Aktualisiert 11.01.2010 11:11

Zypern

Die Wiedervereinigung ist jetzt Chefsache

60 Gesprächsrunden zur zyprischen Wiedervereinigung haben in den vergangenen 16 Monaten keinen messbaren Fortschritt gebracht, die seit 36 Jahren andauernde Teilung der Mittelmeerinsel zu beenden.

von
Menelaos Hadjicostis, AP
Zyperns Präsident Dimitris Christofias, links, und der Präsident von Türkisch-Zypern, Mehmet Ali Talat, besprechen eine allfällige Wiedervereinigung.

Zyperns Präsident Dimitris Christofias, links, und der Präsident von Türkisch-Zypern, Mehmet Ali Talat, besprechen eine allfällige Wiedervereinigung.

Seit Montag ist das Chefsache: Der griechisch-zyprische Präsident Dimitris Christofias und sein nur von der Türkei anerkannter Kollege des türkischen Nordteils, Mehmet Ali Talat, wollen in zwei Gesprächsrunden die Probleme aus dem Weg räumen, die bislang hartnäckig die Wiedervereinigung verhindern.

Die Gesprächsrunden vom 11. bis 13. und 25. bis 27. Januar haben Bedeutung weit über Zypern hinaus. An ihnen hängt die weitere Integration der Mittelmeerinsel in die Europäische Union - bislang profitieren nur die griechischen Zyprer im Süden von der Mitgliedschaft und den damit gerade für den Tourismus wichtigen Reiseerleichterungen. Rein innerzyprisch, aber nicht weniger bedeutend sind Probleme mit Eigentum vor der Invasion. Für die Türkei, die 1974 mit der Invasion im Norden der Insel die Teilung der Insel herbeiführte, geht es im ihre Chancen für den angestrebten EU-Beitritt und der Zusammenarbeit mit der NATO.

Experte warnt vor endgültigem Scheitern des Friedensprozesses

«Es ist unerlässlich, dass eine Vereinbarung zu einer Reihe von Themen bis zum Ende des Monats erzielt wird», sagt Zypern-Experte Tim Potier, Professor für internationales Recht an der Universität von Nikosia. «Warme Worte oder wenig mehr als das würden am Ende des Monats der Welt signalisieren, dass der Prozess wahrscheinlich scheitern wird. Die beiden Führer der beiden Gemeinschaften müssen die Nation führen, andernfalls werden andere mit anderen Plänen das für sie übernehmen.»

Potier spielt damit auf Talats Gegenspieler Dervis Eroglu an, ein Hardliner, der eine endgültige Trennung im gegenseitigen Einvernehmen einer Wiedervereinigung vorzieht. Jüngsten Umfragen zufolge teilt die Mehrheit der türkisch-zyprischen Bevölkerung inzwischen Eroglus Standpunkt - was Talats Neigung zu Kompromissen mindern dürfte, zudem im April Wahlen in Nordzypern anstehen.

Türkisch-zyprische Vorschläge, die bereits vor der ersten Gesprächsrunde am Montag bekannt wurden, stiessen bei der griechisch-zyprischen Seite auf kategorische Ablehnung: Separate Vollmachten Nordzyperns zur Unterzeichnung internationaler Abkommen und zur Kontrolle des Luftraums seien inakzeptabel, erklärte Regierungssprecher Stefanos Stefanou am Sonntag.

Aber auch Christofias steht in seiner eigenen Koalition inzwischen in der Kritik: Er sei der Gegenseite bereits zu weit entgegengekommen, heisst es aus Reihen der sozialistischen EDEK und der Mitte-rechts-Partei Diko.

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