Seuzach ZH: Diebstahl: Den falschen Mann verurteilt?
Aktualisiert

Seuzach ZHDiebstahl: Den falschen Mann verurteilt?

In Seuzach haben zwei mutige Anwohner zwei georgische Einbrecher in Flagranti erwischt und einen der Täter an einen Laternenpfahl gebunden. Der flüchtige Dieb wurde später am Bezirksgericht Winterthur verurteilt. Zu Unrecht, wie am Donnerstag die Verteidigung vor Obergericht plädierte.

von
Attila Szenogrady

Es war am späten Abend, als am 10. Oktober 2008 zwei Georgier in Seuzach an der Bachwiesenstrasse in eine Liegenschaft eindrangen. Die beiden Einbrecher schienen zunächst fette Beute zu machen. Sie trugen Schmuck für über 7 500 Frankenzusammen. Zudem stellten sie mehrere Computer sowie Fotokameras für über 5000 Franken zum Abtransport bereit.

Einen Dieb an Laternenpfahl gefesselt

Doch dann hatten die Kriminaltouristen Pech und wurden vom heute 66-jährige Hauseigentümer in Flagranti erwischt. Es folgte ein wildes Gerangel, wobei der rüstige Rentner einen der Einbrecher zu Boden riss und dabei vom zweiten Mann in den Rücken getreten wurde. Obwohl der Geschädigte mehrere gebrochene Rippen davontrug, kämpfte er weiter und holte einen der flüchtenden Diebe vor dem Haus wieder ein. Dort kam ihm der heute 58-jährige Nachbar zu Hilfe, der sich dem zweiten Georgier in den Weg stellte. Dieser warf dem beherzten Helfer eine Taschenlampe gegen den Kopf und suchte mit dem Schmuck das Weite.

Wenigstens konnten die beiden verletzten Anwohner den zweiten Ganoven überwältigen und bis zum Eintreffen der Polizei an einen Laternenpfahl gefesselt festhalten.

Zweiten Dieb identifiziert

Der erwischte Täter wurde schon bald der Justiz zugeführt und verurteilt. Wesentlich komplizierter präsentierte sich der Fall beim zweiten mutmasslichen Einbrecher. Er wurde später ebenfalls festgenommen, beteuerte jedoch hartnäckig seine Unschuld. Er habe sich zur Tatzeit nicht in Seuzach, sondern in einem Durchgangszentrum für Asylbewerber im Kanton Aargau aufgehalten, gab er zu Protokoll.

Am Bezirksgericht Winterthur allerdings vergeblich. Der heute 29-jährige Georgier wurde für schuldig befunden und zu einer unbedingten Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt. Der Einzelrichter gab eine an einem Einbruchswerkzeug sichergestellte DNA-Spur und das schwankende Aussageverhalten des Angeklagten als Gründe für den Schuldspruch an. Zudem hätten die beiden Anwohner den Mann als Täter identifiziert, stand im Winterthurer Urteil.

Freispruch verlangt

Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte am Donnerstag vor Obergericht einen Freispruch. In einem Plädoyer von über 20 Seiten zerpflückte der Winterthurer Rechtsanwalt Urs Bänziger die Argumentation des Einzelrichters. Zudem die belastenden Aussagen der beiden Geschädigten, die widersprüchliche Angeben gemacht und sich erstaunlicherweise im Verlaufe des Verfahrens immer besser erinnert hätten. So sei beispielsweise aus einem ursprünglich rothaarigen ein plötzlich schwarzhaariger Mittäter geworden. Bei der DNA-Spur machte der Anwalt geltend, dass sein Mandant mit dem Werkzeug in einem anderen Zusammenhang in Berührung gekommen sein könnte. Jedenfalls seien zu viele unüberwindliche Zweifel an der Täterschaft vorhanden.

Angeklagter schon seit einem Jahr weg

Der grosse Einsatz des Rechtsanwaltes erstaunte allerdings. So ist sein Klient schon vor einem Jahr kurz nach dem Winterthurer Urteil ausgereist und seither nicht mehr in der Schweiz aufgetaucht. Auch am Berufungsprozess glänzte er durch unentschuldigte Abwesenheit. Das Obergericht wird seinen Entscheid deshalb demnächst schriftlich eröffnen.

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