Aktualisiert 03.07.2019 14:32

Leuk VS«Die Zecken hingen wie Trauben an den Schafen»

25 Schafe verendeten im Wallis wegen extremen Zeckenbefalls. Laut einem Experten hätte dies verhindert werden können.

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mm
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Etwas Vergleichbares habe Reto Julier bisher noch nie gesehen, erzählt der erfahrene Landwirt dem «Walliser Boten». Seine 60-köpfige Schafherde wurde von einer Zeckenplage heimgesucht.

Etwas Vergleichbares habe Reto Julier bisher noch nie gesehen, erzählt der erfahrene Landwirt dem «Walliser Boten». Seine 60-köpfige Schafherde wurde von einer Zeckenplage heimgesucht.

zvg
«Nach etwa zehn Tagen bemerkten wir zahlreiche Tiere, die apathisch im Gras lagen», so Julier. Zuerst habe er an einen Blitzeinschlag gedacht. Doch bei genauerem Hinsehen habe er bemerkt, dass die Unterseiten der Tiere massiv von Zecken befallen waren.

«Nach etwa zehn Tagen bemerkten wir zahlreiche Tiere, die apathisch im Gras lagen», so Julier. Zuerst habe er an einen Blitzeinschlag gedacht. Doch bei genauerem Hinsehen habe er bemerkt, dass die Unterseiten der Tiere massiv von Zecken befallen waren.

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Etwas Vergleichbares hat Reto Julier bisher noch nie gesehen. Das erzählt der erfahrene Landwirt dem «Walliser Boten». Seine 60-köpfige Schafherde aus Muttertieren und rund zwei Monate alten Lämmer weidete diesen Frühling oberhalb von Leuk.

«Nach etwa zehn Tagen bemerkten wir zahlreiche Tiere, die apathisch im Gras lagen», so Julier. Zuerst habe er an einen Blitzeinschlag gedacht. Doch bei genauerem Hinsehen habe er bemerkt, dass die Unterseiten der Tiere massiv von Zecken befallen waren. «Grob geschätzt waren es 300 Zecken pro Tier», sagt der Landwirt. Wie Trauben seien die mit Blut voll gesogenen Zecken an den Bäuchen der Lämmer gehangen. «18 Tiere waren bereits eingegangen oder mussten noch auf der Weide von ihren Qualen erlöst werden.»

«Überlebt haben nur die stärksten Jungtiere»

Die überlebenden Schafe seien so schnell wie möglich wieder in den Stall gebracht und behandelt worden. «Der Kreislauf einiger Lämmer war derart schwach, dass sie immer wieder zusammensackten und bewusstlos wurden», so Julier. Insgesamt verendeten 24 Lämmer und ein einjähriges Schaf. Überlebt hätten nur die stärksten Jungtiere.

Die Schleimhäute der toten Tiere seien «schneeweiss» gewesen – gemäss dem erfahrenen Schäfer ein klares Symptom von Blutarmut. Juliers Tierarzt habe den Befund bestätigt. Der Arzt habe selbst einen solch massiven Befall noch nie gesehen.

Mehrer hundert Zecken

Laut Bruno Gottstein, Leiter des Instituts für Parasitologie der Universität Bern, hätte es nicht so weit kommen müssen. Um solche Szenarien zu verhindern, empfiehlt der Experte Haus- und Nutztiere regelmässig zu untersuchen: «Auch weidende Schafe sollten gegebenenfalls täglich auf Zecken untersucht werden.» Würden diese rechtzeitig entfernt, könnte ein Massenbefall verhindert werden.

Die grösste Gefahr, die von Zecken ausgeht, sei die Übertragung von Infektionserregern – für Hunde könne dies gar tödlich enden. Aber auch ein Massenbefall, wie dies hier der Fall war, sei gefährlich: «Dabei wird dem Tier chronisch Blut entzogen was zu Blutarmut führen kann.» Dafür bräuchte es mehrere hundert Zecken.

Was passiert nun mit der Weide?

Laut Gottstein gibt es in der Schweiz nicht viele Zonen, an denen eine solche Dichte von Zecken zu finden sind. Auch Landwirt Julier meint, er habe noch nie ein solches Ausmass gesehen. Nun müsse geklärt werden, ob es sich beim immensen Zeckenbefall um ein einmaliges Ereignis gehandelt habe oder ob die ganze Weide aufgegeben werden müsse. «Ich kann es mir nicht leisten, eine eineinhalb Hektar grosse Weide nicht mehr zu nutzen», so der Landwirt. Er schaue nun, ob das Terrain möglicherweise behandelt werden könne, um das grosse Zeckenvorkommen zu reduzieren. «Der finanzielle Schaden – die Behandlungs- und Futterkosten nicht mit eingerechnet – beträgt durch den Verlust der Schafe rund 6'000 Franken», so der Landwirt.

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