Vorsorgegelder in Gefahr: «Diese Anleihen sind ein grosses Risiko»
Aktualisiert

Vorsorgegelder in Gefahr«Diese Anleihen sind ein grosses Risiko»

Es gibt zu wenig Schweizer Staatsanleihen. Darum diversifizieren Pensionskassen auch stark in Euro- und US-Staatsanleihen. Experten warnen vor trügerischer Sicherheit.

von
Elisabeth Rizzi
Die blosse Reduktion von Staatsanleihen aus den Euro-Wackelnationen durch die Pensionskassen hat unsere Vorsorgegelder nicht sicherer gemacht.

Die blosse Reduktion von Staatsanleihen aus den Euro-Wackelnationen durch die Pensionskassen hat unsere Vorsorgegelder nicht sicherer gemacht.

Selbst die Eurostaaten mit erstklassiger Bonität sind mit riesigen Geldmengen geflutet, ganz zu schweigen von den USA: Deshalb ist das Inflationsrisiko dramatisch gestiegen. Das ist nicht zuletzt eine grosse Gefahr für die Pensionskassen in der Schweiz.

Um dem Geldentwertungs-Risiko im Euro- und Dollarraum zu entkommen, müssten sie viel Geld in der Schweiz anlegen. Doch hier stossen sie an Grenzen. «Es gibt hierzulande viel zu wenige Anlagemöglichkeiten, vor allem weil die Zahl der Bundesobligationen zu klein ist», klagte Swisslife-Chef Bruno Pfister an der Halbjahrespräsentation. Tatsache sei etwa, dass der Betrag der im Umlauf befindliche Staatspapiere nicht grösser sei als die Bilanz der Swisslife-Gruppe.

Bundesobli als knappes Gut

Der Zürcher Finanzprofessor Martin Janssen bestätigt: «Angesichts der unsicheren Lage im Euroraum sind Schweizer Anleihen zu einem knappen Gut geworden.» Dies besonders im Hinblick auf die berufliche Vorsorge. So betrage der Schuldenstand der Schweiz 50 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP). Das von der Beruflichen Vorsorge (BVG) verwaltete Vermögen belaufe sich demgegenüber auf 120 Prozent des BIP.

Die Folge: Pensionskassen und Versicherer, die im Zug der Finanzkrise ihr Aktienengagement massiv herunter gefahren haben, drängen zur Diversifikation in die wenigen vermeintlich intakten Staatsanleihen in Europa und den USA. So hält Swisslife nur noch einen Aktienanteil von knapp 1,6%, aber 34% Staatsanleihen (davon ein Viertel Schweizer Anleihen). Bei den ausländischen Staatspapieren hat der Versicherer im letzten Halbjahr die Papiere von Deutschland und Frankreich massiv herunter gefahren. Dafür ist jetzt fast ein Fünftel der gesamten Staatsanleihen in den USA investiert, was Swisslife als kalkulierbares Risiko erachtet.

«Grosses Risiko»

Andere grosse Kassen und Versicherer investieren zwar weniger in den USA, dafür aber mehr in den Top-Euroländern. Für Rolf Amrein, Pensionskassenexperte bei B+B ein Alarmzeichen: «Die Anleihen dieser Staaten werfen wegen der tiefen Zinsen kaum Rendite ab, sind aber ein grosses Risiko». Er plädiert stattdessen für ein viel stärkeres Engagement in Sachanlagen wie die in Verruf geratenen Aktien, aber auch in Immobilien. «Schliesslich könnten Vorsorgeeinrichtungen theoretisch eine Aktienquote von bis zu 50 Prozent und einen Immobilienanteil von 30 Prozent halten», gibt er zu bedenken.

Für Janssen müsste auch die Investition in Anleihen von grossen, international tätigen Unternehmen verstärkt werden. «Dabei ist aber zu beachten, dass man nicht nur einfach dort viele Obligationen kauft, wo viele ausstehen», warnt er. Ansonsten hätten die Vorsorgeeinrichtungen am Schluss nur noch grosse und schlechte Schuldner im Portfolio.

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