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Neue RichtlinienDiese Apps profitieren vom Whatsapp-Fiasko

Vergangene Woche wurde bekannt, dass Whatsapp seine AGB ändert. In der Folge sind viele Nutzerinnen und Nutzer zu anderen Chat-Apps abgewandert.

von
Dominique Zeier
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Whatsapp ändert am 8. Februar seine AGB.

Whatsapp ändert am 8. Februar seine AGB.

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Neu werden private Informationen der Nutzerinnen und Nutzer von Business-Accounts mit Facebook geteilt.

Neu werden private Informationen der Nutzerinnen und Nutzer von Business-Accounts mit Facebook geteilt.

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Europäische Bürgerinnen und Bürger betrifft dies jedoch nicht.

Europäische Bürgerinnen und Bürger betrifft dies jedoch nicht.

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Darum gehts

  • Whatsapp hat angekündigt, dass die Daten von Business-Accounts neu mit Facebook geteilt werden.

  • Obwohl diese Regelung nicht für EU-Bürgerinnen und Bürger gilt, haben sich viele User dazu entschlossen, eine neue Chat-App zu installieren.

  • Insbesondere drei Apps haben von der Abwanderung profitiert. Threema, Signal und Telegram.

Letzte Woche hat Whatsapp neue Nutzungsbedingungen kommuniziert. Obwohl sich für die User in Europa nicht viel daran ändert, wie Whatsapp die Daten seiner Nutzerinnen und Nutzer mit dem Mutterkonzern Facebook teilt, haben sich doch viele User plötzlich Gedanken über ihre Privatsphäre gemacht. Denn auch wenn die privaten Daten der User in Europa vorerst noch privat bleiben, gibt es keine Garantie, das Whatsapp diese Informationen in Zukunft nicht irgendwann mit Facebook zu teilen beginnt.

Davon profitieren konnten andere Messenger-Dienste, die dafür bekannt sind, verstärkt an der Wahrung der Privatsphäre der Nutzer interessiert zu sein. Es handelt sich dabei um Folgende:

Threema

Threema ist eine Messaging-App, die im Jahr 2012 in der Schweiz lanciert wurde. Wie das Unternehmen berichtet, hat die Ankündigung der neuen Whatsapp-ABG bei Threema eine regelrechte Nutzer-Explosion ausgelöst. Seit Freitag verzeichnet die Firma nämlich eine Vervierfachung der täglichen Downloads. Threema ist zudem in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich auf Platz 1 der Chat-Apps der Bezahl-Apps angestiegen.

Bei Threema wird viel Wert auf die Privatsphäre der Nutzer gelegt. «Ziel unserer App ist es, den Missbrauch von User-Daten von Seiten von Unternehmen oder stattliche Überwachung zu verhindern», heisst es bei Threema. Die Nachrichten, die über die Chat-App verschickt werden, sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Bis Januar 2020 zählte die App rund 8 Millionen Nutzer aus der ganzen Welt.

Ein weiterer Vorteil, den Threema mit sich bringt: Für die App müssen keinerlei persönliche Informationen preis gegeben werden. Es wird nicht einmal eine Handynummer benötigt. Zwar können freiwillig Informationen wie E-Mail-Adresse, Telefonnummer oder die Kontaktliste mit der App verknüpft werden, die Daten werden aber stets in Form eines Hashs übertragen und sofort nach der Synchronisation wieder vom Server gelöscht. Threema ist seit Ende 2020 Open Source. Die App kann also von allen analysiert werden, um Lücken und Schwachstellen zu finden.

Die App ist im Play Store und App Store für 3 Franken erhältlich.

Signal

Eine zweite App, die vom wachsenden Misstrauen der Nutzer gegenüber Whatsapp profitieren kann, ist Signal. Auch diese App wirbt damit, ihren Usern einen hohen Grad an Privatsphäre zu garantieren. In der Twitter-Beschreibung des Unternehmens steht nur: «Sag hallo zu Privatsphäre.»

