Aktualisiert 19.12.2019 09:43

Whatsapp-Spionage

«Diese App ist unethisch und gefährlich»

Dasta ist eine App, die aufzeichnet, wann Whatsapp-Nutzer online und offline sind. Der User merkt nichts davon – das kann unschöne Folgen haben.

von
doz

So sammelt die App Daten. (Video: 20M)

Die russische App Dasta macht es Nutzern einfach, andere Personen auszuspionieren. Dafür benötigt man nur die Telefonnummer einer Person, die Whatsapp benutzt, und schon spuckt Dasta Informationen darüber aus, wann der Betroffene zuletzt online war, wie lange er online war und wann er wieder offline gegangen ist. Bei der ersten Person und für den ersten Tag funktioniert dies noch gratis, ab zwei Personen oder mehreren Tagen bezahlt man einen monatlichen Tarif.

Problematisch ist diese App, da sich damit das Nutzungsverhalten und die Tagesabläufe anderer Personen aufzeichnen lässt. Es ist beispielsweise möglich, nachzuvollziehen, wann eine Person bei der Arbeit ist oder schläft. Falls zwei Personen gleichzeitig beobachtet werden, können auch Rückschlüsse darüber gezogen werden, wann die beiden miteinander in Kontakt sind und wie oft.

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«Für Stalking missbraucht»

Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum, kennt die Problematik mit Apps wie Dasta. «Das grösste Problem ist, dass solche Apps für Stalking missbraucht werden», sagt er. Die betroffene Person werde nicht gefragt, ob ihre Daten abgerufen werden dürften. «Das kann unschöne Folgen haben, ist unethisch und kann sogar gefährlich werden.»

Ebenfalls problematisch ist, dass man sich als betroffene Person nur sehr schwer wehren kann. «Wir befinden uns hier im Zivilrecht und nicht im Strafrecht, denn das blosse Nutzen einer solchen App ist noch nicht strafbar. Es geht viel eher um Datenschutz und Persönlichkeitsschutz. Wer dagegen wirksam vorgehen will, muss eine Klage einreichen. Für viele Personen ist diese Hürde aber zu hoch und sie sehen davon ab», erklärt Steiger.

«Jeder kann an diese Daten herankommen»

Manche Personen fänden es einfacher, Whatsapp ganz zu löschen. Man müsse aber stets aufpassen, dass man sich in einer Opfersituation nicht zu stark einschränke. «Ich würde jenen Personen, die wissen, dass sie gezielt überwacht werden, raten, zum Gegenangriff überzugehen und ihre Rechte zu verteidigen», so Steiger.

«Die entscheidende Frage ist, wieso Whatsapp es überhaupt so einfach macht, an diese Daten heranzukommen. Das kann ich nicht nachvollziehen», sagt der Anwalt. Schliesslich können so Geheimdienste und jeder, der ein Überwachungstool bauen kann, an diese Daten herankommen. «Besser wäre es, wenn Whatsapp den Status nur an ausdrücklich berechtigte Personen weitergeben würde.»

Whatsapp selbst konnte aufgrund von internen Abklärungen zum gegebenen Zeitpunkt kein Statement abgeben.

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