Ski-WM: Die Zuverlässige und der Frechdachs
Aktualisiert

Ski-WMDie Zuverlässige und der Frechdachs

Medaillenchancen zum WM-Abschluss in Riesenslalom und Slalom haben wir so gut wie keine. Wendy Holdener (19) und Gino Caviezel (20) machen aber Hoffnung für die Zukunft.

von
Marcel Allemann
Schladming

Wendy Holdener will bei der Ski-WM angreifen. (Video: 20 Minuten Online)

Beharrlich und mit einer beeindruckenden Konstanz nähert sich Wendy Holdener der Weltspitze. 2010 debütierte sie im Weltcup und bereits einen Monat später gewann die 19-Jährige im Slalom von Aspen ihre ersten Weltcuppunkte. Letzte Saison landete die Schwyzerin mit fünf Top-20-Rangierungen regelmässig in den Punkterängen und in diesem Winter realisierte sie mit Rang 9 beim Slalom in Semmering und Platz 4 beim City-Event in Moskau ihre bisherigen Bestresultate.

Schritt für Schritt nähert sich die Zentralschweizerin den Allerbesten. Mittlerweilen ist sie die Nummer 14 in der Slalom-Weltrangliste, was vor allem auch Produkt ihrer Zuverlässigkeit ist. Als einzige Top-15-Fahrerin fiel Holdener nie aus. «Man kann es auch so sehen, dass ich vielleicht einige Male zu wenige Risiken eingegangen bin. Ich muss sicher noch lernen, mehr Vollgas zu geben.»

Top 10 im Visier

Zunächst steht heute mit dem Riesenslalom ihre schwächere Disziplin auf dem Programm. «Ich möchte meine Trainingsleistungen umsetzen», hat sich Holdener vorgenommen. Aber als ihr Hauptziel bezeichnet sie den Spezialslalom vom Samstag: «Dort sind die Ziele dann höher.» Eine konkrete Resultatvorgabe hat sie nicht gefasst, doch die Top 10 «oder auch etwas mehr» dürfe es durchaus sein. «Ich will das Skifahren auspacken, das ich drauf habe und dann wird auch ein gutes Ergebnis herauskommen.»

Wendy Holdener steht vor einer grossen Zukunft. Vorerst will sie diese in den technischen Disziplinen angehen, sie träumt aber auch davon, sich später auf die Abfahrt zu wagen: «Zeit dafür bleibt mir noch genug.»

Stimmen zum Team-Event

Kein Blatt vor dem Mund

Gino Caviezel ist keiner, der auf den Mund gefallen ist. Im Herbst verkündete der Bündner in der «Südostschweiz» völlig unbescheiden, dass er eines Tages Olympiasieger und Gesamtweltcupsieger werden möche. Vor dem Team-Wettbewerb hier in Schladming nahm er im Vofeld als Einziger des Schweizer Sextetts das Wort «Medaille» in den Mund und dass, wenn es denn soweit kommen sollte, auch Marcel Hirscher zu schlagen sei. Die Medaille blieb dann allerdings mit dem Out in Runde 1 ein Wunschtraum, stattdessen musste sich Caviezel vom unbekannten Kanadier Philip Brown bezwingen lassen.

Deshalb gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten Caviezel, dessen Stern diese Saison mit dem 11. Rang im Riesenslalom von Adelboden aufging, zu charakterisieren. Man kann sich auf den Standpunkt stellen, dass der Domleschger eine (zu) grosse Klappe hat und ihm Überheblichkeit vorwerfen. Oder man kann es so sehen, dass er fast unschweizerisch ambitioniert ist, stets das Maximum erreichen möchte und ihn für diese Tugenden loben. So oder so ist Caviezel aber ein Frechdachs, der dem Schweizer Team gut tut, es mit seiner erfrischenden Art belebt und vielleicht sogar ein wenig aufrütteln kann.

Im 2. Lauf Vollgas geben

Sein erstes WM-Einzelrennen seiner Karriere, den Riesenslalom vom Freitag, will er genau gleich wie seinen Coup in Adelboden angehen: «Ich werde eine hohe Nummer um 40 haben. Daher geht es zuerst darum, es in den 2. Lauf zu schaffen und dort will ich dann so richtig Vollgas geben. Ich hoffe, mir gelingt die perfekte Fahrt.»

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