Der neue Meistertrainer?: Die Zwischenlösung ist ein Glücksgriff
Aktualisiert

Der neue Meistertrainer?Die Zwischenlösung ist ein Glücksgriff

Heiko Vogel macht seine Sache gut beim FC Basel. So gut, dass vieles darauf hindeutet, dass der FCB die Suche nach einem neuen Cheftrainer bald einstellen wird.

von
Alexandra Stäuble
Heiko Vogel ist der Chef bis zum 31. Dezember 2011. Der Deutsche dürfte aber noch etwas länger bleiben.

Heiko Vogel ist der Chef bis zum 31. Dezember 2011. Der Deutsche dürfte aber noch etwas länger bleiben.

Im Sommer 2009 kam er als Assistenztrainer ­zusammen mit Thorsten Fink zum FC Basel. Der Chef ist nun aber weg und Heiko Vogel auf sich alleine gestellt. Dieser macht aber seine Arbeit gut und darf darauf hoffen, dass er bald mehr sein wird als der Interimstrainer.

Nach dem Abgang von Fink drehte sich das Trainerkarussell. Kandidaten wie Mario Basler, Bernard Challandes, Murat Yakin, Mehmet Scholl oder Roberto di Matteo hiessen die möglichen Nachfolger Finks. Der Ex-Basler und aktuelle FCL-Trainer Yakin wurde als Wunschkandidat gehandelt. Der 37-Jährige stellte aber rasch klar, dass er in Luzern bleiben will. Seither wurde es ruhig in der Trainerdiskussion.

Vogel ist auf Kurs

Das hat aber nicht nur mit der Absage von Yakin zu tun. Interimstrainer Vogel lässt fast keine Angriffsfläche für Kritik zu und es ist durchaus realistisch zu behaupten, dass der charismatische Deutsche auch nach dem Jahreswechsel das Zepter in der Hand halten wird. Dies, obwohl er am 13. Oktober nur einen Kontrakt bis zum 31. Dezember 2011 unterzeichnen durfte.

Shaqiri stärkt Vogel den Rücken

Die Basler Führungsetage hat Vertrauen in das Können Vogels. Unabhängig von seinem Engagement in der ersten Mannschaft, verlängerte der FCB den bereits bestehenden Vertrag des 36-Jährigen bis im Juni 2014. Egal ob Vogel Cheftrainer bleibt, er wird also auch in Zukunft für den FCB arbeiten. Welche Funktionen der Deutsche übernehmen könnte, ist unklar. Diese sind im Vertrag nicht definiert. So hat sich Basel bereits im Oktober alle Optionen offen gehalten. Zu diesem Zeitpunkt war anzunehmen, dass der FCB einen gestandenen Chef-Coach suchen und Vogel anfangs Januar wieder zum Assistenten degradieren wird.

FCB-Trainer Vogel sah Tennis, nicht Fussball

Der FCB ist der grosse Favorit auf den Titel

Nun hat der Wind am Ufer des Rheins gedreht. Heiko Vogel entpuppt sich als wahrer Glücksgriff - für die Klubführung, die Fans und nicht zuletzt für die Mannschaft. Seit seinem Amtsantritt haben die Basler in der Super League eine Serie von fünf Siegen hingelegt. YB, Sion und auch Leader Luzern haben sie hinter sich gelassen und die Tabellenführung übernommen. Kann Vogel vor der Winterpause mit zwei weiteren Siegen (u.a. nächsten Samstag gegen Luzern) nachdoppeln, hat Basel sechs Punkte Vorsprung auf den nächsten Verfolger und ist zudem Wintermeister.

