Aktualisiert 29.06.2005 10:24

Die Zeitung wird 400 Jahre alt

Im Jahr 1605 kam im damals deutschen Strassburg die erste Wochenzeitung mit dem Titel «Relation» aus der Druckmaschine.

Herausgeber Johann Carolus hatte seine wöchentlichen Nachrichtenblätter bis dahin handschriftlich vervielfältigt, doch das war ihm zu zeitraubend geworden. Ausserdem hatte er sich ausgerechnet, dass er seinen Gewinn steigern könnte, wenn er eine höhere Auflage zu niedrigerem Preis unter die Leute brächte.

Die schriftliche Eingabe an den Stadtrat, mit der Carolus sich gegen den Nachdruck seiner Blätter durch andere Drucker wandte, gilt als «Geburtsurkunde» der gedruckten Zeitung. Sie ist im Original vom 9. Juli an im Gutenberg-Museum in Mainz im Rahmen einer grossen Ausstellung zu sehen, mit der die deutschen und internationalen Zeitungsverleger das Jubiläum begehen.

Ausstellungskurator Martin Welke hatte die Urkunde vor 18 Jahren im Strassburger Stadtarchiv entdeckt und konnte so das bis dahin gültige Geburtsjahr der Zeitung von 1609 auf 1605 korrigieren. Diese Datierung hat inzwischen auch der Weltverband der Zeitungen (WAN) akzeptiert.

Schon damals ähnliche Probleme

WAN-Generaldirektor Timothy Balding sieht den Zeitungspionier Carolus schon vor 400 Jahren mit Problemen konfrontiert, die noch heute aktuell sind: dem Kampf um Urheberschutz und strategischen Überlegungen zu Preis und Auflage.

Der deutschen «Relation» folgten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts schnell weitere regelmässig und häufig erscheinende Publikationen. Die technische Voraussetzung hatte Johannes Gutenberg bereits 1447 mit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern geschaffen.

So kam in Belgien 1616 «Nieuwe Tijdingen» heraus, in Frankreich 1631 die «Gazette», in England 1665 die noch heute erscheinende «London Gazette». In der Schweiz erschien die erste Wochenenzeitung 1610 mit der «Ordinari-Wochenzeitung» in Basel.

Französische Revolution als Wende

Inhaltlich boten die ersten Zeitungen vor allem einen Blick über den Horizont der eigenen Stadt hinaus. Dagegen waren brisante Vorgänge in der Heimat wegen einer strengen Zensur durch die Obrigkeit vielfach tabu.

Als erstes Land hatte Schweden bereits 1766 ein Gesetz verabschiedet, das die Freiheit der Presse schützte. Die Forderungen nach Pressefreiheit wurden aber vor allem nach der Französischen Revolution (1789) immer lauter.

So wurde in der Schweiz die Pressefreiheit 1798 in der Helvetischen Republik erstmals garantiert. Nach drei Jahren verschwand sie jedoch wieder. Seit 1848 ist die Pressefreiheit in der Bundesverfassung verankert.

Innovationsschub

Technisch erhielten die Zeitungen Innovationsschübe im 19. Jahrhundert. Mit der Erfindung des Telegrafen im Jahr 1844 konnten Nachrichten in Minutenschnelle übermittelt werden, so dass die Blätter in zuvor ungeahnter Aktualität berichten konnten.

In der deutsche Stadt Augsburg wurde 1872/1873 die erste Rotationsmaschine gebaut, und der Erfinder Otto Mergenthaler entwickelte die Schriftsetzmaschine «Linotype». Die Entwicklung der Zeitung zum Massenmedium war nicht mehr aufzuhalten.

Im 20. Jahrhundert hatten sich die Zeitungsverleger dann nacheinander mit drei Wellen unverhoffter Konkurrenz auseinanderzusetzen. Erst kam das Radio, dann das Fernsehen und schliesslich das Internet. (sda)

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