Verdacht auf Wahlbetrug: Die Wut entlädt sich auf Boliviens Strassen
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Verdacht auf WahlbetrugDie Wut entlädt sich auf Boliviens Strassen

Demonstranten lassen ihrer Wut über den angeblichen Wahlbetrug in Bolivien freien Lauf. Die drastische Trendwende bereitet auch externen Wahlbeobachtern Sorgen.

von
kat

Seit Evo Morales kürzlich als Sieger der Präsidentschaftswahlen ausgerufen wurde, kommt es in Bolivien zu landesweiten Protesten. (Video: AP)

Nach der Wiederwahl von Staatschef Evo Morales eskalieren die Demonstrationen auf den Strassen Boliviens. Anhänger des Oppositionskandidaten Carlos Mesa lieferten sich heftige Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften und setzten Gebäude in Brand, ausserdem kam es zu Plünderungen, wie Reporter und örtliche Medien berichteten. In Sucre, der konstitutionellen Hauptstadt des südamerikanischen Landes, wurde der örtliche Sitz der Wahlbehörde in Brand gesetzt.

Bei der Präsidentschaftswahl in Bolivien hat Carlos Mesa Wahlbetrug angeprangert. Er werde das Ergebnis nicht anerkennen, sagte der Herausforderer von Evo Morales am Montag (Ortszeit). Zuvor hatten neue Teilergebnisse daraufhin hingedeutet, dass Morales die Wahl doch in der ersten Runde gewinnen könnte - und damit nicht in die Stichwahl muss.

Drastischer Trendwechsel

Die Wahlbeobachter der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) äusserte sich «zutiefst besorgt und erstaunt» über diesen drastischen Trendwechsel bei den Ergebnissen. Dieser sei nur «schwer zu erklären».

Nach der Veröffentlichung von Teilergebnissen am Sonntagabend hatte alles auf eine Stichwahl zwischen Amtsinhaber Morales und seinem Rivalen Mesa hingedeutet. Laut neuen Teilergebnissen vom Montag könnte Morales sich aber im ersten Wahlgang durchgesetzt haben.

Zehn-Punkte-Abstand greift

Die Wahlbehörden aktivierten angesichts der Kritik wieder ein System zum schnelleren Auszählen der Stimmzettel. Dieses sah Morales nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen bei 46,4 Prozent und Mesa bei 37,07 Prozent. Demnach würden Morales nur 0,67 Punkte fehlen, um die Stichwahl zu vermeiden und im ersten Wahlgang zu gewinnen.

Für einen Sieg in der ersten Runde benötigt ein Kandidat nach bolivianischem Wahlrecht entweder mehr als 50 Prozent der Stimmen oder mehr als 40 Prozent und mindestens zehn Punkte Abstand zum Zweitplatzierten.

Bisher hatte Morales, der erste indigene Staatschef des südamerikanischen Landes, alle Präsidentschaftswahlen im ersten Wahlgang gewonnen. Die Kandidatur des seit 2006 regierenden Morales für eine vierte Amtszeit ist umstritten. Boliviens Verfassung verbietet eigentlich eine vierte Amtszeit. Das oberste Wahlgericht hatte jedoch im vergangenen Dezember eine erneute Kandidatur Morales' genehmigt. (kat/sda)

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