Kritik trotz Siegen: Die ZSC Lions – der FC Bayern des Eishockeys
Aktualisiert

Kritik trotz SiegenDie ZSC Lions – der FC Bayern des Eishockeys

Die ZSC Lions sind Leader. Freude in Zürich? Denkste! Primär wird gemotzt.

von
Marcel Allemann
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Die Tore schossen die ZSC Lions zwar jeweils zur richtigen Zeit, doch zu ausgefallenem Jubel führte dies nicht.

Die Tore schossen die ZSC Lions zwar jeweils zur richtigen Zeit, doch zu ausgefallenem Jubel führte dies nicht.

Keystone/Patrick B. Kraemer
Trainer Hans Wallson hat die Mannschaft noch nicht dort, wo er sie gerne haben würde.

Trainer Hans Wallson hat die Mannschaft noch nicht dort, wo er sie gerne haben würde.

Keystone/Patrick B. Kraemer
Gegen die SCL Tigers (oben Nils Berger) verschliefen die Zürcher (unten Robert Nilsson) gleich zweimal den Start.

Gegen die SCL Tigers (oben Nils Berger) verschliefen die Zürcher (unten Robert Nilsson) gleich zweimal den Start.

Keystone/Ennio Leanza

Die ZSC Lions haben in der noch jungen Saison alle drei Spiele gewonnen und grüssen von der Spitze der Tabelle. Doch hört man sich im Verein und dem Umfeld um, bekommt man den Eindruck, der ZSC stecke in einer Krise. Das erinnert stark an die aktuellen Vorgänge beim FC Bayern München, wo nach Siegen ebenfalls primär gemotzt wird. Die ZSC Lions sind somit die Antwort des Schweizer Eishockeys auf die Bayern.

Medien, Fans und Spieler – keiner ist happy

«Recht hatte, wer zu Hause blieb», lautete der heftige erste Satz der vornehmen «NZZ» im Matchbericht nach dem 5:3-Sieg gegen die SCL Tigers. Doch nicht nur die Medien beäugen die Leistungen des ZSC kritisch, auch die Fans zeigten sich bislang nicht wirklich begeistert, und selbst die Spieler beteiligen sich daran. Beim Interview nach dem Spiel auf SRF fand Captain Patrick Geering kaum gute Worte über die Leistung des Teams, er forderte, dass viel härter gearbeitet werden müsse.

Zugegeben: Die ZSC Lions überzeugten bei ihren drei Siegen nicht wirklich. In den beiden Spielen gegen die SCL Tigers verschliefen sie zweimal den Start (0:3- und 0:2-Rückstände), gegen Kloten stellten sie in der Hälfte des Spiels zwischenzeitlich den Spielbetrieb ein. Es gelang ihnen zwar jeweils, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, doch das führte auch nicht wirklich zu Freudentänzen, werden die SCL Tigers und Kloten doch der unteren Stärkeklasse der Liga zugeordnet.

«Die Kompaktheit fehlt noch komplett»

Es fehlt schlicht die Konstanz im Spiel der Zürcher, sie haben ihr System bislang noch nie auch nur ansatzweise über 60 Minuten durchziehen können. Daran kränkelten sie schon in der letzten Saison. Während der Qualifikation hatte dies kaum Konsequenzen: in den Playoffs, als es mit dem HC Lugano in den Viertelfinals richtigen Widerstand gab, allerdings schon. Zum zweiten Mal in Folge war für die Lions bereits in der ersten Playoff-Runde Endstation.

«Dass viel gemotzt wird, habe ich auch schon festgestellt», sagt ZSC-Sportchef Sven Leuenberger. Er selbst findet, dass man in einigen Bereichen – wie etwa dem Powerplay und Boxplay – auf dem richtigen Weg sei, «aber spielerisch sind wir noch nicht dort, wo wir gerne sein würden. Und die Kompaktheit fehlt noch komplett.»

Lugano als Gradmesser

Leuenberger, der sich somit auch selbst ein wenig an der allgemeinen Motzerei beteiligt, ist daher nicht unglücklich, dass auf das Team mit dem Auswärtsspiel in Lugano am Freitagabend «ein Gradmesser» wartet. Ob wohl auch im Fall eines Sieges gegen die Tessiner in Zürich noch immer weitergemotzt wird?

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