Aktualisiert 07.04.2009 19:02

GaddafiDie wüsten Söhne des Diktators

Es war die Festnahme von Hannibal Gaddafi, die zur diplomatischen Krise mit Libyen geführt hat. Aber auch die anderen Söhne des Diktators sind für die eine oder andere Überraschung gut.

von
Daniel Huber

Die Ehe von Oberst Gaddafi und seiner Gattin Safiya ist mit zahlreichen Kindern gesegnet. Sieben der acht Kinder sind Söhne; die einzige Tochter heisst Aischa. Sie ist Rechtsanwältin und sie gehörte zum Anwaltsteam, das den irakischen Diktator Saddam Hussein — erfolglos — verteidigte.

Der älteste Sohn Muhammad, der oft als möglicher Nachfolger Gaddafis gesehen wird, leitet das Libysche Olympische Komitee. Zudem besitzt er sämtliche Telekommunikationsunternehmen im Land. Schlagzeilen machen aber vor allem drei der Gaddafi-Sprösslinge:

Der Schläger

Sohn Hannibal hat nicht nur in Genf für Ärger gesorgt: Der fünftälteste Sohn Gaddafis raste im September 2004 in seinem Porsche mit 140 km/h über die Champs Elysées in Paris. Seine Leibwächter prügelten sich danach mit der Polizei.

Im nächsten Jahr schlug er in Dänemark zu — im Wortsinn: Ein dänisches Gericht verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten und einer Geldbusse, weil er seine im siebten Monat schwangere Freundin Alin Skaf geschlagen hatte. Bei diesem Palmarès sollte es nicht erstaunen, dass die beiden Bediensteten des libyschen Rabauken, die in Genf die Polizei riefen, nun um ihr Leben fürchten: «Gaddafi wird jemanden finden, der uns tötet», sollen sie gesagt haben.

Der Fussballer

Sohn Nummer drei ist Al-Saadi, der mit einer Offizierstochter verheiratet ist. Er ist Filmproduzent, präsidiert den Libyschen Fussballverband und spielt selber Fussball, zeitweise in der italienischen Serie A. Wenn er denn spielt — meistens muss Al-Saadi zuschauen. 2003 kam er zu Perugia und spielte dort nur gerade eine einzige Partie, gegen Juventus Turin. Danach fiel er bei einem Dopingtest durch.

Bei Udinese Calcio, der nächsten Station, war er während der gesamten Saison 2005/06 nur zehn Minuten auf dem Rasen, und bei U.C. Sampdoria (2006/07) spielte er keinen einzigen Match.

Für das libysche Nationalteam spielte Al-Saadi natürlich auch. Als der damalige Nationaltrainer, ein Italiener, aber die Stirn hatte, den Gaddafi-Sohn auf der Bank zu lassen, kostete ihn das den Job.

Al-Saadi gilt als bedeutend liberaler als sein Vater. 2002 verkündete er öffentlich, Israel stelle für Libyen keine Gefahr dar. Er plädierte sogar für mehr Demokratie in den arabischen Ländern, die dann auch nichts mehr von Amerika zu fürchten hätten.

Freilich wird Al-Saadi kaum Gelegenheit haben, sein Demokratieverständnis in Libyen in die Praxis umzusetzen. Gerüchte, er werde seinem Vater nachfolgen, dementierte er umgehend: «Viele arabische Länder halten sich gegenwärtig an die Regel, die Führung zu vererben. Aber es gibt hunderte von Libyern, die besser geeignet sind als ich.»

Der Maler

Gaddafis Zweitältester heisst Saif al-Islam. Der 1972 geborene Maler, der für seine Landschafts- und Wüstengemälde bekannt ist, studierte Wirtschaft in Wien und knüpfte dort auch Kontakte zu dem österreichischen Politiker Jörg Haider.

Auch in Wien wollte Saif al-Islam nicht auf die Gesellschaft seiner beiden weissen Tiger Freddo und Barny verzichten. Die Raubtiere mussten schliesslich nach einigem diplomatischem Hin und Her im Schönbrunner Zoo einquartiert werden.

Über die von ihm geführte «Gaddafi International Foundation for Charity Associations» schaltete sich Saif al-Islam in die Verhandlungen ein,

die im Juli 2007 zur Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern führte, die jahrelang wie Geiseln in Libyen festgehalten worden waren. Die Bulgarinnen waren zum Tod verurteilt worden, weil sie angeblich Kinder mit dem HI-Virus infiziert hätten.

Saif al-Islam, der sich auch sonst oft in heiklen diplomatischen Fällen um Vermittlung bemüht, gilt als möglicher Nachfolger seines Vaters, auch wenn er dies geflissentlich dementiert.

Einige Verärgerung erregte Saif al-Islam im Dezember 2004 in Kanada, als er in einem Interview eine offizielle Entschuldigung der kanadischen Regierung verlangte — dafür, dass Kanada die wegen des Terroranschlags von Lockerbie gegen Libyen verhängten Uno-Sanktionen mitgetragen hatte. Und dafür, dass ihm das Land ein Visum verweigert hatte. Die kanadische Regierung lehnte freilich jede Entschuldigung ab.

Quelle: Wikipedia.org / FAZ.net

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