Zürich: Diebesbande nahm Gelben Riesen aus
Aktualisiert

ZürichDiebesbande nahm Gelben Riesen aus

Eine Zürcher Diebesbande hat schweizweit rund ein Dutzend Poststellen geplündert. Alleine in Domat-Ems machten sie Beute für über 137 000 Franken. Jetzt stand der mutmassliche Kopf der Organisation in Zürich vor Gericht.

von
Attila Szenogrady

Die Nacht auf den 25. Februar 2006 werden die Angestellten der Postfiliale von Donat-Ems (GR) nicht mehr so schnell vergessen. Damals wuchteten die Angehörigen einer dreiköpfigen Diebesbande mittels Geisfüssen ein Fenstergitter auf und drangen in das Innere der Poststelle ein. Dann knackten die flinken Profitäter mehrere Tresore mit einem Schweissbrenner und machten fette Beute. Laut Polizeibericht stopften sie Schweizer Bargeld, ausländische Währungen und diverse Wertgegenstände für über 137 000 Franken in Papierkörbe und suchten das Weite.

In zwölf Poststellen eingebrochen

Der grosse Coup in Donat-Ems war kein Einzelfall. Heute steht fest, dass die aus dem Kanton Zürich stammenden Kosovaren anlässlich einer «Tour de Suisse» landesweit tätig waren zwischen Dezember 2005 bis zu ihrer Verhaftung im April 2006 nicht weniger als ein Dutzend Poststellen plünderten. Oder in einigen Fällen zumindest versuchten. Sie hatten damit den Gelben Riesen als Milchkuh ausgesucht.

So auch in Unterengstringen (ZH), Ebikon (LU), Pfäffikon (SZ), Pratteln (BL), aber auch in Moudon in der Westschweiz oder Bellach im Kanton Solothurn. Der gesamte Deliktsbetrag bezifferte sich auf weit über 300 000 Franken. Hinzu kam ein beachtlicher Sachschaden von rund 100 000 Franken. So liessen die Einbrecher jeweils ein Chaos zurück. Vor allem um ihre Spuren zu verwischen. Mehrere Tatorte sprühten sie gar mit einem Feuerlöscher voll.

Nur bewiesene Taten zugegeben

Am Montag musste sich der mutmassliche Kopf der erwischten Bande am Bezirksgericht Zürich verantworten. Der heute 32-jährige Familienvater aus dem Limmattal hinterliess dabei nicht den besten Eindruck. So gab er jeweils nur diejenigen Vorwürfe zu, die ihm die Polizei genau nachweisen konnte. Es handelte sich dabei um drei Einbrüche und drei Einbruchsversuche. Den Rest stellte der vermutliche Drahtzieher vehement in Abrede. Auch den Einbruch in Donat-Ems. Zum Tatmotiv wollte sich der Chauffeur ohnehin nicht äussern.

Noch kein Urteil

Der zuständige Staatsanwalt forderte für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Als zusätzliche Sanktion zu einer, noch nicht rechtskräftigen Strafe von weiteren 13 Monaten. Die Verteidigung konterte aufgrund von geltend gemachten Teilfreisprüchen mit einem Gegenantrag auf gerade noch sechs Monate. Vier davon auf Bewährung. Das Gericht kam aufgrund der unterschiedlichen Positionen und dem weiteren, noch laufenden Strafverfahren gegen den Angeschuldigten noch zu keinem Urteil. Die Richter werden den Entscheid den Parteien demnächst schriftlich zustellen.

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