Onavo: Diese App macht das iPhone zum Sparschwein

Aktualisiert

OnavoDiese App macht das iPhone zum Sparschwein

Wer mit dem Smartphone häufig und überall im Netz surft, sollte Onavo ausprobieren. Wir zeigen die Vor- und Nachteile der Daten-Spar-App aus Israel.

von
Daniel Schurter

Renommierte Blogs wie «TechCrunch» überschlagen sich vor Begeisterung und sprechen von einem «Must-Have» für jeden iPhone-Nutzer. Die Rede ist von Onavo, einer App, die seit kurzem kostenlos über den App Store von Apple heruntergeladen werden kann. Schon bald soll auch eine Android-App folgen. Die Entwickler wollen im Lauf der nächsten zwei Monate eine Beta-Version veröffentlichen.

Onavo heisst so viel wie «schlaue Investition» auf Kantonesisch. Alles was der User tun muss, ist einige Minuten zu investieren, um sich für den Dienst zu registrieren. Dann kann es losgehen. Ab sofort läuft die App im Hintergrund und hilft, den Datenverbrauch zu reduzieren. Das ist für alle User interessant, die nicht über ein Mobilfunk-Abo mit unbegrenztem Datenvolumen verfügen. Und gerade bei Ausland-Reisen können die Roaming-Kosten klein gehalten werden. Zusätzlich liefert die App detailierte Informationen und Statistiken über den Datenverbrauch des eigenen Geräts.

Viele Apps werden unterstützt

Onavo ist Ende April an der Internet-Konferenz «The Next Web» in Amsterdam vorgestellt worden und hat gleich zwei Auszeichnungen eingeheimst. Laut den Entwicklern, einem israelischen Startup namens Onavo Online, lassen sich mit der App bis zu 80 Prozent des eingehenden Web-Traffics sparen, ohne auf Inhalte verzichten zu müssen.

Wie ein erster Test von 20 Minuten Online zeigt, kann sich das Tool schnell bezahlt machen. Innert weniger Tage wurden bei der iPhone-Nutzung mehrere Megabytes an Daten eingespart. Gespart wird nicht nur beim Surfen mit dem mobilen Browser. Onavo unterstützt auch andere Apps, wie zum Beispiel RSS-Reader. Einzig bei Streaming-Diensten und Voice over IP (VoIP) muss die Technik passen. Ob sich die von der Entwicklerfirma versprochenen massiven Einsparungen tatsächlich realisieren lassen, ist offen.

Seiten werden «gestrippt»

Und so funktionierts: Um die bei der Internet-Nutzung anfallenden Datenmengen zu verkleinern, lenkt Onavo den Traffic über eigene Server um. Dort werden Bilder und Texte verkleinert und erst anschliessend ans Endgerät, also das iPhone, weitergeleitet. Der Geschäftssführer von Onavo, Guy Rosen, erklärte im Interview mit der «New York Times» die Hintergründe. Die vom Gerät aufgerufenen Webseiten werden von den Onavo-Servern intensiv bearbeitet: Unnötige Informationen werden gezielt aussortiert, Bilder an die Display-Grösse des Geräts angepasst und die Auflösung verringert. Schliesslich kommen verschiedene Komprimierungsverfahren zum Einsatz.

Das Verblüffende: Beim Surfen sind keine Verzögerungen zu erkennen. Den Entwicklern zufolge soll die App sogar höhere Geschwindigkeiten ermöglichen. Zum einen würden viele Webseiten in einem Cache zwischengespeichert, zum anderen würden die «gestrippten» Seiten schneller geladen, weil sie ja massiv kleiner (an Daten) seien.

Und der Datenschutz?

Noch kann die App kostenlos bezogen werden. Wie lange die Testphase dauert, ist nicht bekannt. In Zukunft will die Entwicklerfirma Geld verdienen. Das Geschäftsmodell sieht vor, eine monatliche Gebühr für die Nutzung des Dienstes zu erheben. «Wir helfen den Leuten Geld zu sparen und verlangen dafür im Gegenzug einen kleinen Betrag», heisst es bei Onavo. Die Gebühr werde so klein sein, dass die Nutzer immer noch auf ihre Kosten kämen. Und dann kommen die Entwickler auf ein heikles Thema zu sprechen: den Datenschutz.

Fakt ist: Wenn die App im Hintergrund läuft, werden praktisch alle Daten aus dem Internet über die Onavo-Server geleitet. Das iPhone fungiert lediglich als Proxy - es sagt also den Apps, über welche Server die Daten weitergeleitet werden sollen. In den Online-Foren werden darum kritische Stimmen laut, die diese Funktionsweise als problematisch erachten. Die Leute sollten sich gut überlegen, ob sie all ihre Daten, darunter E-Mails sowie Facebook- und Twitter-Daten, gebündelt über die Onavo-Server laufen lassen wollen. Es sei nicht restlos geklärt, was die Firma mit den gesammelten Daten anfangen werde.

Keine sensiblen Daten

Tatsächlich erfasst Onavo einige Informationen, so zum Beispiel die IP-Adressen und Statistiken zur Nutzung. Das Unternehmen versichert, der Datenschutz werde zu 100 Prozent garantiert. Verarbeitet werden die Daten in professionellen Data-Centern von Amazon Web Services rund um den Globus. Die übertragenen Inhalte wie Mails, Tweets oder ausgefüllte Formulare würden gar nicht gespeichert, sondern lediglich verkleinert und weitergeleitet. Überhaupt nicht erfasst würden zudem alle vertraulichen Inhalte, die über gesicherte HTTPS-Verbindungen übertragen werden.

Laut Onavo erfolgt eine statistische Auswertung, um den Dienst weiter zu verbessern. Die Nutzungsdaten würden anonymisiert gesammelt, wie es beispielsweise auch die Internet-Provider tun. Alle Kundendaten seien sicher und würden keinesfalls an Drittfirmen weiterverkauft. Dies steht auch in der Datenschutzerklärung.

In einem Werbevideo auf der Onavo-Website wird die Funktionsweise anschaulich erklärt:

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