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Bern«Die Wirtschaftslage ist schuld»

SVP-Mann Roland Jakob soll Löhne von mehreren 10 000 Franken sowie Sozialbeiträge nicht bezahlt haben. Die SVP steht weiter hinter ihm - doch ein politisches Amt hat er bereits fallengelassen.

von
Bigna Silberschmidt

«Ein Politiker, der gegen kriminelle Ausländer und Sozialhilfebetrüger wettert und sich selbst nicht an die Gesetze hält, hat seine Glaubwürdigkeit verloren», so Unia-Bern-Sprecher Hamz Nela. Die Gewerkschafter forderten den sofortigen Rücktritt des Stadtberner SVP-Fraktionspräsidenten und Malergeschäft-Inhabers Roland Jakob aus der Beschaffungskommission.

Der Chef der Fraktion SVPplus im Berner Stadtrat folgte der Forderung und trat nach den massiven Vorwürfen aus. Bei der Kommission war Jakob dafür verantwortlich, dass die Stadt ihre Aufträge an gesetzestreue Firmen vergibt. «Dieses Amt und sein Verhalten sind ein Widerspruch in sich», so Nela.

Riesiger Schuldenberg

Fakt ist: Jakob hat seit 2008 Betreibungen von knapp 300 000 Franken am Hals. Laut Unia habe er seinen Mitarbeitern AHV- und Pensionskassenbeiträge zwar vom Lohn abgezogen, diese aber nicht an die Sozialwerke überwiesen. Zudem habe der Malermeister seinen Angestellten Löhne von mehreren Zehntausend Franken nicht ausbezahlt. Sein Ex-Vorarbeiter: «Mir fehlen noch immer 12 000 Franken Lohn.»

Wegen der Lohngeschichte muss Jakob bald vor dem Richter antraben. Von absichtlichem Handeln will der Unternehmer jedoch nichts wissen: «Die Wirtschaftslage und die schlechte Zahlungsmoral meiner Kunden sind schuld.» Aus der Beschaffungskommission ziehe er sich jedoch zurück.

Michael Daphinoff, CVP-Präsident der Stadt Bern, fordert Jakobs sofortigen Rücktritt von allen politischen Ämtern, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Auch die Präsidenten von SP und FDP würden ihn in diesem Fall als Vorbild in Frage stellen. Die SVP steht weiterhin hinter Jakob. Präsident Peter Bernasconi: «Er hat mein Vertrauen.»

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