SAND-SCHÖNBÜHL-KASERNE BE: «Diensthunde werden geschlagen, wenn sie Fehler machen»
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SAND-SCHÖNBÜHL-KASERNE BE«Diensthunde werden geschlagen, wenn sie Fehler machen»

Im Kompetenzzentrum Sand-Schönbühl BE der Schweizer Armee sollen Diensthunde in der Ausbildung regelmässig geschlagen und misshandelt werden. Der Armee sind solche Vorfälle nicht bekannt.

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Diensthunde im Kompetenzzentrum der Armee Sand-Schönbühl sollen regelmässig mit Schlägen bestraft werden.

Diensthunde im Kompetenzzentrum der Armee Sand-Schönbühl sollen regelmässig mit Schlägen bestraft werden.

Keystone
Mehrere Insider berichten 20 Minuten von Übergriffen auf die Tiere.

Mehrere Insider berichten 20 Minuten von Übergriffen auf die Tiere.

Keystone
Im Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere in Sand-Schönbühl werden Angehörige der Armee im Umgang mit Tieren geschult.

Im Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere in Sand-Schönbühl werden Angehörige der Armee im Umgang mit Tieren geschult.

Vtg-Admin

Darum gehts

  • Im Kompetenzzentrum Sand-Schönbühl der Schweizer Armee sollen Diensthunde geschlagen und misshandelt werden.
  • Mehrere Insider berichten vom harten Umgang mit den Tieren.
  • Bei der Armee sind aktuell keine Vorfälle bekannt, bei denen Diensthunde geschlagen worden seien.

Im Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere in Sand-Schönbühl werden Angehörige der Armee im Umgang mit Tieren geschult. Unter anderem werden dort Diensthunde ausgebildet, die später beispielsweise bei der Objektbewachung eingesetzt werden. Erst am Dienstag wurde bekannt, dass in dieser Kaserne 16 Rekrutinnen halb nackt von einer Wachtmeisterin erniedrigt worden sein sollen. Der Artikel löste zahlreiche Reaktionen aus. So meldeten sich mehrere Personen bei 20 Minuten, die ebenfalls von schlechten Erfahrungen in Sand-Schönbühl berichten. Diese betreffen das Tierwohl.

Die Vorwürfe wiegen schwer: «Die Diensthunde werden geschlagen und malträtiert, wenn sie Fehler machen. Das ist dort an der Tagesordnung», so ein Insider, der den Standort gut kennt. Aus Angst vor Konsequenzen will er anonym bleiben. Er ist nicht der Einzige. Eine andere Quelle bestätigt die Vorwürfe, will jedoch aus Angst ebenfalls anonym bleiben. Oftmals hätten die Tiere Verletzungen von den Schlägen davongetragen. «Wenn ein Tierarzt die Verantwortlichen auf die Verletzungen ansprach, wurden sie Mundtot gemacht, und das Ganze wurde unter den Teppich gekehrt.»

Zum Teil seien die Diensthunde an ihren Halsbändern hochgehoben worden, bis sie keine Luft mehr bekommen hätten. Auch Schläge mit der Leine seien keine Seltenheit. «Es hat schon zahlreiche Rapporte gegeben, in denen sich Rekruten über den Umgang mit den Diensthunden beschwerten», so der Insider. In Militärkreisen sei der Standort für den harten Umgang mit den Tieren bekannt.

Der Armee sind keine Vorfälle bekannt

Der Armee sind aktuell keine Vorfälle bekannt, bei denen Diensthunde geschlagen wurden. Bei Überforderung der Hundehalter könne es jedoch zu «grenzwertiger Einflussnahme» kommen. «Allfällige Verstösse der Tierschutzverordnung im Umgang mit den Hunden werden von uns nicht toleriert und würden disziplinarisch bestraft werden», sagt Delphine Allemand, Mediensprecherin der Armee. Die Hunde würden wöchentlich durch Tierärzte betreut und begutachtet. «Dabei wurden keine Verletzungen durch Gewaltanwendung von Hundehaltern festgestellt.»

Die Armee bilde sich in Zusammenarbeit mit dem Veterinärdienst immer weiter, so Allemand. «Dass dabei die Wahrnehmung über die Ausbildung und Erziehung differenziert ausgelegt werden kann, ist wie sämtliche gesellschaftspolitischen Themen gegeben.» Da die Diensthunde hohe Anforderungen erfüllen müssten, würden die Hunde gemäss den neusten kynologischen Erkenntnissen ausgebildet und erzogen.

Studie zum Umgang mit den Tieren

Tatsächlich gibt es verschiedenste Methoden, um Diensthunde auszubilden. Diese wurden in einer Doktorarbeit der Universität Zürich ausführlich untersucht. Dabei beleuchtete die Doktorandin unter anderem auch die Methoden des Schweizer Militärs im Kompetenzzentrum Sand-Schönbühl. Um die Diensthunde entsprechend auszubilden, wurden die Tiere gemäss der Untersuchung aus dem Jahr 2007 jeweils mit Belohnungen motiviert und bei Fehlern mit Korrekturen bestraft.

Bei einer Befragung der Hundeführer gab einer der Rekruten an, seinen Hund bei Fehlern jeweils anzuschreien. Andere würden die Hunde durch heftiges ruckartiges ziehen an der Leine bestrafen. So würden die Hunde sofort merken, dass sie einen Fehler gemacht hätten. Die Rekruten räumten aber ein, dass dies für den Diensthund unangenehm und schmerzhaft sei.

Düstere Methoden

Die abschliessende Befragung der Rekruten befasste sich mit den Methoden, welche die Hundeführer niemals anwenden würden. Fünf der acht Rekruten gaben an, dass sie ihren Hund auf keinen Fall mit einem Stachelhalsband erziehen würden. Vier würden niemals Strom verwenden. Lediglich eine Person gab an, den Hund auf keinen Fall am Halsband hochzuheben, bis dieser keine Luft mehr bekommt. Unter den acht Hundeführern befanden sich auch zwei Personen, die keine Methoden kennen, die sie nicht anwenden würden. Die Interviewten gaben bei der Befragung zu, dass sie Personen kennen, die mit oben erwähnten Methoden arbeiten.

Haben Sie weitere Informationen zu den Zuständen in der Kaserne Sand-Schönbühl? Melden Sie sich per Mail auf redaktion.bern@20minuten.ch oder per Whatsapp unter 076 420 20 20. Die Angaben werden auf Wunsch anonym behandelt.

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