Aktualisiert 16.04.2020 08:09

#coronascience

Diese App soll über Corona in der Schweiz aufklären

Das genaue Ausmass der Corona-Pandemie in der Schweiz ist bislang unbekannt. Eine neue App soll das ändern.

von
Fee Riebeling
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Die Ankunft des Coronavirus hat in in der Schweiz vieles verändert. Nicht nur sieht man in der Öffentlichkeit immer häufiger Masken ...

Die Ankunft des Coronavirus hat in in der Schweiz vieles verändert. Nicht nur sieht man in der Öffentlichkeit immer häufiger Masken ...

uwe Zucchi
... sondern allerorten auch leere Plätze. Die Menschen halten sich stattdessen öfter zu Hause auf. Doch was macht das mit ihnen? Wie geht es ihnen körperlich, wie seelisch?

... sondern allerorten auch leere Plätze. Die Menschen halten sich stattdessen öfter zu Hause auf. Doch was macht das mit ihnen? Wie geht es ihnen körperlich, wie seelisch?

Keystone/Laurent Gillieron
Weil das derzeit niemand beantworten kann, haben Forscher der Berner Fachhochschule (BFH) und der Midata-Genossenschaft die Corona-Science-App entwickelt.

Weil das derzeit niemand beantworten kann, haben Forscher der Berner Fachhochschule (BFH) und der Midata-Genossenschaft die Corona-Science-App entwickelt.

coronascience.ch

Wie gross ist die psychische Belastung aufgrund der Coronavirus-Massnahmen in der Schweiz? Wie viele Menschen in der Schweiz sind oder waren überhaupt infiziert? Das kann derzeit niemand beantworten – weil nicht jeder Erkrankte Symptome aufweist, aber auch, weil nicht jeder Verdachtsfall getestet wird. Entsprechend unbekannt ist das wahre Ausmass der Sars-CoV-2-Pandemie in der Schweiz.

Die kostenlose Corona-Science-App, die Forscher der Berner Fachhochschule (BFH) und der Midata-Genossenschaft heute lanciert haben, soll diese Wissenslücke schliessen. «Wir wollen damit auch von jenen Personen Daten sammeln, die bisher in keiner Statistik auftauchen», erklärt Serge Bignens, Leiter des Instituts für Medizininformatik I4MI an der BFH. Mit seinem Team hat er bereits die Pollenallergiker-App «Ally Science» entwickelt. Wie bei dieser sind die Forscher auch dieses Mal auf die Mithilfe möglichst vieler Menschen in der Schweiz angewiesen. «Mindestens 100'000 wären schön», so der Experte.

Körperliche und psychische Aspekte

Die neue App richtet sich statt an Pollengeplagte an alle Covid-19-Betroffenen. «Wir wollen von ihnen wissen, welche Symptome sie haben und wie stark diese jeweils sind», so der Forscher. Auch ob sie einen Test gemacht haben oder sich zu Hause befinden, wird abgefragt.

«Neben diesen direkt mit dem Coronavirus zusammenhängenden gesundheitlichen Aspekten interessiert uns auch, wie sich die Nutzer während der Lockdown-Phase fühlen», sagt Bignens. Da seien dann auch Gesunde gefragt, die aufgrund der Einschränkungen aber ebenfalls von der Pandemie betroffen seien.

Analysen der Corona-Science-Daten sollen mehr Wissen über den Krankheitsverlauf bringen, lokale Ausbrüche identifizieren, die psychische Belastung während und nach dem Lockdown aufzeigen und helfen, den Weg zurück in die Normalität besser zu planen.

Verlauf statt Momentaufnahme

Um den Verlauf der Erkrankungswelle nachzeichnen zu können, «werden die Nutzer nach der ersten Anwendung gebeten, ein Konto zu eröffnen und wöchentlich oder sogar täglich ein Update zu geben», erklärt Bignens die Funktionsweise der App. Die Daten werden anschliessend nicht durch das Corona-Science-Team selbst analysiert, sondern anonymisiert auf einer Open-Data-Plattform der Forschung zur Verfügung gestellt.

«Von den persönlichen Daten werden nur die Altersklasse und der Wohnkanton weitergegeben», erklärt der BFH-Mann. Denn damit lassen sich Aussagen über besonders betroffene Gruppen tätigen und regionale Krankheitsausbrüche erkennen. Diese Informationen könnten später mit denen von Spitälern verknüpft werden: «So bekäme man endlich einen Gesamtüberblick über die Corona-Pandemie in der Schweiz.»

Die Daten werden in persönlichen Konten auf der sicheren und datenschutzkonformen Midata-Plattform gespeichert. So haben die Nutzer volle Kontrolle über die Daten und können auch jederzeit die Einwilligung zur Teilung der anonymisierten Daten beenden.

Offen für Kooperationen

Die App ist bewusst modular aufgebaut. Dies einerseits, weil Bignens und seine Kollegen so die Möglichkeit haben, rasch auf die weitere Entwicklung der Pandemie zu reagieren und weitere Aspekte zu integrieren.

Andererseits, weil man Corona-Science so leicht mit anderen Angeboten wie zum Beispiel der Contact-Tracing-App der ETH Lausanne verknüpfen könnte. «Es wäre doch schön, wenn man in Zukunft nur eine App zum Thema auf dem Smartphone hätte und nicht viele verschiedene.»

Die App kann ab heute auf Coronascience.ch oder im Google Play Store heruntergeladen werden, die iOS-Version wird in Kürze folgen.

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