Eishockey in Paris: Die WM ist im Terror-Zeitalter angekommen
Aktualisiert

Eishockey in ParisDie WM ist im Terror-Zeitalter angekommen

Man verbindet im Sport vieles mit Paris: PSG, Roland Garros, das Stade de France – aber nicht Eishockey.

von
Marcel Allemann
Paris
1 / 4
Die Multifunktionshalle in Paris-Bercy dient als Austragungsort für die Eishockey-WM.

Die Multifunktionshalle in Paris-Bercy dient als Austragungsort für die Eishockey-WM.

Twitter
Ein riesiges Interesse löst Eishockey in der Stadt der Liebe allerdings nicht aus.

Ein riesiges Interesse löst Eishockey in der Stadt der Liebe allerdings nicht aus.

AP/Michel Euler
Spielt die Schweiz, sind die Ränge von Fans immerhin gut besucht.

Spielt die Schweiz, sind die Ränge von Fans immerhin gut besucht.

Keystone/Peter Schneider

Ja, in der Accor-Hotels-Arena in Paris-Bercy wird tatsächlich Eishockey gespielt. Dort, wo sonst Roger Federer oder Stan Wawrinka im Herbst beim renommierten BNP-Paribas-Masters dem Filzball hinterherjagen oder Frankreichs Handballer im vergangenen Januar Weltmeister wurden, jagen jetzt Hockeystars wie Matt Duchene, Tomas Plekanec oder unser Andres Ambühl dem Puck nach.

Eishockey ist in der Stadt der Liebe kein Thema

Ist man im Stadion, wähnt man sich an einer ganz gewöhnlichen Eishockey-WM, in einer wirklich schönen Multifunktionsarena. Dann ist kaum ein Unterschied festzustellen gegenüber den letzten Austragungsorten Moskau, Prag oder Minsk. Ausser vielleicht, dass das einheimische Publikum dort fachkundiger war. Doch bewegt man sich nur schon 300 Meter von der Accor-Hotels-Arena weg, dann ist die Eishockey-WM plötzlich weit weg. Ein Thema ist diese in der Stadt der Liebe nicht, auch nicht im Austragungsquartier Bercy.

Auch das mediale Interesse an der Heim-WM ist in Frankreich überschaubar. Die grösste Gruppe an Journalisten stellen die Schweizer (über 50), gefolgt von den Tschechen und Finnen. Franzosen sind eine rare Spezies. Als die Equipe Tricolore am Donnerstag ihr Eistraining bestritt, war kein einziger französischer Journalist zugegen, dafür vier Schweizer Medienvertreter, die nach Goalie Cristobal Huet verlangten. Bittet dagegen Nati-Coach Patrick Fischer zur Trainingseinheit, wird es bedeutend hektischer, da die Platzverhältnisse in der Trainingshalle neben der Hauptarena sehr eng sind.

Eishockey-WM in Paris ist wie eine Rugby-WM in Zürich

Eishockey hat in Frankreich eben keinen grossen Stellenwert, ist eine Randsportart. Es gibt zwar durchaus Städte wie etwa Grenoble, Rouen oder Gap, wo es populär ist. Aber die grosse Breite an Interessierten lässt sich damit auch nicht generieren. Deshalb ist eine Eishockey-WM in Paris in etwa so wie eine Rugby-WM in Zürich. Rugby ist in Frankreich neben König Fussball enorm beliebt, dafür ist es in der eishockeyverrückten Schweiz nur ein Randsport. Beim ersten WM-Spiel des Gastgebers am Samstagabend gegen Norwegen (2:3) blieben denn auch mehr als ein Drittel der Sitze leer.

Dass in der Accor-Hotels-Arena derzeit trotz allem etwas Grosses stattfindet, lässt sich vor den Porten anhand des Sicherheitsaufgebots erahnen. Der Terror und der damit verbundene Ausnahmezustand in Frankreich macht auch vor einem Nischenprodukt wie der Eishockey-WM nicht halt. Das Ausmass mit schwer bewaffneten Polizisten, Sicherheitsleuten und verbarrikadierenden Zäunen um die Anlage herum erinnert fast schon an Olympische Spiele, obwohl eine Eishockey-WM eigentlich eine äusserst friedliche Veranstaltung ist.

Am WM-Eröffnungstag hatten die Journalisten beispielsweise zwei Sicherheitschecks innerhalb von 50 Metern zu absolvieren und die beim Publikum in den WM-Austragungsorten jeweils so beliebte Fanmeile wurde aus Sicherheitsgründen gestrichen. Jedes Auto, das in die Tiefgarage der Arena will, wird gefilzt. Die Angst vor Anschlägen ist im Jahr 2017 eben immer und überall, auch wenn Eishockey im Land die grossen Massen nicht anziehen und begeistern kann.

Deine Meinung