Top of Europe: «Die Zeit für einen Rücktritt ist nicht reif»
Aktualisiert

Top of Europe«Die Zeit für einen Rücktritt ist nicht reif»

Fabian Cancellara meldet sich zurück. Nach seiner Auszeit spricht er auf dem Jungfraujoch über seine Zukunft. Den Ort auf 3454 Meter über Meer hat er bewusst gewählt.

von
Herbie Egli

Fabian Cancellara spricht auf dem Jungfraujoch über seine nächsten Ziele. (Video: 20 Minuten Online)

Fabian Cancellara ist wieder da. Nicht etwa irgendwo, sondern ganz hoch oben. Nicht auf dem Podest, aber auf dem Jungfraujoch auf 3454 Meter über Meer. «Nein, ich gebe hier oben sicher nicht meinen Rücktritt bekannt. Die Zeit dafür ist noch nicht reif», sagt der 31-jährige Berner im Interview mit 20 Minuten Online. Dass er einige Medien aufs Jungfraujoch einlud, hat seinen Grund. «Es war ein intensives Jahr und ich zog mich in letzter Zeit bewusst zurück. Nun schaue ich wieder nach vorne und dieser Tag wie heute ist mir sehr wichtig. Ich wollte einmal eine spezielle Atmosphäre für einen Medienanlass. Mein Motto ‹Back to the top› passt doch perfekt zum Slogan ‹Top of Europe› des Jungfraujochs.»

Das Schweizer Rad-Ass will nächste Saison also wieder angreifen. Und dies möglichst ohne Stürze, wie sie dieses Jahr bei der Flandern-Rundfahrt mit dem vierfachen Schlüsselbeinbruch und Olympia passiert sind. «Das habe ich mittlerweile alles verarbeitet. Die Stürze waren leider da und ich brauchte mehr Erholungszeit als ich dachte», so Cancellara. Dass er dieses Jahr zum zweiten Mal Vater wurde und die Wirren um sein Team Leopard-Trek haben ihm aber auch zugesetzt. «Das soll keine Entschuldigung sein, aber es fehlte einfach das Tüpfchen auf dem i, um Topleistungen zu erbringen.»

«Ich will dorthin zurück, wo ich war»

Cancellara wurde in letzter Zeit auch mit dem neuen Schweizer Team IAM Cycling in Verbindung gebracht. An diesen Gerüchten ist aber nichts dran. «Ich habe noch ein Jahr Vertrag und ich will dorthin zurück, wo ich war», sagt Cancellara. Dass es mit zunehmendem Alter und den aktuellen Meldungen um Lance Armstrong nicht einfach wird, ist er sich bewusst. «Es muss alles stimmen. Die Basis - also ich - meine Familie und die sportliche Seite. Mit den momentan schlechten News im Radsport stehen die Ampeln vielleicht nicht nur noch auf grün. Aber dieses Jahr hat mich gestärkt für 2013.»

Obwohl der Berner Radprofi eigentlich gar keine richtigen News zu erzählen hatte, die Aktion, wie Cancellara auf dem Weg aufs Jungfraujoch dem Zug zustieg, liess sich sehen. Er sass nicht wie die Medienschaffenden von Grindelwald aus in einem Abteil, sondern wartete im Stollenloch im Tunnel der Eigernordwand. Von dort wurden früher Rettungsaktionen gestartet, wenn Bergsteiger in Gefahr waren. So auch beim deutschen Toni Kurz, der im Jahr 1936 bei der Erstbesteigung sein Leben verlor. Da fährt Cancellara wohl lieber mit dem Rennvelo auf der Strasse.

Fabian Cancellara äussert sich zu den neusten Entwicklungen im Fall Armstrong (Video: 20 Minuten Online)

Deine Meinung