Neuer Trend in Italien: Diebe sprengen Bankomaten mit Gasbombe
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Neuer Trend in ItalienDiebe sprengen Bankomaten mit Gasbombe

Drei Fälle innert 48 Stunden: In Italien werden derzeit Bankomaten mit Gasbomben in die Luft gesprengt. In der Schweiz wappnet man sich gegen diese Raubzüge.

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So sah die Bank Monte dei Paschi di Siena in Bogliasco aus, nachdem die Diebe einen Bankomaten in die Luft gesprengt hatten.

So sah die Bank Monte dei Paschi di Siena in Bogliasco aus, nachdem die Diebe einen Bankomaten in die Luft gesprengt hatten.

In Italien boomt derzeit eine ausgeklügelte Methode, Bankomaten aufzubrechen. Am Tag bevor die Geldmaschine geleert wird, meist kurz nach dem Einnachten, deponieren die Diebe eine Gasbombe vor dem Bankomaten, lassen das Gas frei und zünden die Bombe.

Am Wochenende wurden auf diese Weise drei Bankomaten gesprengt: Gestern in Arcola (Spezia), am Samstag in Bogliasco (Genua) und in Peschiera Borromei (Milano). Die letzten Raubzüge einer langen Serie, schreibt die italienische Zeitung «La Stampa».

«Es war wie im Krieg»

In den vergangenen drei Monaten haben die Gasbomben-Diebe ganz Italien unsicher gemacht. Von Verona über Carpi, Bari, bis nach Bologna sprengten sie Bankomaten in die Luft. Einige Anschläge liefen schief, bei anderen konnten die Verbrecher bis zu 100'000 Euro stehlen.

Die Schäden sind jedoch nicht nur finanzieller Natur. Die Sprengung in Bogliasco hat beispielsweise die gesamte Hauptstelle einer Bank zum Einstürzen gebracht – die Explosion war so gewaltig, dass die Bewohner der darüber gelegenen Wohnungen dachten, es handle sich um einen Bombenanschlag. «Es war wie im Krieg», sagte ein Mann zur Polizei.

Eingangsbereich und Banknoten zerstört

Die Diebe hatten offenbar wenig Ahnung von dem, was sie taten. Anstatt eine Bombe mit Acetylengas zu benutzen, die eine Explosion kontrollierbar macht, entzündeten sie eine Gasflasche direkt bei den Kundenschaltern. Der Ausbruch zerstörte nebst dem Eingangsbereich auch fast alle Banknoten.

Im Piemont hat sich eine ganze Gruppe auf diese Methode der Bankomaten-Sprengung spezialisiert. Die ersten Fälle ereigneten sich vor rund sechs Jahren. Seither haben die Diebe die Technik verfeinert. Sie verschaffen sich mit einer normalen Karte Zugang zum Inneren der Bank, platzieren dann die Gasbombe direkt vor dem Geldausgabe-Schlitz und lassen das Gas hineinströmen.

Gesamte Umgebung evakuiert

Wenn alles gut geht, fliegt nur die Panzerwand in die Luft und gibt die Schutzzelle frei, die das Geld beinhaltet. Die Bande schnappt sich den Behälter und ist innert vier bis fünf Minuten verschwunden. Wenn die Aktion allerdings schliefläuft, fliegt die ganze Maschine auseinander und reisst die halbe Bank mit sich. In manchen Fällen waren die Explosionen so stark, dass sogar vor der Bank parkierte Autos beschädigt wurden und Fensterscheiben im oberen Stock zu Bruch gingen.

Die Gefahr für die oberhalb der Bank wohnenden Personen ist deshalb gross. Es sei ein reines Wunder, dass bisher noch niemand von durch die Luft fliegenden Glasscherben, Kunststoffteilen oder Stahlrahmen verletzt wurde, schreibt «La Stampa». In Torino führte eine Explosion in einer Bank sogar dazu, dass die ganze Umgebung evakuiert werden musste.

In diesem Youtube-Video hat die Polizei von Torino zwei Gasbomben-Diebe bei ihrer Tat gefilmt:

«Wir prüfen alle Sicherheitsmassnahmen»

In den Kantonen Zürich, Bern und Tessin gab es bis anhin noch keine vergleichbaren Fälle. Man beobachte die Situation allerdings intensiv und tausche sich auch mit anderen Polizei- und Amtsstellen aus, sagt Andreas Hofmann, Sprecher der Kantonspolizei Bern.

Auch Franz Würth, Sprecher Raiffeisen Schweiz, kennt das Phänomen. «Wir prüfen alle möglichen Sicherheitsmassnahmen, um uns gegen diese Art von Einbruch zu schützen.» Mehr Details dazu könne er aus Vertraulichkeitsgründen nicht preisgeben. Ähnlich klingt es bei der Postfinance. «Wir beobachten die Entwicklung sehr aufmerksam und wappnen uns dagegen», sagt Sprecher Richard Pfister.

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