Top 10: Diese Autowerbung vergisst man nie
Für Jaguar produzierte Oscar-Gewinner und Regisseur Tom Hooper einen 60-Sekunden-Thriller. 

Für Jaguar produzierte Oscar-Gewinner und Regisseur Tom Hooper einen 60-Sekunden-Thriller.

Jaguar
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Top 10Diese Autowerbung vergisst man nie

Autowerbung gilt als Königsdisziplin im Business, oft investieren die Autohersteller dafür richtig viel Geld. Mit unterschiedlichem Erfolg. Diese zehn Beispiele sind aber so gut, dass sie Jahre danach noch immer begeistern.

von
Fabio Simeon / A&W Verlag

Platz 10: VW Käfer (1959)

Volkswagen

Er galt als Sinnbild für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg und die individuelle Mobilität: Der VW Käfer. Aber nicht allein die abgerundete Form und die freundlichen Kulleraugen bewogen Millionen zum Käfer-Kauf, sondern auch die New Yorker Werbeagentur Doyle Dane Bernbach (DDB). Ihre 1959 lancierte und bis in die frühen 70er im Einsatz stehende Kampagne «Think small», zählt noch heute zu den effektivsten Werbe-Coups aller Zeiten. Trotz minimalem Budget verwandelten sie das Renommee vom Hitler-Wagen zum Auto der Hippies. Mit «Think small» machte DDB aber nicht nur Publicity für den Käfer und Werbung für gute Werbung, sie revolutionierten die Art und Weise, wie das Automobil vermarktet wurde: Weg von «Schauen Sie, wie wunderbar vollkommen dieses Auto ist», hin zur rationalen Selbstdarstellung mit einem Hauch Eigenironie.

Platz 9: Lexus LS 400 (1989)

Toyota

Von so viel «Understatement» und «Anspruchslosigkeit» hielt man im Land der aufgehenden Sonne nicht viel – im Gegenteil. Mit dem Werbespot «Balance» präsentierte Toyota 1989 die Laufruhe ihrer Edelmarke auf imposante Art und Weise: Während sie ihrem Lexus LS 400 auf dem Prüfstand die Sporen gaben und bis 230 km/h beschleunigten, stapelte eine Butler-Hand seelenruhig 15 Kristallgläser in Pyramidenform auf der Motorhaube. Die TV-Welt war begeistert! Der Clip erhielt mehrere Auszeichnungen und wurde in späteren Versionen nachgeahmt – bis heute. Anlässlich des 30-jährigen Lexus-Geburtstags balancierte Toyota CEO Akio Toyoda ebenfalls Champagnergläser auf der Motorhaube – allerdings etwas humorvoller und auf jener des aktuellen Lexus LS500.

Platz 8: Porsche 956-er (1983)

Porsche

Bis heute gilt es als eines der prestigeträchtigsten Rennen der Welt – das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Dieses wurde 1983 so stark von Porsche dominiert, dass die Stuttgarter neun der zehn Top-Positionen einfuhren. So uninteressant das Rennen verlief, so dramatisch war die Schlussrunde: Der führende Hurley Haywood, der in der Nacht bei voller Fahrt eine Tür verlor, hatte in der letzten Runde einen Motorschaden und schleppte den angeschlagenen Porsche mit rauchendem Motor in Richtung Ziel. Verfolgt wurde er dabei von Jacky Ickx, welcher in seinem 956-er aufgrund eines leer gefahrenen Tankes ebenfalls nur langsam Richtung Ziellinie rollte. Auch die nächsten sechs Plätze gingen an die Zuffenhausener, ehe ein Sauber-BMW C7 das perfekte Ergebnis für Porsche in der Gesamtwertung ruinierte und so für ein mittlerweile legendäres Werbeplakat sorgte.

Platz 7: Dodge Charger und Challenger Hellcat SRT (2016)

Dodge

Fast schon hollywoodreif ist die pünktlich zum Unabhängigkeitstags am 4. Juli 2016 veröffentlichte TV-Werbung des amerikanischen Autobauers Dodge. Der 90-sekündige Spot mit dem Titel «Predators» zeigt einen Charger und einen Challenger, beide als SRT Hellcat Versionen sowie eine Viper GTS, die in der Nacht durch die verlassenen Strassen Miamis donnern. Während die drei PS-Boliden zu Phil Collins-Single «In the Air Tonight» Drifts hinlegen, die selbst Ken Block ein Lächeln unter die Monster-Energy-Cap zaubern, verkündet eine tiefe Männerstimme, dass die Zeiten, in welchen Raubtiere Angst und Schrecken verbreiteten, längst vorbei seien, und man sich deshalb entschlossen habe, selbst welche zu bauen. Zwar weisen die Höllenkatzen keine Säbelzähne auf, mit 717 PS dafür eine monströse Leistung.

Platz 6: Jaguar F-Type (2014)

Jaguar

Seit jeher steht Super-Bowl-Werbung für grosse Gefühle, emotionale Appelle, prominente Gastauftritte und eine ordentliche Portion Humor. Das weiss auch Jaguar. Kurzerhand baten die Briten ihren Landsmann und Oscar-Preisträger Tom Hooper, einen 60-Sekunden-Thriller zu inszenieren. Der mitunter wie eine Mischung aus James Bond- und Harry Potter-Filmen wirkende Spot beginnt mit der Frage von Sir Ben Kingsley: «Have you ever noticed how in Hollywood movies all the villains are played by Brits?» Dabei zeigt er auf das Jaguar F-Type Coupé, das danach von Mark Strong mit fiesem Lächeln von einem kleinen Flughafenfeld in das nächtliche London gesteuert wird. Very british: Strong findet sogar dann noch Zeit, genüsslich an einer Tasse Tee zu nippen, als er von Tom Hiddleston per Helikopter verfolgt wird. Zum furiosen Finale treffen sich alle drei Verbrecher vor einem herrschaftlichen Anwesen, in dem sich das geheime Bösewichte-Hauptquartier verbirgt. Nach ein paar Lobeshymnen an den automobilen Hauptdarsteller gebührt dem schön dämonisch rüberkommenden «Sir Ben» das Schlusswort: «Oh yes, it’s good to be bad.»