Thorsten Fink lief es lange nicht so gut nach seinem Amtsantritt. Ein Sieg, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen lautete seine Bilanz im Sommer 2009. Ein Vergleich, der aber etwas hinkt. Fink stand nach nach der Ära Gross vor einem Neuanfang. Ganz im Gegensatz zu Vogel, der vor rund eineinhalb Monaten eine intakte und reife Mannschaft übernahm. Der neue Chef an der Seitenlinie musste kaum etwas verändern. Zwar will Vogel fortführen, was sein Chef vorgemacht hat: «Seine Philosophie ist auch meine, sonst wäre ich zweieinhalb Jahre als fixer Bestandteil des Staffs fehl am Platz gewesen. Wir werden da weitermachen, wo wir unter Fink so erfolgreich aufgehört haben.» Dennoch hebt Vogel hervor: «Ich bin keine Kopie von Fink.»

Fünf Siege in Serie

Der Interimscoach macht seinen Job bisher hervorragend, Finks Fussstapfen sind aber gross. Mit dem FCB hat der Deutsche während zwei Saisons drei Titel geholt (Meisterschaft und Cup 2009/10, Meisterschaft 2011). Und auch in Sachen Siegesserie hat Vogel noch einiges nachzuholen. Die fünf Siege in Folge sind zwar beachtlich, Fink brachte es aber zwischen dem 6. Februar und dem 2. April 2011 auf acht Vollerfolge. Der Ex-Coach machte seinen Fehlstart in der Meisterschaft wett und holte Ende der Saison sogar den Titel.

Auch Christian Gross punktete zu Beginn nicht nach Mass, heimste danach aber Titel für Titel ein. In der Saison 1999/2000 debütierte Gross als FCB-Chefcoach. Der Zürcher verbuchte aus den ersten fünf Saisonspielen gerade einmal einen mikrigen Sieg (3:0 gegen Delémont). Immerhin: Die Basler mussten nie als Verlierer vom Platz, denn gegen Lugano, Xamax, GC und Servette spielte die Gross-Truppe viermal unentschieden. Gross' zehnjähriges Engagement beim FCB war fortan eine einzige Erfolgsstory: Vier Meistertitel und vier Triumphe im Cup.

Champions-League-Partien als Prüfstein

Die kommenden Wochen werden zum Prüfstein für Vogel – allen voran im internationalen Geschäft. Am Dienstag trifft er mit seinem FCB in der Champions League auswärts auf Otelul Galati. In Rumänien ist ein Sieg Pflicht, um die Möglichkeit auf eine Achtelfinal-Qualifikation aufrecht zu halten. Der Schweizer Meister belegt zwei Runden vor Schluss den zur Europa League berechtigenden dritten Platz in der Gruppe C. Gewinnt der FCB bei Galati, kommt es am 7. Dezember zum «Showdown»: Manchester United wird dann im St. Jakobpark auflaufen. Um eine Qualifikation noch zu schaffen, müssten dann dringend Punkte her. Gelingt den Baslern nach dem 3:3 im Old Trafford ein weiterer Coup gegen den Traditionsklub aus dem Norden Englands, käme dies einer Sensation gleich. Spätestens dann wäre der Interimstrainer endgültig ein Kandidat für den Trainerposten.

Vogel hat das Zeug dazu. Und ob er in Zukunft mit dem FCB Titel gewinnen wird, hängt von den kommenden Wochen ab. Die Klubführung ist vom Deutschen angetan, braucht aber einen letzten Beweis dafür, dass der 36-Jährige die unumstrittene Ideallösung ist. Aufgrund der vergangenen Wochen kann aber vermutet werden, dass sich der FC Basel im Dezember nicht mehr auf die Suche nach einem neuen Trainer machen und stattdessen mit der Zwischenlösung langfristig planen wird. Sportdirektor Georg Heitz würde sich darüber freuen, wenn er den Papierkram endgültig zur Seite schieben könnte: Tag für Tag gehen Bewerbungen beim FC Basel ein, rund fünfzig, so Heitz in einem Artikel der «Tageswoche», sind es mittlerweile, «aber mit jedem Sieg werden es weniger». Die FCB-Führungsetage blickt einer ruhigen und besinnlichen Adventszeit entgegen.

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