«Diese App ist schlimmer als Uber» – Gettransfer ignoriert Regeln

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Ausbleibende Zahlungen«Diese App ist schlimmer als Uber» – Gettransfer ignoriert Schweizer Regeln

Der Geschäftsführer eines Reiseunternehmens sagt, dass in der Schweiz ein Uber-Konkurrent seine Dienste anbiete, der noch schlimmer als das Original sei: die Firma Gettransfer.

von
Marcel Urech
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Wer mit einem Taxi von Lugano zum Flughafen Zürich reisen will, findet auf Gettransfer.com schnell diverse Angebote.

Wer mit einem Taxi von Lugano zum Flughafen Zürich reisen will, findet auf Gettransfer.com schnell diverse Angebote.

Screenshot/Gettransfer.com
Wenige Sekunden nach der Anfrage auf der Website flattern diese per E-Mail fast im Minutentakt rein.

Wenige Sekunden nach der Anfrage auf der Website flattern diese per E-Mail fast im Minutentakt rein.

Screenshot Gmail
Die App verspricht Fahrten mit «Autos bester Qualität für tiefere Preise als bei normalen Taxis».

Die App verspricht Fahrten mit «Autos bester Qualität für tiefere Preise als bei normalen Taxis».

Screenshot der iOS-App von Gettransfer.

Darum gehts

  • Gettransfer ist im Gegensatz zu Uber in der ganzen Schweiz aktiv.

  • Die Firma halte Verträge nicht ein und ignoriere gesetzliche Vorgaben, sagt ein Reiseunternehmer.

  • «Wir wehren uns nicht gegen neue Mitbewerber, aber es müssen für alle die gleichen Regeln gelten», sagt Markus Kunz, der Vizepräsident des Schweizer Taxiverbands Taxisuisse.

Uber sorgte zum Jahresstart für Wirbel: Der Taxi-Dienst hat laut geleakten Dokumenten gezielt die Behörden, die Politik und die Polizei manipuliert – auch in der Schweiz. Hierzulande habe die Firma mit zwei PR-Firmen kooperiert, um schärfere Gesetze zu verhindern und die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Die «Uber Files» führten bei 20 Minuten zu vielen Reaktionen der Leserschaft. Gemeldet hat sich unter anderem ein CEO eines Schweizer Reiseunternehmens. Er sagt, dass in der Schweiz ein Uber-Konkurrent Geschäfte mache, der noch schlimmer als das Original sei: das Unternehmen Gettransfer. Die Person ärgert sich über den Umgang der Firma mit ihren Kunden und über die ausbleibenden Zahlungen.

Gettransfer ignoriert Vorgaben

Der Geschäftsführer der Reisefirma nutzt beruflich neben Uber auch die App von Gettransfer. Er fragt sich, ob Gettransfer Mehrwertsteuern bezahle, denn auf den Abrechnungen sehe man das nicht. Zudem halte sich das Unternehmen nicht an die Regeln in der Branche und ignoriere gesetzliche Vorgaben, sagt die Person.

Als Reiseunternehmer müsse er nachweisen, dass seine Fahrer eine Bewilligung für den berufsmässigen Personentransport (Code 121) hätten. In den Fahrzeugen sei zudem der Einbau eines Tachografen nötig, was pro Auto 2500 Franken koste. Gettransfer kontrolliere das nicht – jeder könne sich registrieren. Auch Markus Kunz, CEO von Nova Taxi, sagt auf Anfrage, dass Gettransfer keine Unterlagen von ihm angefordert habe.

Taxi-Dienste brauchen Bewilligung

Die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich bestätigt auf Anfrage, dass die Fahrer und Fahrerinnen für den berufsmässigen Personentransport eine Bewilligung brauchen – wenn sie in einem Zeitraum von 16 Tagen mehr als einmal fahren und dabei einen wirtschaftlichen Erfolg erzielen. Das stehe so im Bundesrecht. Die Kontrollen obliegen der Polizei. Sie müsste Verstösse gegen geltendes Recht zur Anzeige bringen.

Die Stadtpolizei ergänzt, dass ein wirtschaftlicher Erfolg dann gegeben sei, wenn der Fahrpreis die Fahrzeugkosten und den Auslagenersatz des Fahrzeugführers übersteige. Für gewerbsmässige Personentransporte brauche man einen Führerausweis der Kategorie B mit dem Zusatzcode 121. Zudem müssten die Fahrzeuge mit einem Fahrtschreiber (Tachografen) ausgerüstet sein.

«Wir wehren uns nicht gegen neue Mitbewerber»

Auch Markus Kunz, CEO von Nova Taxi, war mit Gettransfer in Kontakt. Die Firma habe ihn gefragt, ob Nova Taxi für die App fahren wolle. Dazu sei es nie gekommen. Unterlagen habe Gettransfer keine angefordert.

Nutzt du Apps wie Uber und Gettransfer?

«Wir wehren uns nicht gegen neue Mitbewerber, aber es müssen für alle die gleichen Regeln gelten», sagt Kunz, der Vizepräsident des Schweizer Taxiverbands Taxisuisse ist. Das Gesetz sei klar, es durchzusetzen aber schwierig. In Bern seien die Behörden kaum aktiv – wenn man Verstösse nicht melde, passiere nichts.

Zahlungen immer wieder verschoben

«Gettransfer schuldet mir seit Monaten Geld», sagt der anonyme Reiseunternehmer. Die Zahlungen hätten zuerst zehn Tage Verspätung gehabt, dann einen Monat, dann zwei Monate. Die Zahlung für Dezember habe Gettransfer nun auf Ende März verschoben. Das sei nicht in Ordnung, schliesslich habe er durch die Nutzung der App eine vertragliche Vereinbarung mit der Firma abgeschlossen, die Gettransfer nicht einhalte.

Auf über 20 E-Mails habe niemand geantwortet und wenn doch, erst nach Wochen. Telefonisch sei ebenfalls niemand erreichbar – trotz Support-Hotlines in Grossbritannien, Zypern, China und den USA. «Bei Uber komme ich durch», sagt der Reiseunternehmer. Da sei das Geld auch jeden Montag pünktlich auf dem Konto.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft teilt mit, dass man im Zusammenhang mit dem Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb weder Beschwerden gegen Uber noch gegen Gettransfer erhalten habe. Die Redaktion gab Gettransfer mehrere Tage Zeit, um Stellung zu nehmen. Eine Antwort blieb aus. 

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