Schmiergelder: Die WM-Vergabe war ein Eigentor der FIFA
Aktualisiert

SchmiergelderDie WM-Vergabe war ein Eigentor der FIFA

Augen zu und durch: Neun von zehn Schweizern sind davon überzeugt, dass beim Zuschlag für die WM 2018 und 2022 Etliches nicht mit rechten Dingen zu und her ging.

von
Olaf Kunz
Trotz grosser Freude im Emirat: Rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer findet Katar als Gastgeber für eine Fussball-WM einfach zu exotisch. (Bild: Keystone)

Trotz grosser Freude im Emirat: Rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer findet Katar als Gastgeber für eine Fussball-WM einfach zu exotisch. (Bild: Keystone)

Für die Mehrheit war die Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaft an Russland und Katar ein grobes Foul: 69 Prozent glauben, dass alle FIFA-Vertreter dank dicker Bestechungsgelder im Vorfeld kräftig in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. 23 Prozent haben zumindest keinen Zweifel daran, dass zumindest einige der FIFA-Oberen die übrigen Bewerber böswillig auflaufen liessen, weil sie ihre Stimmen an andere verkauften. Interessant dabei: Unter den erklärten Nicht-Fussballfans ist der Schmiergeld-Verdacht sogar noch deutlich stärker ausgeprägt. Das ist das Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage von 20 Minuten Online, an der sich 10 988 Internetnutzer beteiligten.

Viel zu exotisch

Mauscheleien hin, dunkle Machenschaften her: Immerhin 18 Prozent können den beiden Austragungsorten etwas Positives abgewinnen. Sie freuen sich darüber, dass es wenigstens nicht immer die selben Austragungs-Nationen sind. Vier Prozent finden die Wahl sogar super. Für drei Viertel hingegen gehen Russland und Katar als Gastgeber überhaupt nicht. Sie sind einfach nur wütend und fordern die Absetzung der ganzen FIFA.

Dabei gilt die breite Ablehnung nicht Aussenseitern generell. Drei von zehn Befragten begrüssen es, dass die Spiele auch an kleinere Staaten und nicht erprobte Nationen gehen. Doch zumindest bei Katar hört das Verständnis auf: Jeder zweite findet den Wüstenstaat und dessen klimatische Bedingungen einfach zu exotisch.

England und Australien sind Sieger der Herzen

Hätten die Leser ein Wörtchen bei der Wahl mitzureden gehabt, dann hätte eindeutig England den Zuschlag für die Austragung der WM 2018 erhalten. Satte 57 Prozent hätten die Briten gerne als Gastgeber gesehen. Auf Platz zwei wären Holland und Belgien als gemeinsame Veranstalter gelandet. Russland hätte es immerhin vor Spanien und Portugal noch auf Platz drei geschafft.

Bei der Fussball-Weltmeisterschaft 2022 liegt Australien in der Gunst der Fans ganz vorne. Immerhin etwas mehr als ein Viertel der Stimmen erhalten auch die USA als mögliches Gastgeberland.

Weit abgeschieden bei der Volkswahl zum Austragungsort sind indes Katar, Japan und Südkorea. Die Umfrage zeigt damit, dass die FIFA nicht nur entgegen ihren eigenen Gutachten, sondern vor allem gegen die Fans entschieden hat.

Tausende von Kilometern zwischen den Stadien

Aus Sicht der Umfrageteilnehmer sprechen vor allem die grossen Distanzen zwischen den Stadien gegen Russland als Ausrichter des Cups. Aber auch die Vetternwirtschaft beim Ticketverkauf und die Kriminalität bereiten vielen Fussball-Freunden schon jetzt grosses Kopfzerbrechen. Dennoch haben rund ein Fünftel aller Befragten vor, zur WM ins Land der Fellmützen zu reisen, um die Spiele mitzuverfolgen, oder hegen nach eigener Auskunft diesen Gedanken ernsthaft.

Gegen Katar spricht aus Sicht vieler Schweizer vor allem die grosse Hitze, der vermutete «ökologische Wahnsinn beim Stadionbau» und die Unsicherheit über Bräuche und Sitten. Letzteres wird zugleich aber auch als Pluspunkt für das Emirat in die Waagschale geworfen, schliesslich lerne man so die fremde Kultur etwas besser kennen. Auch eine Annäherung an den Westen wird positiv gewertet. Für Russland hingegen sprechen aus User-Sicht der mögliche Druck auf die Regierung, demokratische Prinzipien umzusetzen sowie die Annährung an den Westen.

Doch allen positiven Argumenten zum Trotz, an der grundsätzlichen Meinung über die Vergabe können solche Aspekte nicht hinwegtrösten und zumindest 14 Prozent der Fans beerdigen für sich selbst schon jetzt die WM.

User-Befragung

An der grossen Online-Umfrage zur WM-Vergabe haben sich insgesamt 10 973 Internetnutzer beteiligt. Davon 4558 User, die sich selbst als «Fussball-angefressen» bezeichnen, 5136 die sich zumindest für internationale Fussball-Turniere interessieren und 1682 die überhaupt nicht Fussball-Fan sind.

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