Aktualisiert 02.06.2010 13:46

Gaza-FlotteDie «zweite Welle» ist unterwegs

Eine neue Konfrontation zeichnet sich ab: Das irische Schiff «MV Rachel Corrie» hat Kurs auf den Gaza-Streifen genommen, die israelische Armee will es stoppen.

von
Peter Blunschi

Der 40 Jahre alte Frachter war vor zwei Monaten vom irischen Zweig des «Free Gaza Movement» gekauft und nach Rachel Corrie benannt worden, einer 23-jährigen Amerikanerin, die 2003 im Gazastreifen beim Versuch getötet wurde, die Zerstörung eines palästinensischen Hauses durch einen israelischen Bulldozer zu verhindern. Ursprünglich sollte er mit der «Solidaritätsflotte» nach Gaza fahren, doch wegen Reparaturarbeiten wurde das Schiff in Malta 48 Stunden aufgehalten.

Nach dem israelischen Militäreinsatz lag die «Rachel Corrie» vorerst in den Gewässern vor Libyen. Schliesslich entschieden die 19 Aktivisten – darunter fünf Iren – und acht Besatzungsmitglieder, als «zweite Welle» Kurs auf Gaza zu nehmen, wie Organisatorin Niamh Moloughney via Satellitentelefon dem «Guardian» erklärte. Die Stimmung an Bord sei «entschlossen und standhaft», erklärte sie. Man habe mit einer Konfrontation gerechnet, «aber nicht mit diesem Ausgang». Im Fall einer Enterung werde man nicht zurückschlagen.

Irland warnt Israel

Damit ist zu rechnen, denn Israel scheint gewillt, auch dieses Schiff zu stoppen. «Wir werden bereit sein für die Rachel Corrie», erklärte ein Marineleutnant im israelischen Armeeradio. Die Ankunft des Frachters wird gegen Ende Woche erwartet. Die irische Regierung warnte Israel davor, Gewalt anzuwenden. «Wenn einem unserer Staatsbürger etwas geschieht, wird dies schwerwiegendste Konsequenzen haben», sagte Premierminister Brian Cowen. Aussenminister Micheál Martin forderte den israelischen Botschafter auf, das Schiff passieren zu lassen.

In Israel wird derweil weiter über die Frage debattiert, wie es zum Fiasko bei der Erstürmung des türkischen Schiffs «Mavi Marmara» kommen konnte. Gegen aussen gibt man sich unbeugsam. Verteidigungsminister Ehud Barak und Generalstabschef Gabi Ashkenazi trafen sich am Dienstag mit den an der Aktion beteiligten Soldaten der Eliteeinheit Shayetet 13 (Flotte 13) und dankten ihnen für ihren Einsatz: «Ihr habt eure Mission ordnungsgemäss ausgeführt», sagte Barak.

Auf Widerstand nicht vorbereitet

Hinter vorgehaltener Hand aber bestätigen immer mehr Stimmen, dass die Operation miserabel vorbereit war. Ein Marinekommandant sagte der «Times», die Einheit sei vom Ausmass des Widerstands «überrascht, ja schockiert» gewesen. Ein weiterer Marinevertreter sagte, man habe verschiedene Szenarien geübt, doch auf diese Art von Widerstand seien die Soldaten nicht vorbereitet gewesen. Als Konsequenz will Israel offenbar noch aggressiver vorgehen, wie ein Offizier der «Jerusalem Post» erklärte: Man sei wie in einem Krieg angegriffen worden, «also werden wir in Zukunft auf einen Krieg vorbereitet sein».

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