Aktualisiert 13.08.2009 10:03

AusblickDie Zukunft der Internetsuche

Treffer in Echtzeit, aus den Tiefen des Netzes und fürs Handy aufbereitet: 20 Minuten Online hat in die Kristallkugel der Webrecherche geschaut und sich bei Google, Microsoft und Yahoo umgehört.

von
Henning Steier

Seit Anfang der Woche steht eine Vorversion von Microsofts neuer Suchmaschine «bing» im Netz. Die Redmonder wollen sie nach eigenen Angaben als «Entscheidungsmaschine» verstanden wissen. Sie soll ihren Nutzern beim Web-Shopping und der Reiseplanung helfen. Darüber hinaus soll «bing» verlässliche Informationen zum Thema Gesundheit liefern und schnell örtliche Unternehmen finden. Im Test konnte «bing» durchaus überzeugen, wenngleich eine wirkliche spannende Funktion bislang nicht integriert wurde.

Interessant wäre zum Beispiel eine Echtzeit-Suche, wie sie Twitter Mitte Mai angekündigt hat. Der Microblogging-Dienst plant, auch in Tweets verlinkte Seiten in den Index seiner Suchmaschine aufzunehmen. Damit würde die Seite einen Zeitvorsprung gegenüber grossen Suchmaschinen erhalten. Dies wäre zum Beispiel bei Ereignissen wie einem Amoklauf wichtig, denn dabei kommt es auf jede Sekunde an.

Google und Co. warten ab

Bei den grossen Drei der Websuche, Google, Yahoo und Microsoft, steht man einem Suchangebot in Echtzeit eher abwartend gegenüber. «Das hat bei uns nicht oberste Priorität. Neben der technischen Umsetzbarkeit spielen natürlich auch Umsatzerwartungen eine Rolle. Es ist kein Geheimnis, dass sich beispielsweise mit Suchfeatures zur Reiseplanung mehr Geld verdienen lässt», sagte Alex Payne, Microsofts Online Business Group Director Europe, Middle East and Africa (EMEA), zu 20 Minuten Online. Andreas Krawczyk, Chefredakteur von Yahoo Deutschland, bewertete die Funktion im Gespräch als «eine sinnvolle Erweiterung von Twitter.» «Etwas Ähnliches machen wir mit Yahoo Buzz, einer Social-News-Website, auf der unsere User Nachrichten bewerten.» Jürgen Galler, Director Product Management EMEA bei Google, wies auf die grosse Unbekannte in Twitters Plänen hin: «Ob eine Echtzeit-Suche technisch für uns möglich ist, dazu gibt es bei Google mit Sicherheit hunderte Meinungen. Die Zeitverzögerung wird mit Sicherheit immer geringer – so wie Rechner immer schneller werden.»

Ohnehin scheint für Galler die Geschwindigkeit der Websuche zentrales Erfolgskriterium zu sein: «Zum einen müssen wir Inhalte aus dem Netz schneller finden und in unseren Index aufnehmen. Zum anderen müssen wir die relevanten Ergebnisse dem Nutzer schneller liefern. Grösste Herausforderung hier ist das ungestüme Wachstum des Internets.» Alex Payne schlägt in dieselbe Kerbe, wenn er von einem «massiven Wachstum der Netzinhalte» spricht, die es für den Surfer aufzubereiten gelte.

In den Tiefen des Netzes

Zu den stark wachsenden Internetbereichen zählte Payne auch das so genannte «Deep Web», also jener Teil des Netzes, der nur schwer oder gar nicht von den Rechnern der Suchmaschinen erschlossen werden kann. Hierunter fallen beispielsweise Datenbanken und Seiten, die erst bei einer Anfrage aus diesen erzeugt werden. «Daher gibt es nach unseren Schätzungen mehrere Hundert Mal so viele Dokumente im Netz als derzeit indiziert werden», erläutert Andreas Krawczyk, viele zum «Deep Web» gehörenden Daten seien aber für die Mehrheit der Yahoo-Nutzer wahrscheinlich nicht interessant. Denn die meisten suchten mit einfachen Schlagworten wie «Wetter Berlin».

Jürgen Galler sieht bei diesem Thema noch Unzulänglichkeiten beim Branchen-Primus Google: «Es gibt die Kategorie von Seiten, welche wegen ihrer Strukturen schwer zu indizieren ist. Nehmen wir eine Webseite, auf der nur ein Gedicht steht. In diesem kommen Begriffe wie «Apfel» und «Bäume» vor.» Um diese Seite zu finden, müsse jemand direkt einen Teil des Gedichtes eingeben. «Gibt man nur einzelne Wörter wie die obigen ein, zeigen wir das Gedicht am Ende der Millionen Suchtreffer.» Für Galler geht es aber auch um Inhalte, die gefunden, aber nicht genutzt werden: «Tippt man beispielsweise einen Personennamen in die Suchmaske, erhält man eine Webseite, die schon einige Jahre alt ist und daher auf der zehnten Ergebnisseite auftaucht. Es kann aber sein, dass es ein ganz wichtiger Treffer ist. Hier muss eine Suchmaschine intelligenter werden und erkennen, was für den Nutzer wirklich relevant ist.»

Suchtreffer passend zum Aufenthaltsort

Immer wichtiger für viele Nutzer wird die Websuche mit dem Handy. Laut Alex Payne von Microsoft arbeitet das Unternehmen an einer «bing»-Version für mobile Geräte. Wann das Tool zur Verfügung stehen wird und welche Unterschiede es zur Desktop-Suche geben wird, wollte er allerdings nicht sagen. «Die mobile Suche eignet sich sehr gut dazu, sie mit Geodaten zu verknüpfen, weil man mit dem Handy nun mal oft seinen Standort wechselt», erklärt Jürgen Galler. Yahoo liefert bereits mit der seit kurzem verfügbaren «oneSearch Voice» eine sprachgesteuerte Suchanwendung für Mobiltelefone, die zudem statt langer Linklisten nach Kategorien gegliederte Antworten präsentiert. Eine wirkliche Innovation steht aber noch aus, auch wenn Galler ein «starkes Wachstum im Smartphone-Segment» sieht, «weil es dort mehr Möglichkeiten gibt, mit der Benutzeroberfläche zu spielen.» Welche Spiele Google plant, zu diesem Thema lässt er sich nicht in die Karten gucken, räumt aber ein, dass andere Mitspieler eine wichtige Rolle einnehmen: «Wir hängen auch stark von den Innovationszyklen ab: Wann wird zum Beispiel die Datenrate fürs mobile Surfen erhöht? Ausserdem ist wichtig, in welchen Abständen sich Kunden neue Geräte kaufen.»

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