Chaos nach SchneefällenDie Wetterdienste warnten vergeblich
Eingestellter Busbetrieb, feststeckende Fahrzeuge, zahlreiche Unfälle. Der Schneeräumungsdienst kam für viele zu spät zum Einsatz. Dabei haben die Meteorologen bereits gestern Alarm geschlagen.
- von
- Katharina Bracher
«10 cm Schnee und der ganze Verkehr bricht zusammen», beschwert sich ein Leser von 20 Minuten Online, «der Räumungsdienst hat den Einsatz total vermasselt!» Er ist längst nicht der Einzige.
Das Schneedesaster von heute morgen sorgt mitten im Winter für heisse Köpfe: Als kurz vor 5 Uhr morgens die ersten Schneeflocken über der Region Zürich fielen, setzte sich die Räumungsmaschinerie der Winterdienste von Stadt und Kanton in Bewegung. Trotzdem ist es nicht gelungen, die Hauptverkehrsadern bis zum Einsetzen des Berufsverkehrs freizuräumen. Die Folge: Feststeckende Autos, lahmgelegter Verkehr, eingestellte Busbetriebe, zahlreiche Unfälle. Dabei haben die Meteorologen bereits gestern Mittag vor starken Schneefällen gewarnt.
Früh vorgewarnt
«Die erste Unwetterwarnung ging bereits gestern Mittag raus», sagt Christophe Voisard von MeteoSchweiz. Auch andere Wetterdienste wie MeteoNews haben bereits gestern vor starken Schneefällen gewarnt. Warum kamen die Räumungsarbeiten trotzdem so zögerlich in Gang? Leta Filli vom Departement Entsorgung und Recycling der Stadt Zürich sagt: «Bis 4 Uhr ist noch kein Schnee gefallen. Der Einsatzleiter hat aber später sofort Alarm ausgelöst, als der erste Schnee fiel.» Das war um halb fünf. Die Fahrzeuge für die Räumungsarbeiten sind laut Filli erst zwischen 05.30 und 06.15 einsatzbereit gewesen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Morgenverkehr aber bereits eingesetzt.
Für den Meteorologen Voisard ist das nicht nachvollziehbar: «Nach all den frühzeitigen Warnungen würde man schon erwarten, dass die Stadt parat ist»
Dumm gelaufen?
Das Chaos war vorprogrammiert: Schneefall kurz vor der Hauptverkehrszeit. Das hätte nicht besser gemacht werden können, lautet der Tenor der verantwortlichen Stadtverwaltung. Tatsache ist aber: Die Verantwortlichen waren schon seit gestern Mittag im Bild über die kommenden Schneefälle.
Chaos in und um Zürich herum, nur die St. Galler schienen Schwein zu haben. Der Räumungsdienst hatte dort einen Vorsprung: Der Schnee setzte bereits um 4 Uhr ein und die Strassenräumung konnte früher starten. Was die Nerven der St. Galler Verkehrsteilnehmer wohl schonte.