Dies scheint viele Leute angelockt zu haben. Denn kurz nachdem Whatsapp seine neuen AGB angekündigt hat, war das Verifizierungs-System von Signal überlastet, wie über Twitter kommuniziert wurde. Das Problem sei mittlerweile aber wieder gelöst, heisst es. Auch die Signal-App schaffte es vorübergehend auf den Platz 1 der Download-Charts der Messaging-Apps in mehreren europäischen Ländern.

Signal hat eine Open-Source-Verschlüsselung. Dies bedeutet, dass die Software von Entwicklern und Sicherheitsexperten frei getestet werden kann und allfällige Sicherheitslücken rasch auffliegen und ausgebessert werden. Die App wird von vielen Tech-Experten bereits genutzt. So hat beispielsweise Elon Musk im Anschluss an die neuen Whatsapp-AGB seine Empfehlung für Signal auf Twitter verkündet.

Die App ist gratis im Play Store und App Store zu finden.

Telegram

Die Nutzerzahlen der Chat-App Telegram wachsen schon seit Monaten. Dies sei nicht verwunderlich, findet der Telegram-Gründer und -CEO Pavel Durov laut dem «Business Standard». Man habe seit längerem einen Zuwachs in der Anzahl der User beobachten können, dieser sei durch die Whatsapp-Ankündigung aber nochmals grösser geworden, so Durov. Auch der offizielle Telegram-Twitter-Account amüsierte sich über die Reaktionen der User zu den neuen Whatsapp-Regelungen.

Telegram ist Whatsapp äusserst ähnlich. So verfügt es über alle Funktionen, die auch von Whatsapp bekannt sind, hat aber noch einige weiter Funktionen wie Polls, Quizze, Hashtags und Bots, die in den Chats verwendet werden können.

Lange Zeit galt es als eine äusserst sichere App, was die Privatsphäre seiner Nutzerinnen und Nutzer angeht. Im November 2020 veröffentlichte Heise.de allerdings eine Analyse, die das Gegenteil behauptet. So soll die App unter anderem alles, was getippt wird, an den Telegram-Server liefern, bevor es überhaupt abgeschickt wird. Tatsächlich kommt der Autor des Texts zum Schluss, dass Whatsapp sogar sicherer als Telegram sei, was die privaten Daten der User angehe. Allerdings hat man bei Telegram die Möglichkeit, einige Privatsphäre-Settings in den Einstellungen manuell anzupassen.

Telegram ist gratis im Play Store und App Store erhältlich.

Digital-Push

Wenn du den Digital-Push abonnierst, bist du über News und Gerüchte aus der Welt von Whatsapp, Snapchat, Instagram, Samsung, Apple und Co. informiert. Auch erhältst du Warnungen vor Viren, Trojanern, Phishing-Attacken und Ransomware als Erster. Weiter gibt es Tricks, um mehr aus deinen digitalen Geräten herauszuholen.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tipp unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Digital» an – et voilà!

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116 Kommentare
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Redback

13.01.2021, 22:46

Seit neuestem benutze ich mehrere Apps. Ich will weg von WhatsApp. Ist aber im Moment noch nicht ganz möglich. Verein und so. Aber privat werde ich den meiden.

martin

13.01.2021, 14:56

jedes Jahr kommt dieses Thema. erst wandern alle von Whatsapp weg und dann kommen sie zurück ? Warum? weil ihr Freunde bei Whatsapp bleiben. Wenn ihr Privatsphäre wollt schmeisst das Handy weg. Apple und Google wissen schon alles für euch. ins Facebook dann auch weiss spielt keine Rolle. habt ihr bestimmt damals schon selbst alles gegeben wo der facebook Hype war ;-)

Wire Nutzer

13.01.2021, 14:20

Natürlich wird die beste App ohne Werbung, mit kompletter Ende zu Ende Verschlüsselung (alles nicht nur text :], keine Telefonnummer zur Registrierung nötig und schweizer Geschäftssitz wieder nicht erwähnt: Wire Swiss (private accounts kostenlos)