RB Leipzig: Die Zuchtbullen verbreiten Angst
Aktualisiert

RB LeipzigDie Zuchtbullen verbreiten Angst

Aufsteiger RB Leipzig liegt nach zehn Runden punktgleich mit den Bayern an der Bundesliga-Spitze. Es ist die vorläufige Krönung des ambitionierten Projekts.

von
Kai Müller
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Ein bereits nach zehn Runden vertrautes Bild: Die Roten Bullen von RB Leipzig stehen ungeschlagen auf Platz 2 hinter den Bayern.

Ein bereits nach zehn Runden vertrautes Bild: Die Roten Bullen von RB Leipzig stehen ungeschlagen auf Platz 2 hinter den Bayern.

AP/Jens Meyer
Am Sonntag spielten die Sachsen Europa-League-Teilnehmer Mainz schwindlig, 3:1 lautete das Ergebnis.

Am Sonntag spielten die Sachsen Europa-League-Teilnehmer Mainz schwindlig, 3:1 lautete das Ergebnis.

AP/Jens Meyer
Das Erfolgsduo: Sportdirektor Ralf Rangnick (l.) und der seit Sommer engagierte österreichische Trainer Ralph Hasenhüttl treiben das erfolgreiche Projekt weiter voran.

Das Erfolgsduo: Sportdirektor Ralf Rangnick (l.) und der seit Sommer engagierte österreichische Trainer Ralph Hasenhüttl treiben das erfolgreiche Projekt weiter voran.

AP/Jens Meyer

Dann werden die Roten Bullen losgelassen – und laufen und laufen und laufen. Lassen dem Gegner kaum Zeit zum Verschnaufen. Zermürben ihn. Und schlagen zu, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Sie sind taktisch und im Umgang mit dem Ball derart geschult, dass ihre Athletik voll zum Tragen kommt und all ihre Fähigkeiten zu einem ansehnlichen Ganzen verschmelzen.

So begegnet man, wenn von RB Leipzig die Rede ist, immer wieder einem Wort, in dem eine Menge Respekt und Bewunderung mitschwingen: Hochgeschwindigkeits-Fussball, zuletzt eindrucksvoll zelebriert am Sonntag beim 3:1 gegen Mainz. Überhaupt schlägt der in Ostdeutschland beheimatete Club auf jeder Ebene ein horrendes Tempo an.

Auf allen Stufen durchorganisiert

Man schrieb den 19. Mai 2009, als Rasenballsport Leipzig zum Leben erwachte und knapp drei Monate später in der Oberliga, der fünfthöchsten Spielklasse, startete. Das Ziel war klar: möglichst schnell nach oben. Geld sollte dabei keine Rolle spielen, schliesslich alimentiert Getränkeriese Red Bull den Verein.

RB Leipzig hat es jedoch nicht zu seinem Markenzeichen gemacht, teure Stars einzukaufen, sondern hat viel in die Infrastuktur und die Ausbildung junger Fussballer investiert (wobei Talente gerne mit Euros gelockt werden). Schon im Nachwuchs ist der Alltag professionell durchorganisiert, Verhaltenskodex inklusive. Modernste Technik liefert Coaches und Betreuern in jeder Trainingseinheit umfangreiche Daten zu den einzelnen Spielern, was die individuelle Förderung vereinfacht.

Platz 1 winkt

Die Früchte ihres Zuchtbetriebs, wie man die systematische Produktion solcher Spieler abwertend nennen könnte, ernten die Verantwortlichen in diesen Tagen. Die mit einem Schnitt von 23,9 Jahren jüngste Mannschaft der Bundesliga ist in der Meisterschaft auch nach zehn Runden unbesiegt – als Aufsteiger.

Einzig die Bayern haben bisher verhindert, dass Leipzig die Spitze erklommen hat. Der Rekordmeister verfügt über das bessere Torverhältnis, 24:6 gegenüber 20:7. Den jungen Wilden bietet sich jedoch nach der Länderspiel-Pause am übernächsten Freitag in Leverkusen die Möglichkeit, Platz 1 zumindest vorübergehend zu übernehmen, weil die Münchner erst tags darauf in Dortmund gastieren.

Ralf und Ralph

Die Baumeister des Erfolgs heissen Ralf Rangnick, der Sportdirektor, und Ralph Hasenhüttl, der auf diese Saison hin von Ingolstadt abgeworbene Trainer. Beide geben sich verhalten. Rangnick sagt: «Ich glaube, dass den Bayern über die gesamte Saison gesehen gar keiner gefährlich werden wird. Solange sie ihr Ding durchziehen, wird das nicht passieren.» Hasenhüttl sagt: «Wir tun gut daran, uns nicht mit anderen Mannschaft zu vergleichen.»

Dennoch wissen die Exponenten um das Potenzial ihrer Mannschaft. Der österreichische Coach: «Ich sehe für uns aktuell keine Grenzen. Und ich weiss auch nicht, wo im Moment dieses Limit liegen sollte», sagt er in der FAZ. «Wir spielen ja fast mit einer Zweitliga-Mannschaft, die im letzten Jahr als Zweiter in die Bundesliga aufgestiegen ist. Es ist beeindruckend, wie die Jungs zusammen mit unseren tollen Neuzugängen im Sommer diese Entwicklungsschritte genommen haben.»

Hoeness' Ritterschlag

Während die emotional gesteuerten Fans noch immer oft gereizt auf den am Reissbrett entworfenen Club reagieren, schlägt RB Leipzig von der Konkurrenz Anerkennung entgegen. Hertha-Trainer Pal Dardai sagte in der «Welt am Sonntag»: «Mit diesen athletischen Fähigkeiten, die sie besitzen, machen sie der Liga Angst. Das ist etwas ganz Neues. Bislang hat noch kein Team eine Lösung gefunden, um gegen diesen Hochgeschwindigkeits-Fussball zu bestehen.»

Der designierte Bayern-Präsident Uli Hoeness konnte sich ein paar Sticheleien nicht verkneifen. «Ich muss ehrlich sagen, dass ich Leipzig für sehr stark halte. Aber sie haben natürlich den Vorteil, dass sie während der Woche immer auf der Couch liegen, wenn wir im Champions-League-Rhythmus sind», sagte Hoeness und ergänzte mit Bezug auf den milliardenschweren Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz: «Wie ich Herrn Mateschitz kenne, wird er, wenn es an Weihnachten notwendig ist, noch ein paar Milliönchen drauflegen. Insofern ist Leipzig schon mittelfristig ein gefährlicher Gegner.»

Ein stichelnder Hoeness? Für die Adressaten nichts weniger als ein Ritterschlag.

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