Platz 5: VW Golf (2010)

Volkswagen

Mit «Buying a Volkswagen Golf off an old Lady» schafft es ein zweiter Geniestreich der VW-Marketingabteilung in unsere Top zehn. Wie schon beim Käfer setzte VW 2010 abermals auf Gelassenheit und Humor – mit Erfolg. Der Spot aus den Niederlanden zählt zu den witzigsten seines Genres. Im Kurzfilm wird die Prämisse, dass der Gebrauchtwagen einer netten «Oma» immer ein gutes Geschäft sei, auf lustige Art und Weise widerlegt. Spektakulär dabei: Die Doppelleben-Lady war bei den Dreharbeiten bereits 77 Jahre alt, was sie aber nicht davon abhielt, den einen oder andern Stunt selbst zu fahren.

Platz 4: Audi 100 CS Quattro (1986)

Audi

Auch die Ingolstädter muss man in puncto Vermarktung nicht lehren. Schon 1986 entwarfen sie zusammen mit einer Werbeagentur einen Spot, der über die Jahrzehnte kaum an Appeal verloren hat und ihr grösstes Gut, den Allradantrieb, auf eindrucksvolle Weise präsentierte. Das Video beginnt damit, dass die Kamera im Nebel über den Audi 100 CS Quattro fährt. Dann erstrahlen die Scheinwerfer, die Wischer schieben den Schnee von der Scheibe, der Fünfzylinder startet, der Gang wird eingelegt – damals noch mit einem manuellen Getriebe. Erst beim Losfahren sieht man, dass sich das Auto auf einer Skisprungschanze befindet. Diese weist 80 Prozent Steigung auf und musste von Rallyefahrer Harald Demuth ganze 13 Mal befahren werden, ehe alles im Kasten war.

Platz 3: BMW M5 E39 (2010)

BMW

Vielen BMW-Fans ist die Werbung ihrer Schützlinge seit einigen Jahren zu brav – das war nicht immer so: In der Vergangenheit finden sich zahlreiche Beispiele für Kampagnen, in denen offensiv mit der Freude am Fahren geworben und die Konkurrenz gerne ein wenig auf die Schippe genommen wurde. Der unvergessene Klassiker ist dabei sicherlich das Bild eines Auto-Transporters mit Mercedes-Zugmaschine und einer kompletten Ladung BMW 5er E39, darunter der Spruch «Auch ein Mercedes kann Fahrfreude bringen». Ebenfalls in die Sparte «fünf vor frech» fällt der Werbeclip zur 400 PS starken Fünfliter-V8 M-Ausführung. Mit eindrucksvollen Hochgeschwindigkeitsaufnahmen eines «Raketenautos» wird schlussendlich die Performance des M-Flaggschiffes beworben.

Platz 2: Honda Accord (2003)

Honda

Ist es nicht schön, wenn die Dinge ausnahmsweise mal funktionieren? Mit diesem Slogan warb Honda 2003 im Spot «The Cog» und traf damit den Nerv der Zeit. Das kreative Meisterwerk gewann nach seiner Veröffentlichung den begehrten britischen Television Advertising Award und landet bei uns auf Platz zwei der gelungensten Car-Commercials. Mit Ihrer «Rube Goldberg»-Kettenreaktion erzählen die Japaner in künstlerischer Form die mechanische Geschichte ihres Accords und leisten damit werbetechnische Pionierarbeit. In einem späteren Interview verriet der damalige Werbeagenturchef, dass er die Kettenreaktion vorab zeichnen liess, um zu beweisen, dass sie theoretisch möglich sei. Kostenpunkt: 100'000 Pfund und zwei auseinandergeschraubte Fahrzeuge.

Platz 1: Shell und Ferrari (2007)

Ferrari

Mit «Circuit» produzierten Shell und Ferrari 2007 die legendärste Autowerbung aller Zeiten. Während zwei Minuten durchleben die TV-Zuschauer eine Transformation über fünf Modelle hinweg, vom legendären 1952er Ferrari F500 hin zur Moderne. Während die F1-Bolliden durch die Strassen von Rom, New York, Rio de Janeiro, Hongkong und Monaco schiessen, haben die Filmemacher bewusst auf jegliche Musik oder Voiceover-Stimmen verzichtet und so die atemberaubenden Motorenakustik in den Mittelpunkt gestellt. Resultat: Gänsehaut pur und ein Werbespot, der so gut ist, dass der Spielfilm um ihn herum nicht selten zur Nebensache wurde.

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80 Kommentare
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Sinnvoll Einsetzen

30.03.2021, 13:20

Da es immer mehr Menschen gibt, müssen wir mit unserem Energieverbrauch clever umgehen. Deshalb ist der Umstieg auf BEV die sinnvollste Variante. Well to Wheel Effizienz (Also von der Herstellung der Energie bis zum tanken, Motor und was bei den Rädern ankommt): BEV 73%, H2 22%, SynFuel/Treibstoffe 13%.

kein wunder

30.03.2021, 12:53

kein einziger elektro darunter..wie will man die auch bewerben,abhängigkeit,unpraktisch,brandgefährlich?

Bürger der ECHTE

30.03.2021, 11:20

Die wo viel Werbung machen müssen, würden wohl ohne Werbung fast nichts verkaufen.