Video geht viral - «Die Zöllner schubsten und schlugen mich» – Streit an bosnischem Grenzübergang artet aus
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Video geht viral«Die Zöllner schubsten und schlugen mich» – Streit an bosnischem Grenzübergang artet aus

Borce S. aus Zürich wollte kürzlich Verwandte in Bosnien und Herzegowina besuchen. An einem Grenzübergang kam es wegen eines fehlenden Corona-Tests zu einer heftigen Auseinandersetzung.

von
Monira Djurdjevic

Ein Video zeigt, wie am Dienstag ein Streit am Grenzübergang «Bosanski Brod» eskalierte.

Darum gehts

  • Ein am Grenzübergang «Bosanski Brod» aufgenommenes Video geht auf Social Media viral.

  • Aufnahmen zeigen, wie eine Auseinandersetzung zwischen einem Reisenden und Zoll-Mitarbeitern ausartet.

In den sozialen Medien sorgt ein Video für Empörung. Aufgenommen wurde es am Grenzübergang «Bosanski Brod» in Bosnien und Herzegowina. Im Hintergrund hört man einen Mann unter anderem sagen: «Du willst einen PCR-Test von mir, näherst dich mir aber ohne Maske.» Der Zöllner fordert ihn auf, nicht zu filmen und die Aufnahmen zu löschen. Schliesslich eskaliert die Situation. Das Handy landet auf dem Boden. Im Hintergrund hört man Schreie. Nach rund einer Minute endet die Aufnahme.

Das Video aufgenommen hat Borce S.* Der 38-Jährige kommt ursprünglich aus Bulgarien und wohnt seit mehreren Jahren mit Frau und Kind im Kanton Zürich. Wie er sagt, wollte er am Dienstag Verwandte in Bosnien besuchen. Gegenüber 20 Minuten erzählt S.: «Der Zöllner fragte mich, ob ich einen Corona-Test vorweisen kann. Ich verneinte und fragte, ob ich eventuell hier noch einen Schnelltest machen könnte.» Daraufhin sei der Zöllner ausfällig geworden und habe ihn beleidigt: «Er sagte Dinge, die ich nicht wiederholen möchte», so S.

Der Zöllner habe schliesslich seine persönlichen Dokumente genommen und sei im Zollhäuschen verschwunden. Um nachzufragen, wie es nun weitergeht, sei er irgendwann aus dem Auto gestiegen. «Der Zöllner fing erneut an, mich anzuschreien und zu beleidigen.» Da er das Verhalten nicht in Ordnung fand, habe er begonnen, die Szene zu filmen. «Da wurde er richtig aggressiv und griff mich mit zwei weiteren Zoll-Mitarbeitern an. Sie schubsten, schlugen und traten mich. Mein Handy fiel mir aus der Hand und meine Brille ging kaputt.»

«So eine Brutalität habe ich noch nie erlebt»

Schliesslich hätten sie ihm Handschellen angelegt und ihn in einen Raum geführt. «Dort hielten sie mich stundenlang fest.» Erst später sei er zum Arzt gebracht worden. Am Dienstagabend habe er dann noch ein vom Gericht ausgestelltes Dokument unterschrieben. «Ich spreche nicht perfekt bosnisch und wusste gar nicht, was ich da unterschreibe. Einen Dolmetscher wollten sie mir nicht zur Verfügung stellen.»

Eine Einreise nach Bosnien und Herzegowina sei ihm schliesslich verweigert worden. Er sei danach zurück in die Schweiz gereist. «Ich habe Schmerzen am ganzen Körper und bin immer noch schockiert», sagt S. Der 38-Jährige will nun Anzeige erstatten. «So etwas geht wirklich nicht. Ich weiss, ich hätte nicht filmen dürfen. Trotzdem ist die Reaktion der Zöllner erschreckend und primitiv. So eine Brutalität habe ich noch nie erlebt.»

Auf Social Media wird der Vorfall seit Tagen diskutiert. «Eine Schande, dass sich vereinzelte Zollmitarbeiter so verhalten», schreibt ein User auf Facebook. Und ein anderer meint: «Niemand hat das Recht, jemanden so anzugreifen und das Handy kaputt zu machen. Ich hoffe, dass es für die Mitarbeiter Konsequenzen geben wird.» Ein anderer Nutzer hingegen schreibt: «Regeln muss man befolgen. Ist doch klar, dass man am Grenzübergang nicht filmen darf.» Und ein anderer meint: «Wenn es einen Corona-Test für die Einreise braucht, dann muss man diesen vorweisen.»

Gegenüber bosnischen Medien sagt Svevlad Hoffman, Direktor der Grenzpolizei in Bosnien und Herzegowina, dass der Vorfall untersucht wird. Weitere Angaben könne man zu jetzigem Zeitpunkt nicht machen.

* Name der Redaktion bekannt

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