Aktualisiert 23.11.2016 16:03

SVP-Hardliner Glarner«Die Zustände in den Camps gehen mir nahe»

SVP-Asylchef Andreas Glarner besuchte Flüchtlingscamps in Griechenland. Es sei ihm eingefahren – seine Positionen will er aber nicht grundlegend ändern.

von
daw
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Andreas Glarner besuchte im Sommer zwei Flüchtlingscamps in Griechenland.

Andreas Glarner besuchte im Sommer zwei Flüchtlingscamps in Griechenland.

zvg
Mit diesem Flyer ermuntern die Gemeinde und Private die Bevölkerung nun, zu spenden.

Mit diesem Flyer ermuntern die Gemeinde und Private die Bevölkerung nun, zu spenden.

Glarner hat während der Reise auch selbst Fotos geschossen. «Es handelte sich um alte Fabrikhallen, wo man Zelte aufgestellt hat. Im Lager in Frakaport sind die Flüchtlinge praktisch sich selbst überlassen, weil Griechenland das Geld gar nicht hat, um sie zu versorgen», berichtet er.

Glarner hat während der Reise auch selbst Fotos geschossen. «Es handelte sich um alte Fabrikhallen, wo man Zelte aufgestellt hat. Im Lager in Frakaport sind die Flüchtlinge praktisch sich selbst überlassen, weil Griechenland das Geld gar nicht hat, um sie zu versorgen», berichtet er.

zvg

Herr Glarner, auf Einladung der Autorin und Helferin Andrea Fischer Schulthess besuchten Sie zwei Flüchtlingscamps in der Nähe von Thessaloniki. Was haben Sie gesehen?

Es handelte sich um alte Fabrikhallen, wo man Zelte aufgestellt hat. Im Lager in Frakaport sind die Flüchtlinge praktisch sich selbst überlassen, weil Griechenland das Geld gar nicht hat, um sie zu versorgen. Die Armee liefert einfach etwas Wasser und Verpflegung. Im anderen Camp sorgt das Hilfswerk Swisscross.help mit seinen Volontären für eine gewisse Tagesstruktur – da merkt man einen riesigen Unterschied. Ich habe mit einigen syrischen Familien mit Kindern geredet, von denen wohl alle Anrecht auf Asyl haben. Jedem Einzelnen merkt man an, dass er zwar nicht zufrieden ist mit der Situation, aber doch froh ist, in Sicherheit zu sein.

Haben Sie so ein Lager schon einmal gesehen?

Nein. Wenn Sie dieses Camp sehen, die Babys, dann fährt das ein. Das ist heavy – die Leute haben keine Privatsphäre, nichts, 600 Leute in einer Halle bei einer Bruthitze. Das ist der Mensch 1:1 und nicht die globale Asylpolitik. Zum Vergleich: Wenn ein Flugzeug abstürzt und man jemanden gekannt hat, ist die emotionale Betroffenheit auch viel grösser. Zugleich muss man realistisch bleiben und sagen: Wir können nicht die ganze Welt retten.

Gibt es eine Geschichte, die Sie besonders berührt hat?

Ein Syrer hat erzählt, wie er x-mal versucht hat, übers Meer zu kommen, ihn aber Schlepper gnadenlos ausgenommen haben. Er hat fünfmal für die Überfahrt bezahlt – und viermal ging die Reise in die Hose. Das finde ich verrückt.

Einem ARD-Reporter sagten Sie einst, Sie würden einer Mutter mit Kind am Grenzzaun zu Europa sagen, dass sie «die Reise vergebens gemacht hat und umkehren soll». Ist das immer noch Ihre Meinung, nachdem Sie die prekäre Situation vor Ort gesehen haben?

Die Frage bezog sich auf den Grenzzaun, den es auf der Balkan-Route inzwischen gibt. Die Botschaft war: Ihr könnt nicht alle nach Europa kommen. Das ist nicht unmenschlich. Im konkreten Fall kommen die Leute mit dem Boot. Das kann man logischerweise nicht untergehen lassen – da hilft man als Mensch.

Also bleiben Sie ein Hardliner? Oder wird sich die Asylpolitik der SVP nach den Erlebnissen im Camp ändern?

Ich bin überzeugter denn je, dass wir das Problem vor Ort lösen müssen. Die Schweiz muss mehr tun – um Syrien herum und auch in Griechenland – und das Geld dafür in der Entwicklungshilfe einsparen. Ich setze mich auch dafür ein, dass die rund 600 Flüchtlinge aus dem Camp ein Bleiberecht bekommen. Aber es macht keinen Sinn, wenn dann weitere 600 kommen. Vorher muss abgestellt werden, dass man übers Meer fährt.

Als Gemeindeammann von Oberwil-Lieli AG bezahlen Sie lieber Geld, als Flüchtlinge aufzunehmen. Würden Sie keine der Familien aus den Camps aufnehmen?

Wenn es technisch möglich ist, sehr gerne. Wir möchten im nächsten Jahr auch eine syrische Familie aufnehmen. Das haben wir der Bevölkerung schon gesagt.

Laut dem «Blick» wollen Sie Ihren beiden Töchtern ein Auswanderungskonto anlegen. Im Ernst?

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in wenigen Jahrzehnten ein ernsthaftes Problem haben werden, wenn Europa so weitermacht. Entweder müssen wir Kopftücher tragen oder werden einfach verlumpen. Und dann kann es sein, dass man auch einmal aus Europa flüchten muss. Ich möchte, dass beide einen substanziellen Betrag haben, damit sie auswandern könnten, falls sie das müssten.

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