Geburten: Die WHO warnt vor unnötigen Kaiserschnitten
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GeburtenDie WHO warnt vor unnötigen Kaiserschnitten

In der Schweiz wird bei einem Drittel der Geburten ein Kaiserschnitt durchgeführt. Diese Zahl ist viel zu hoch, sagt die WHO.

von
jcg
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Wer selbst noch keine Kinder hat, kennt die lieben Kleinen wohl nur so: fein fürs Foto herausgeputzt. Doch die Wahrheit sieht anders aus.

Wer selbst noch keine Kinder hat, kennt die lieben Kleinen wohl nur so: fein fürs Foto herausgeputzt. Doch die Wahrheit sieht anders aus.

Nataliya Hora
Denn der Beginn des Lebens ist eher unrein, wie diese Aufnahmen des Fotografen Christian Berhelot beweisen. Im Bild: Die kleine Romane, acht Sekunden nach der Geburt. Sie erblickte am 20. Mai 2014 um exakt 10.51 Uhr das Licht der Welt.

Denn der Beginn des Lebens ist eher unrein, wie diese Aufnahmen des Fotografen Christian Berhelot beweisen. Im Bild: Die kleine Romane, acht Sekunden nach der Geburt. Sie erblickte am 20. Mai 2014 um exakt 10.51 Uhr das Licht der Welt.

Christian Berthelot
Auch die kleine Lize hatte noch keine Zeit, herausgeputzt zu werden. Sie ist auf diesem Bild gerade einmal neun Sekunden alt. Die Ärzte holten sie am 24. Dezember 2013 um 8.49 Uhr auf die Welt - per Kaiserschnitt, wie alle Babys dieser Serie.

Auch die kleine Lize hatte noch keine Zeit, herausgeputzt zu werden. Sie ist auf diesem Bild gerade einmal neun Sekunden alt. Die Ärzte holten sie am 24. Dezember 2013 um 8.49 Uhr auf die Welt - per Kaiserschnitt, wie alle Babys dieser Serie.

Christian Berthelot

Entbindungen mit Hilfe des Kaiserschnitts werden nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu oft ohne echte Notwendigkeit vorgenommen. In solchen Fällen würden Frauen und ihre Babys dem Risiko von Gesundheitsschäden ausgesetzt, ohne dass dies ausreichend medizinisch gerechtfertigt sei, erklärte die WHO am Freitag in Genf.

Die Schweiz nimmt weltweit einen Spitzenplatz ein, was Geburten per Kaiserschnitt betrifft. Laut dem Bundesamt für Gesundheit bewegten sich die Raten in der Schweiz im Jahr 2010 zwischen 42,7 Prozent im Kanton Zug und 19,2 Prozent im Kanton Jura. Das ist deutlich höher als die Richtlinien der WHO empfehlen.

Kurz- und langfristige Risiken

Seit 1985 werden allgemein 10 bis 15 Prozent als «ideale Rate» für Kaiserschnitte angesehen. Zwei Studien mit WHO-Beteiligung zeigten nun, dass bis zu einer Rate von 10 Prozent tatsächlich eine Verbesserung der Allgemeingesundheit von Müttern und Kindern vorliege sowie die Sterberate zurückginge. Darüber hinaus sei allerdings keine signifikante Verbesserung festzustellen.

Die Ergebnisse würden einerseits den Nutzen des Kaiserschnitts bestätigen, erklärte Marleen Temmerman, Expertin für Reproduktionsmedizin der WHO. Wie jeder chirurgische Eingriff berge aber auch ein Kaiserschnitt kurz- und langfristige Risiken. Diesen sollten Mutter und Kind nicht unnötig ausgesetzt werden.

Wie sich unterschiedliche Kaiserschnittraten auf Mutter und Kind in Bezug auf die Zahl von Totgeburten und Erkrankungen wie Neugeborenen-Asphyxie auswirken, sei immer noch nicht bekannt, so die WHO. Mehr Studien seien auch nötig zu den Auswirkungen von Kaiserschnitten auf das psychologische und soziale Wohlbefinden der Mutter. Schliesslich gibt die WHO zu bedenken, dass Kaiserschnitte teuer seien. Zudem würden hohe Raten von unnötigen Eingriffen in schwachen oder überlasteten medizinischen Systemen zu viele Kräfte binden, die dann anderswo fehlten. (jcg/sda)

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