Alte Bekannte: Die Wildkatze schleicht zurück ins Mittelland
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Alte BekannteDie Wildkatze schleicht zurück ins Mittelland

Die europäische Wildkatze breitet sich wieder aus. Doch die Zivilisation macht den Raubtieren das Leben nicht einfach.

von
Sandra Siegenthaler

Die Wildkatze wurde im 18. und 19. Jahrhundert in Europa beinahe ausgerottet. Doch nun ist die wilde Verwandte der Hauskatzen wieder auf dem Vormarsch: Deutsche Wissenschaftler haben wachsende Bestände in West- und Süddeutschland nachgewiesen.

«Auch in der Schweiz gibt es Anzeichen dafür, dass sich die Wildkatze ausbreitet», sagt Wildbiologin Béatrice Nussberger von der Uni Zürich. Lange Zeit lebten die Tiere nur im Jura, nun werden sie zunehmend auch im Mittelland gesichtet, zum Beispiel in den Kantonen Freiburg und Neuenburg. «Beim Neuenburgersee haben wir sogar junge Kätzchen gefunden», erzählt Nussberger.

Gefährliches Mittelland

Das Mittelland ist für die Wildkatze allerdings gefährlich. Denn hier wird ihr Lebensraum von dicht befahrenen Strassen durchkreuzt. Beim Versuch, diese zu überqueren, werden viele Tiere überfahren. Wildtierbrücken und -unterführungen könnten helfen, die Katzen sicher über die Strassen zu bringen. Solche Übergänge gibt es in der Schweiz bereits für viele andere Tiere. Ob und wie häufig die Wildkatzen diese Möglichkeit nutzen, wurde bisher allerdings nicht untersucht.

Auch Siedlungen und die intensive Landwirtschaft hindern die Tiere daran, weitere geeignete Lebensräume zu erobern. Zwar arbeiten verschiedene Institutionen mit ökologischen Projekten daran, einzelne Waldstücke miteinander zu verbinden, indem sie Hecken und Bäume anpflanzen. Ob das genügt, damit sich die Wildkatzen weiter ausbreiten können, ist aber noch unklar.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

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