Aktualisiert 06.12.2018 08:32

Auto-Kommunikation Diese App macht den Mittelfinger überflüssig

Drängelt einer? Muss man bremsen? Geht es nach dem Kickstarter-Projekt «Motochat», soll man bald von Fahrzeug zu Fahrzeug kommunizieren können.

von
srt

Via App auf eine LED-Anzeige: Projekt «Carchat». (Kickstarter)

Seien wir ehrlich: Neben vielen sinnvollen Kampagnen hat die Sammelplattform Kickstarter auch schon so manchen geistigen Dünnpfiff ins Rampenlicht gerückt. Dazu gehören etwa ein Wassermelonenhalter, ein fliegendes Velo, Fische auf Rädern oder ein riesiger Swimmingpool im Hudson River vor New York City. Nicht zu vergessen: Paul, «The Sexiest Smartphone charger of the Universe» (oder so ähnlich):

Realisiert wurde Paul nie, die Idee konnte aber immerhin über 2000 Franken von risikofreudigen Investoren sammeln. Damit steht er zurzeit bei etwa doppelt so viel Startkapital wie das Projekt «Motochat», mit dem ein Franzose die direkte Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation ermöglich will.

Schimpfwörter auf LED

In Sachen Hirnrissigkeit steht «Motochat» irgendwo zwischen den Fischen auf Rädern und dem Wassermelonenhalter. Will heissen: Die Chance besteht, dass das Projekt tatsächlich in die Gänge kommt. Gänzlich sinnfrei ist das Vorhaben schliesslich nicht. Immerhin gehört der direkte verbale Austausch zwischen Autofahrern zu den aktuellen Missständen in der heutigen Kommunikation.

Weil man im Auto oder auf der Autobahn nicht einfach nebeneinander herfahren und miteinander diskutieren kann, werden bislang vor allem nonverbale Mittel eingesetzt. Hände verwerfen, Vogel zeigen, den gestreckten Mittelfinger zeigen, Hand auf den Arm schlagen – man kennt sie. Damit soll nun aber Schuss sein, denn via «Motochat» respektive das Vierrad-Pendant «Carchat» sollen sich via App direkte Textnachrichten auf eine LED-Anzeige sprechen lassen. Diese ist am Heck eines Autos oder eines Motorrads befestigt und zeigt den gesprochenen Text in roter Leuchtschrift an.

Damit soll man etwa Drängler am Heck freundlich darum bitten können, mehr Abstand zu halten – oder bei Unverbesserlichen vielleicht auch mal den einen oder anderen Kraftausdruck übermitteln. Auch abrupte Bremsmanöver kann man anderen Verkehrsteilnehmern rechtzeitig ankündigen, genauso wie Bewunderung für Auto und Fahrkünste anderer («awesome»).

Noch ein paar Tage Zeit

Um fair zu bleiben: Das Projekt ist nicht komplett sinnfrei, immerhin verfügt «Motochat» auch über eine Notfallfunktion, die im Falle eines Unglücks eine Meldung und den Unfallort an eine vorbestimmte Nummer senden kann.

Dennoch: Mit noch 19 verbleibenden Tagen und erst einem Drittel des benötigten Kapitals ist es unsicher, ob «Motochat» wirklich das Licht der Welt erblickt – oder doch eher das Schicksal von Paul, dem sexy Smartphone-Ladegerät, teilen wird.

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