Wirtschaftswunder: Die Zukunft gehört Basel und der Zentralschweiz

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WirtschaftswunderDie Zukunft gehört Basel und der Zentralschweiz

Wo boomt die Wirtschaft in den kommenden Jahren? Mittelfristig sind die Grossregionen Basel und die Zentralschweiz die Aufsteiger. Schlecht steht Zürich-Aargau da.

von
Sandro Spaeth
Beim Wirtschaftswachstum in den Jahren 2015 bis 2020 in Führung: Die Genferseeregion und Basel. Gut steht auch die Zentralschweiz da.

Beim Wirtschaftswachstum in den Jahren 2015 bis 2020 in Führung: Die Genferseeregion und Basel. Gut steht auch die Zentralschweiz da.

Nicht ohne Grund steht das Bassin Lémanique derzeit an der Spitze im nationalen Wachstumsranking. Es ist ein Hort von Milliardenkonzernen: Der Nahrungsmittelgigant Nestlé, die Rohstoffhändler Vitoil und Gunvor sowie der Luxusgüter-Konzern Richemont haben ihre Firmensitze allesamt in der Genferseeregion. Im laufenden Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung in den Kantonen Genf und Waadt laut den Konjunkturforschern von BAK-Basel um 2,3 Prozent zulegen.

Zu den grossen Aufsteigern könnte allerdings die Zentralschweiz gehören. Hier rechnet das BAK in den Jahren 2015 bis 2020 mit einer Zunahme der Wirtschaftsleistung von jährlich 2,2 Prozent. Schweizweit dürften lediglich 1,7 Prozent erreicht werden. Aktuell besteht beim Wachstum allerdings eine Kluft zwischen den Kantonen: Während die Grossregion Zentralschweiz 2013 um 2 Prozent wächst, sind es in Luzern 2,3 Prozent, in Uri hingegen lediglich rund ein Prozent.

Tiefsteuerpolitik und günstiges Land

Für die guten Aussichten der Zentralschweizer sind laut BAK-Chefökonom Martin Eichler einerseits die hohe Attraktivität für Unternehmenssitze sowie die Tiefsteuerpolitik ausschlaggebend. Andererseits spiele verhältnismässig günstiger Wohn- und Gewerberaum sowie die gute Erreichbarkeit des Grossraum Zürich eine entscheidende Rolle.

Zu den Profiteuren gehört auch die Region Basel. Hier dürfte das Wachstum von aktuell 1,4 Prozent mittelfristig auf ebenfalls 2,3 Prozent ansteigen. Ausschlaggebend für die guten Aussichten ist hier in erster Linie die Pharmaindustrie mit ihren Zugpferden Novartis und Roche.

Zürich: Finanzplatz als Wachstumsbremse

Nicht gerade rosig sehen die Aussichten für die Grossregion Zürich-Aargau aus. Fürs laufende Jahr ist das Wirtschaftswachstum mit 0,6 Prozent nicht einmal halb so gross wie im Schweizer Durchschnitt. Das liegt laut BAK-Chefökonom Martin Eichler in erster Linie am Abbau im Finanzsektor. Die Erwerbstätigkeit im Bankenbereich dürfte 2013 um über zwei Prozent zurückgehen.

Dass viele, meist gut bezahlte Jobs in der Finanzbranche verschwinden, könnte auch noch in den Jahren 2015 bis 2020 zur Hypothek der Grossregion Zürich-Aargau werden. Während die Schweiz in den genannten Jahren ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent erreichen dürfte, wird für Zürich-Aargau lediglich 1,3 Prozent gerechnet.

Genf: Vorteil Rohstoffdrehscheibe

Einen grossen Bankensektor hat auch Genf. Die Rhonestadt liegt auf Rang 7 der bedeutendsten Finanzplätze der Welt. Trotzdem sind die Perspektiven fürs Bassin Lémanique ausgezeichnet. «Weil die Genfer Finanzindustrie eine enge Verbindung mit dem Rohstoffhandel hat, wird sie unter den aktuellen Restrukturierungen nicht gross zu leiden haben», sagt BAK-Chefökonom Eichler. Das mittelfristige Wirtschaftswachstum für die Achse Genf-Lausanne-Vevey sehen die BAK-Ökonomen in den Jahren 2015 bis 2020 bei 2,3 Prozent.

Südschweiz: Boom dank Wohnungsbau

Die Südschweiz, bestehend aus den Kantonen Wallis, Tessin und Graubünden, dürfte im Jahr 2013 ein Wachstum von 1,5 Prozent erreichen. Das ist insofern erstaunlich, als die Südschweiz über keinen dominierenden Industriesektor verfügt. Getrieben wird das Wachstum im Süden vom Wohnungsbau, der durch die Zweitwohnungs-Initiative stark angeheizt wurde. Die Wachstumsprognose liegt für 2014 sogar bei erstaunlichen 1,8 Prozent. Mittelfristig wird die Südschweiz aber vom gegenteiligen Effekt eingeholt. Das Wachstum dürfte sich bei unterdurchschnittlichen 1,4 Prozent einpendeln. (sas)

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