Alpenrhein: Die Zukunft des Rheins wird paradiesisch

Aktualisiert

AlpenrheinDie Zukunft des Rheins wird paradiesisch

Der Rhein fliesst im St. Galler Rheintal schnurstracks in einem Strom zum Bodensee. Das soll sich ändern: Der Fluss soll entschleunigt und zur Begegnungszone werden.

von
J. Büchel
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Drei Szenarien werden auf dem Flugblatt skizziert. Rechts die von der Plattform «Lebendiger Rhein» naturnahe Variante.

Drei Szenarien werden auf dem Flugblatt skizziert. Rechts die von der Plattform «Lebendiger Rhein» naturnahe Variante.

Plattform «Lebendiger Rhein»
Die Rheintaler sollen sich dafür einsetzen, dass nicht der hässliche «Mini-Rhein» realisiert wird.

Die Rheintaler sollen sich dafür einsetzen, dass nicht der hässliche «Mini-Rhein» realisiert wird.

Plattform «Lebendiger Rhein»
Im April 2016 soll über die Zukunft des Rheins entschieden werden.

Im April 2016 soll über die Zukunft des Rheins entschieden werden.

Plattform «Lebendiger Rhein»

«So lebendig könnte der Alpenrhein werden», mit diesem Titel und Bildern von spielenden Kindern und «Flussbrätlern» überraschte die Plattform «Lebendiger Rhein» diese Woche 80'000 Rheintaler. Das Flugblatt warnt aber auch: «Die Jahrhundert-Chance für unser Rheintal ist in Gefahr.» Grund: Die Verantwortlichen des Projekts «Rhein Erholung Sicherheit» (Rhesi) präsentierten im November 2015 über weite Strecken nur eine minimale Variante.

Druck der Rheintaler nötig

Laut der Umweltplattform setzen sich vor allem die Gemeindeoberhäupter zu wenig für einen naturnahen Fluss ein. Dies, weil sie sich um die Brunnen im Rheinvorland sorgen, wo vor allem Unterrheintaler Gemeinden das Grundwasser vom Rhein anzapfen. Zudem erheben teilweise Bauern Widerspruch, weil ihnen ein verzweigter Rhein mit Sandbanken und Gehölz die Weidewiese streitig macht und sie so Pachtland verlieren würden.

Bereits in drei Monaten soll der definitive Entscheid durch das Gremium «Gemeinsame Rheinkommission» fallen. «Deshalb braucht es jetzt Druck aus der Rheintaler Bevölkerung», so Lukas Indermaur, Sprecher der Umweltplattform. Dazu hat man dem Flugblatt einen Sticker mit der Aufschrift «Ja zum naturnahen Alpenrhein» beigelegt. «Die Kleber sind ein Hit», so Indermaur. Schon am ersten Tag nach der Flugblattverteilung wurden über tausend Kleber nachbestellt. Auch sonst sind die Reaktionen durchwegs positiv.

Indermaur freut sich über die Unterstützung: «Wir haben geahnt, dass wir bei den Rheintalern auf positives Echo stossen.» Im Vorfeld habe man zwei repräsentative Umfragen gemacht. Dabei sprachen sich jeweils rund 70 Prozent für den naturnahen Rhein aus.

Kosten auf 600 Millionen geschätzt

Auch wenn die Rheintaler ihre Gemeindepräsidenten und schliesslich die gemeinsame Rheinkommission davon überzeugen können, dass ein naturnaher Rhein realisiert werden soll, so kann man kaum vor 2020 auf einer Sandbank im Rhein Würste bräteln. «Der Zeithorizont für das Projekt liegt bei 20 Jahren für 26 Kilometer Rhein von Oberriet bis zur Bodenseemündung», erklärt Indermaur.

Die Kosten für das Projekt Rhesi werden auf 600 Millionen Franken geschätzt, egal welche Variante umgesetzt wird. Die naturnahe Umsetzung hätte laut Indermaur Vorzüge: besserer Hochwasserschutz dank breiterem Flussbett und robustere Trinkwasserversorgung.

Zukunftsvision für den Rhein

Der Alpenrhein soll aus seinem engen Korsett befreit werden und zur Begegnungszone werden.

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