Fertig mit Homeoffice - Die wichtigsten Antworten zur Rückkehr ins Büro
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Fertig mit HomeofficeDie wichtigsten Antworten zur Rückkehr ins Büro

Der Bundesrat will die Homeoffice-Pflicht aufheben, wenn in den Büros mindestens einmal in der Woche getestet wird. Ein Epidemiologe bezweifelt die Wirkung der Massentests.

von
Leo Hurni
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Geht es nach dem Bundesrat, kann man schon bald wieder im Büro arbeiten. 

Geht es nach dem Bundesrat, kann man schon bald wieder im Büro arbeiten.

20min/Matthias Spicher
Das hat Gesundheitsminister Berset am Mittwoch verkündet. Vorausgesetzt, im Betrieb wird regelmässig getestet.

Das hat Gesundheitsminister Berset am Mittwoch verkündet. Vorausgesetzt, im Betrieb wird regelmässig getestet.

20min/Simon Glauser
Mindestens einmal pro Woche müsse getestet werden, sagte Fosca Gattoni vom Bundesamt für Gesundheit auf Nachfrage.

Mindestens einmal pro Woche müsse getestet werden, sagte Fosca Gattoni vom Bundesamt für Gesundheit auf Nachfrage.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Der Bundesrat will die Homeoffice-Pflicht in eine Homeoffice-Empfehlung umwandeln.

  • Vorausgesetzt wird, dass in den Betrieben regelmässig getestet wird.

  • Hier gibt es die wichtigsten Fragen und Antworten.

  • Ein Epidemiologe schätzt ein, wie wirksam diese Änderung ist.

Bereits in der ersten Welle im März 2020 wechselten viele vom Büro ins Homeoffice. Seit rund vier Monaten gilt eine Homeoffice-Pflicht: Wann immer möglich, soll von zu Hause aus gearbeitet werden.

Geht es nach dem Bundesrat, soll damit nun Schluss sein. Er verkündete am Mittwoch, dass künftig das Arbeiten im Büro für alle wieder möglich sein soll. Voraussetzung dafür ist, dass die Mitarbeiter regelmässig auf Corona getestet werden. «Uns ist klar, dass das administrativ eine Belastung ist», sagte Gesundheitsminister Alain Berset. Die wichtigsten Antworten zum neuen Testregime in den Büros.

Wer kann zurück ins Büro?

Die Homeoffice-Pflicht wird Ende Mai für jene Betriebe, die wiederholt testen, in eine Homeoffice- Empfehlung umgewandelt. Sprich: Ab dann können alle, die wollen, wieder ins Büro gehen. Es gelten aber nach wie vor die Hygiene- und Verhaltensregeln wie etwa eine generelle Maskenpflicht.

Wer übernimmt die Kosten für die Tests?

Um die Hürden für die Testung in Betrieben weiter zu senken, übernimmt der Bund nicht nur die Testkosten, sondern auch die Poolingkosten. Beim Pooling nimmt man den Speichel oder die Abstriche mehrerer Testpersonen zusammen und analysiert zum Beispiel statt fünf einzelner Proben eine Sammelprobe. Fällt der Gruppentest negativ aus, spart man sich den Material- und Zeitaufwand für die Einzeltests. Ist er positiv, führt man zusätzliche Tests mit den zurückbehaltenen Proben durch.

Wie oft muss ein Betrieb testen?

Fosca Gattoni, stellvertretende Leiterin Sektion Heilmittelrecht beim BAG, erklärte am Mittwoch, dass die Unternehmen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mindestens einmal pro Woche testen müssten.

Muss ich deswegen früher ins Büro kommen?

Bis ein Testresultat vorliegt und die Mitarbeiter ins Büro können, dauert es rund 15 Minuten. Ob das Testen auf die Arbeitszeit geht oder nicht, ist den Arbeitgebern überlassen.

Was halten die Arbeitsverbände von der neuen Regel?

Rudolf Minsch, Chef-Ökonom von Economiesuisse, begrüsst die neue Regelung. «Das kommt der Wirtschaft sehr entgegen. In den Kantonen haben sich die Testregimes bereits etabliert.» Es seien viele Firmen bereit, die Massentests durchzuführen. «Die Firmen, denen die Homeoffice-Pflicht ein Dorn im Auge war, können jetzt endlich handeln. Das begrüssen wir.»

Kritischer sieht das der Schweizerische Gewerbeverband. «Wir begrüssen natürlich, dass der Bund endlich die Einsicht hat, dass die Homeoffice-Pflicht nichts bringt», sagt Präsident Hans-Ulrich Bigler. Das Test-Obligatorium sieht er hingegen kritisch. «Bei kleinen Betrieben mit vier oder fünf Mitarbeitern ist das regelmässige Testen eine enorme Belastung. Es stellt sich die Frage, wie sinnvoll eine Regelung ist, die man nicht durchsetzen kann.»

Das sagt der Epidemiologe dazu

Antoine Flahault, Direktor des Institute of Global Health an der Universität Genf, ist überzeugt: Die epidemiologische Lage lasse es derzeit zu, das Homeoffice aufzulösen. «Die täglichen Sterblichkeitszahlen in der Schweiz gehören derzeit zu den niedrigsten in Europa, was dem Land einen gewissen Spielraum gibt, um vorsichtig einige Bremsen zu lösen», sagt Flahault. Man müsse allerdings bereit sein, wieder ins Homeoffice zu wechseln, falls sich die Situation verschlechtert.

Die Wirkung des regelmässigen Testens sieht er kritisch. «Es fehlen wissenschaftliche Beweise dafür, wie und inwieweit dies das Risiko einer Viruszirkulation in der Gemeinschaft verringert.» Er habe bisher keine veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten gesehen, in denen erwähnt wurde, dass regelmässige Tests sich ähnlich präventiv auf das Infektionsgeschehen auswirken wie das Homeoffice»

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