Schweizer Start-up: Diese App kann dein Leben retten, wenn du zu Hause betrunken umfällst
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Schweizer Start-upDiese App kann dein Leben retten, wenn du zu Hause betrunken umfällst

Stürze in den eigenen vier Wänden sind die häufigste Unfallursache in der Schweiz. Das Schweizer Start-up Sedimentum hat eine Lösung entwickelt, die genau dann helfen soll.

von
Marcel Urech
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Sedimentum aus Cham hat eine App entwickelt, die Notfallkontakte automatisch informiert, wenn jemand zu Boden stürzt.

Sedimentum aus Cham hat eine App entwickelt, die Notfallkontakte automatisch informiert, wenn jemand zu Boden stürzt.

Sedimentum
Das Start-up will so verhindern, dass Sturzunfälle in den eigenen vier Wänden böse enden. Hinter dem Unternehmen stehen CTO Arthur Habicht, CEO Sandro Cilurzo und COO Eugenie Nicoud (von links). 

Das Start-up will so verhindern, dass Sturzunfälle in den eigenen vier Wänden böse enden. Hinter dem Unternehmen stehen CTO Arthur Habicht, CEO Sandro Cilurzo und COO Eugenie Nicoud (von links). 

Sedimentum
Für die Lösung braucht es einen Sturzmelder, den man an der Decke installiert.

Für die Lösung braucht es einen Sturzmelder, den man an der Decke installiert.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

Wenn du betrunken bist und alleine zu Hause umfällst, kann das böse enden. Laut dem Unfallversicherer Suva sind Stolpern und Stürzen sogar die häufigsten Unfallursachen in der Schweiz. Das Thema ist so wichtig, dass viele Schweizer Spitäler eigene Sprechstunden für Sturzopfer anbieten – wie etwa das Unispital Zürich.

Sedimentum aus Cham ZG will etwas gegen das Stürzen tun. Das Start-up hat eine Lösung entwickelt, die ausgewählte Kontakte alarmiert, wenn jemand zu Hause umfällt. Im August nahm das Unternehmen 2,1 Millionen Franken von Investoren ein, im April beschaffte es sich weitere 3,3 Millionen Franken.

Yoga löst den Alarm nicht aus

Für die Lösung braucht es einen Sturzmelder, den man an der Decke installiert. Die dazugehörige App ruft im Notfall die Liebsten an – ohne dass man etwas tun muss. Reagieren diese nicht, landet der Anruf bei der Notrufzentrale des Start-ups. So könne man den Zeitraum zwischen Sturz und Hilfeleistung oft entscheidend verkürzen, so das Unternehmen.

Doch wie lassen sich Fehlalarme reduzieren, wenn zum Beispiel ein kleines Kind mehrmals umfällt? «Der Alarm geht nur raus, wenn die umgefallene Person alleine zu Hause ist», sagt Mitgründerin und COO Eugenie Nicoud. Auch wenn jemand eine Yoga-Übung am Boden mache oder eine Katze in der Wohnung herumtolle, löse das System keinen Notruf aus.

App kann Leben retten

Die Lösung funktioniere unabhängig von Alter, Grösse und Postur, sagt Nicoud. Sie sei zudem wertvoll für Menschen, die an medizinischen Beschwerden, Suchterkrankungen oder Epilepsie leiden. 

Laut der Mitgründerin kann Sedimentum Leben retten. Denn wer zu Hause stürze und unentdeckt liegen bleibe, sei in grosser Gefahr. Dem seien sich auch die Jungen bewusst: Sie kontaktierten das Start-up oft, weil sie sich Sorgen um die Eltern oder Grosseltern machten, sagt Nicoud.

«Menschen fühlen sich nicht gerne überwacht»

«Die Lösung hat Potenzial», sagt Michael Lehmann, Medizininformatiker an der Berner Fachhochschule. Sedimentum funktioniere ohne Uhr oder Armband, die man auf dem Körper trägt. Die App treffe auch den Zeitgeist: Die Wohnsituation und das Wohlbefinden seien mit Corona wieder ins Zentrum gerückt.

Gut sei auch, dass das Unternehmen seine Daten laut eigenen Angaben ausschliesslich in der Schweiz hält. Ein Risiko für das Geschäft gebe es aber trotzdem: «Menschen fühlen sich nicht gerne überwacht», sagt Lehmann. Die Lösung von Sedimentum sei allerdings nicht aufdringlich und störe im Alltag darum nicht.

Der nächste Schritt für Sedimentum könnte sein, noch weitere Daten zu messen, etwa die Herzfrequenz. So könnte die Technologie mit dem Bewegungsmelder eines Tages vielleicht sogar Alarm schlagen, bevor jemand umfällt. «Beim Einsatz von Bewegungssensoren sind wir erst am Anfang», sagt Lehmann.

Ein ähnliches Konzept verfolge das Start-up Domo Health von der ETH Lausanne, das Sensoren für die gesundheitliche Überwachung entwickelt und dafür auch eine künstliche Intelligenz einsetzt. Lehmann geht davon aus, dass sich Lösungen für die Überwachung der Gesundheit in Wohnungen etablieren werden. 

So kannst du Stürze verhindern

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