B.1.617 - Die WHO stuft die indische Mutante neu offiziell als «besorgniserregend» ein
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B.1.617Die WHO stuft die indische Mutante neu offiziell als «besorgniserregend» ein

Nachdem sie bislang nur unter Beobachtung stand, hat die Weltgesundheitsorganisation die indische Doppelmutante B.1.617 nun als «besorgniserregend» eingestuft. Experten begrüssen den Schritt.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Die indische Mutante B.1.617 gilt neu als «Variant of Concern».

Die indische Mutante B.1.617 gilt neu als «Variant of Concern».

Vijay Pandey/ZUMA Wire/dpa
Das hat die Weltgesundheitsorganisation WHO am Montag mitgeteilt. 

Das hat die Weltgesundheitsorganisation WHO am Montag mitgeteilt.

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Die leitende WHO-Wissenschaftlerin Maria Can Kerkhove begründete die Entscheidung damit, dass es mittlerweile Hinweise gebe, dass das menschliche Immunsystem weniger stark auf die Variante reagiere. Zudem wiesen vorliegende Informationen «auf eine erhöhte Übertragbarkeit» hin. 

Die leitende WHO-Wissenschaftlerin Maria Can Kerkhove begründete die Entscheidung damit, dass es mittlerweile Hinweise gebe, dass das menschliche Immunsystem weniger stark auf die Variante reagiere. Zudem wiesen vorliegende Informationen «auf eine erhöhte Übertragbarkeit» hin.

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Darum gehts

  • Die WHO hat die indische Coronavirus-Variante B.1.617 als «besorgniserregend» hochgestuft.

  • Der Grund sind Hinweise darauf, dass das menschliche Immunsystem weniger stark auf die Variante reagiert. Zudem wiesen vorliegende Informationen «auf eine erhöhte Übertragbarkeit» hin.

  • Die britische Gesundheitsbehörde hatte diesen Schritt bereits am Freitag unternommen.

Die Corona-Lage in Indien ist verheerend. Die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen rangiert seit nunmehr Wochen bei rund 400’000. Mehrmals wurde die Marke sogar gebrochen. Nicht einmal die Krematorien kommen den zahlreichen Corona-Toten hinterher, sie müssen behelfsmässig auf Parkplätzen verbrannt werden. Seit Beginn der Pandemie sind in dem Land gut 22,6 Millionen Infektionen gezählt worden.

Lange scheuten sich Fachleute, die apokalyptischen Szenen auf die Coronavirus-Mutante 1.617 zurückzuführen, die erstmals in dem südasiatischen Land aufgetreten war. Nun schlägt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wegen der indischen Mutation Alarm: Sie stufte die Variante, die auch bereits in der Schweiz aufgetaucht ist, am Montag als «besorgniserregend» («Variant of Concern») ein. Bislang hatte die Behörde nur die britische, südafrikanische und brasilianische Mutante so bezeichnet. Die indische Variante stand bislang lediglich unter Beobachtung («Variant of Interest»).

Die leitende WHO-Wissenschaftlerin Maria Can Kerkhove begründete die Entscheidung damit, dass es mittlerweile Hinweise gebe, dass das menschliche Immunsystem weniger stark auf die Variante reagiere. Zudem wiesen vorliegende Informationen «auf eine erhöhte Übertragbarkeit» hin.

Steigende Zahlen auch in Grossbritannien

Die WHO folgt damit der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE), die B.1.617 bereits Ende vergangener Woche als «Variant of Concern» eingestuft hatte, nachdem es zunehmend Hinweise auf lokale Ausbrüche gegeben hatte. Laut Medienberichten breitet sich vor allem der Subtyp B.1.617.2 rasant in Grossbritannien aus. Mittlerweile seien mehr als 500 Fälle bekannt, hiess es am Freitag. Aufgetreten sind diese vor allem in London und dem Nordwesten Englands. Eine Woche zuvor waren erst knapp 200 Infektionen mit der Variante dokumentiert. Und das, obwohl ein Grossteil der Briten bereits geimpft ist.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Cornelius Römer, Physiker und Daten-Experte an der University of Cambridge und dem Massachusetts Institute of Technology, hält die Entscheidung für richtig. Auf Twitter äussert er seine Sorgen angesichts des Anstiegs «des Anteils der indischen Variante B.1.617.2 rund um die Welt». So etwas habe man seit B.1.1.7 nicht mehr gesehen. Diese hat, wie wir heute wissen, innerhalb weniger Monate in vielen Ländern die Ursprungsvariante weitestgehend verdrängt.

Die noch wie vor bestehenden Unsicherheiten bezüglich der indischen Mutante gründen laut Römer in der «sehr bruchstückhaften genomischen Surveillance» in Indien. Das Land «hat mehr als eine Milliarde Einwohner und weniger Sequenzen als Belgien.» Entsprechend sei die Datenlage in dem südasiatischen Land so schlecht, «dass wir über die Übertragbarkeit erst Bescheid wissen, wenn der Anteil bei uns bei mehreren Prozentpunkten liegt. Das wird uns weniger Zeit zur Reaktion geben.»

Der Daten-Experte zieht zum Vergleich die Datenlage zur britischen Mutante B.1.1.7 heran: «Damals gab es gute Daten aus dem Ursprungsland. Wir wussten also um das Problem, als in Deutschland der Anteil noch bei ca. 0,1 Prozent war.» Er empfiehlt trotz bestehender Unsicherheiten jetzt schon zu reagieren: «Wenn sich B.1.617.2 als harmlos herausstellt, freut mich das, und dann können wir die Massnahmen zurücknehmen. Ist es gefährlicher, ist es gut, wenn wir jetzt handeln.»

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