwartung. Doch die UBS-Zahlen bleiben sehr rot und enttäuschen. Bankenexperte Walter Wittmann mag noch nicht einmal von einer Trendwende sprechen.

von
Sandro Spaeth

Die UBS schürte im dritten Quartal Zuversicht: Die Einigung mit den US-Steuerbehören und der Ausstieg des Bundes waren Erfolge, denn damit löste die Grossbank zwei ihrer grossen Probleme. Gerüchten zufolge hatte die UBS wegen der Rückkehr von institutionellen Anlegern gar grosse Neugeldflüsse und musste im Akkord neue Depots eröffnen. «Jüngst habe ich nichts anderes gemacht, als neue Konti eröffnet», sagte ein Banker kürzlich gegenüber 20 Minuten Online.

«Grübel wirds schon hinkriegen»

Diese Gerüchte erwiesen sich als falsch. Der Verlust der UBS betrug im dritten Quartal 2009 noch immer über 560 Millionen Franken, zudem flossen der Grossbank 37 Milliarden Franken Kundenvermögen ab. «Vom Resultat an sich bin ich nicht enttäuscht», sagt ein anonymer Händler. Enttäuscht ist er aber vom grossen Kapitalabfluss, denn der ist viel grösser ausgefallen als die erwarteten 16 Milliarden. Grundsätzlich sei die Bank aber auf dem richtigen Weg. «Der CEO Oswald Grübel wird das schon hinkriegen», gibt sich der Händler zuversichtlich und verweist unter Ausklammerung von Sondereffekten, wie beispielsweise der definitive Ausstieg aus dem Brasiliengeschäft, auf einen Gewinn von rund 1,5 Milliarden Franken.

Höhere Personalkosten lassen auf Zukunft hoffen

Schaut man die UBS Quartalszahlen im Detail an, wird ersichtlich, dass die Personalkosten der UBS zugenommen haben. Dies hängt mit der veränderten Lohnpolitik zusammen, da die Bank nun die Vergütungen vermehrt in bar statt in Aktien auszahlt. Dem um 6 Prozent gestiegenen Personalaufwand kann ein Experte längerfristig durchaus Positives abgewinnen: «Die UBS hat sich Spezialisten geholt, und die können die Grossbank wieder auf Kurs bringen.»

UBS fehlt das billige US-Kapital

So zuversichtlich ist der emeritierte Bankenprofessor Walter Wittmann nicht. «Die Wende ist noch längst nicht erreicht. Dafür braucht es zwei bis vier Quartale mit Gewinnen.» Erst dann würde das Vertrauen der Anleger wieder zurückkehren. Wittmann: «Die UBS-Konkurrenten in den USA haben viel radikaler schlechte Positionen abgebaut und von der US-Notenbank viel billiges Geld aufgenommen.» Dies hätte viel zu den erfolgreichen Abschlüssen beigetragen. So hat die US-Investmentbank Goldman Sachs im dritten Quartal selbst die kühnsten Gewinnerwartungen übertroffen und dank blühender Geschäfte mit Währungen und Anleihen einen Gewinn von 3,2 Mrd. Dollar erzielt. Laut Wittmann ist die UBS aber nicht zu dermassen günstigem Kapital gekommen: «Sie ist halt keine US-Bank.»

Die ganz Reichen gehen

Auch für Ryan Moore, Analyst bei der Bank Clariden Leu, ist das UBS-Quartalsergebnis nicht erstaunlich: «Wir haben ein negatives Resultat in etwa dieser Grössenordnung erwartet.» Für den Analysten ist hingegen positiv, dass die UBS ihre Kernkapitalquote – sprich das Eigenkapital gemessen an den risikoreichen Positionen – vergrössert hat. Moore: «Die UBS als gesamte Bank ist langsam auf dem richtigen Weg zur Profitabilität.» Noch im Vorquartal lag der Verlust der UBS bei 1,4 Milliarden Franken und war damit beinahe dreimal so hoch wie in den vergangenen drei Monaten. Viel Geld verloren hat die UBS aber im Bereich Wealth Management, dem Geschäft mit sehr vermögenden Kunden, wo 16,7 Milliarden Franken abflossen. «Es ist unklar, wann der Bereich Wealth Management sich stabilisieren wird», so Moore. Das Vertrauen der Kunden sei nicht zurückgekehrt.

CS spielt in anderer Liga

Viel erfolgreicher als die UBS geschäften die US-Investmentbanken Goldman Sachs oder JP Morgan. «Die Konkurrenz hat der UBS im Investmentbanking viele Marktanteile abgenommen. Davon zeugen die Milliardengewinne», so Moore. Die Kassen klingen auch bei der Credit Suisse, die im dritten Quartal bereits wieder 2,4 Milliarden Franken Gewinn verbucht hat. Ein Händler erklärt dies vereinfacht so: «Die Credit Suisse war nie so tief ins Subprime-Schlamassel involviert und hatte auch keine Probleme mit den US-Steuerbehörden.»

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