Bargeldmenge: Die wundersame Notenschwemme
Aktualisiert

BargeldmengeDie wundersame Notenschwemme

Momentan nimmt die Zahl der Banknoten in der Schweiz rapide zu. Das liegt nicht an der europäischen Schuldenkrise – sondern an Weihnachten.

von
Gérard Moinat

Die Anzahl Banknoten in der Schweiz gleicht in der Weihnachtszeit einer Achterbahnfahrt. So schwillt die von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) erfasste Menge des Papiergeldes auf die Festtage hin erst dramatisch an: Vom November auf den Dezember 2009 kletterte der Notenumlauf um 4 Milliarden Franken oder fast 9 Prozent auf 50 Milliarden Franken (siehe Grafik).

Im Januar fiel der aufgeblähte Notenbestand schliesslich wieder um 3 Milliarden Franken auf knapp 47 Milliarden Franken. Dieses Ereignis dürfte sich auch heuer wiederholen.

Leute brauchen Geld für Weihnachtsgeschenke

Werner Abegg, Sprecher der SNB, erklärt weshalb: «Viele Leute benutzen für ihre Weihnachtseinkäufe und Weihnachtsgeschenke nach wie vor Bargeld.» Und regelmässig landen viele der bei Bank, Post und Co. bezogenen Banknötli unter dem Weihnachtsbaum.

Doch nicht nur das Christkind ist an der Achterbahnfahrt der Banknotenmenge schuld. Neben den eigenen vier Wänden wird an den Festtagen auch in Hotels und Restaurants viel Geld gebraucht: «Im Tourismus ist das Jahresende eine intensive Zeit, in der trotz Kreditkarten nach wie vor viel bar bezahlt wird», so Abegg.

SNB braucht weder Drucker noch Schredder dafür

Die zur Spitzenzeit am Jahresende ausgegebenen Noten werden im neuen Jahr dann übrigens nicht etwa vernichtet, sondern kehren wieder zur Nationalbank zurück. «Im Lauf des Januars kommen jeweils viele Noten wieder zu uns. Dadurch sinkt der Notenumlauf», bestätigt Abegg.

Im Notenumlauf sind nur die Noten enthalten, die die SNB an die Geschäftsbanken herausgegeben hat – was die SNB in ihren Tresoren lagert, ist eine andere Sache und wird nicht bekanntgegeben.

Bargeld nicht nur an Weihnachten trumpf

Die Notenumlaufstatistik der SNB offenbart auch noch andere verblüffende Fakten: Neben der Weihnachtszeit ist Bargeld auch in Krisenzeiten trumpf. So nahm der Notenumlauf mit der Finanzkrise besonders ab Oktober 2008 massiv zu: Die Summe der Noten belief sich im Durchschnitt des Jahres 2009 auf 45,3 Milliarden Franken und lag damit deutlich höher als im Vorjahr mit 41,3 Milliarden Franken.

Die SNB führt das darauf zurück, dass die im Herbst 2008 als Folge der Finanzkrise zusätzlich nachgefragten Banknoten – hauptsächlich Tausender-Noten – bisher nur zu einem kleinen Teil zur Nationalbank zurückgeflossen sind. Frei nach dem Motto: Nur Bares ist Wahres. Mit dem einen oder anderen Hunderter-Nötli von Grossmutter dürfte sich das wohl auch so verhalten.

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