Bodensee: «Diese Angler töten Fische nur zum Spass»
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Bodensee«Diese Angler töten Fische nur zum Spass»

Laut einem Leser-Reporter spielten sich in Rorschach üble Szenen ab. Fischer würden Fische fangen, um sie dann tot am Ufer oder im Wasser zurückzulassen.

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air
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Am Bodensee sollen sich regelmässig Gruppen zum Fischen treffen und Fische dann tot am Ufer oder im Wasser zurücklassen.

Am Bodensee sollen sich regelmässig Gruppen zum Fischen treffen und Fische dann tot am Ufer oder im Wasser zurücklassen.

Ralf Schneider
Die Fischer würden nach Aussagen von Leser-Reporter Norbert E. auch sogenannte Blinker verwenden, welche nur mit Fischerpatent erlaubt sind.

Die Fischer würden nach Aussagen von Leser-Reporter Norbert E. auch sogenannte Blinker verwenden, welche nur mit Fischerpatent erlaubt sind.

Frank-Christian Baum/Wikimedia

«Das ist eine Sauerei! Ich habe mehrfach beobachtet, wie Fischer die Tiere töten und dann einfach ins Wasser zurückwerfen oder am Ufer zurücklassen», empört sich Leser-Reporter Norbert E. aus St. Gallen. Er habe zudem mehrere tote Fische im Wasser schwimmen sehen. «Da treibt sich eine illegale Szene am Bodensee herum, die keine Ahnung vom Angeln hat und die Fische aus Spass tötet.»

Fischen ohne Patent möglich

Dabei handle es sich meist um Leute aus Österreich und Deutschland. «Ich habe sie belauscht. Die kommen hierher, weil man in Deutschland und Österreich ein Patent braucht und hier nicht», sagt E. Offensichtlich handle es sich um Amateure.

Und tatsächlich: In den Kantonen St. Gallen und Thurgau gilt ein Freiangelrecht. «Für das Fischen vom Ufer aus ist kein Fischerpatent vorgeschrieben», schreibt der Kanton. Allerdings müsse sich der Fischer sachkundig und fair verhalten. Zusätzlich sei der Einsatz von Widerhaken sowie die Hälterung, also Aufbewahrung von lebenden Fischen, verboten.

E. bestätigt, dass die Fischer Widerhaken sowie lebende Köder und sogenannte Blinker verwendet hätten. Für beide Köder braucht es ein Fischereipatent, andernfalls ist mit einer Busse zu rechnen.

Auch dem Betreiber eines Angler-Shops aus Arbon sind die Schilderungen aus Rorschach zu Ohren gekommen. «Das kommt leider immer mal wieder vor», sagt er. In Arbon habe es ebenfalls solche Gruppierungen gegeben. «Als dann regelmässiger patrouilliert wurde, waren sie sofort wieder verschwunden.» Der extremste Fall sei aber in Diessenhofen passiert. «Dort reisten regelmässig riesige Gruppen aus Deutschland an, die kofferraumweise Fische aus dem Rhein holten», erinnert er sich. Danach sei dort das Fischereirecht abgeändert worden, damit so etwas nicht mehr passieren konnte.

Bei Gemeinde nichts bekannt

Der Stadt Rorschach sind die Vorkommnisse nicht bekannt. «Allerdings patrouilliert der Verkehrsdienst an dieser Stelle. Wir werden die entsprechenden Einsatzkräfte darauf hinweisen», sagt Stadtschreiber Roger Böni. Das Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen äussert sich zurückhaltend zu dem Fall. Grundsätzlich habe man mit den Angelfischern am See nur sehr wenige schlechte Erfahrungen gemacht. «Die grosse Masse der Fischer verhält sich regelkonform und tierschutzbewusst», so Kugler. Natürlich gebe es aber auch unter den Anglern schwarze Schafe.

«Klingt sehr nach Tierquälerei»

Den Tierschützer Reinhold Zepf stimmen die Schilderungen von Leser-Reporter Norbert E. nachdenklich. «Das klingt schon sehr nach Tierquälerei», findet er. Leider komme das aber immer wieder vor. «Die Behörden warten in der Regel lange, bis sie etwas unternehmen.»

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